Jankowski, Susan: Der Traum

Schon als Teenager hat Beate immer nur davon gesprochen Journalistin zu werden.

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Immer und immer wieder hat sie es jedem erzählt der es hören wollte, oder auch nicht. Irgendwann hat Beate keiner mehr zugehört.

„Kind, vergiss es“ hat die Mutter immer wieder gesagt.

Nicht einer hat an sie geglaubt.

„Wie soll das gehen ohne Abitur?“, hat der Vater gefragt.

Alle waren sich einig darüber, dass Beate aufhören muss diesem Traum nachzujagen, der damit anfing das sie für ein Schülermagazin schrieb.

Äußerlich passt sich Beate ihrer Umwelt an, macht einen sehr guten Schulabschluss und bemüht sich, um einen Ausbildungsplatz in einem Büro

„Der beste Platz für dich“ sagt die Oma.

In Beate hämmert jedoch ihr Traum und lässt sie nicht los.

Als alle Versuche gescheitert sind die zu einem vernünftigen Ergebnis hätten führen können muss eine Vernunftlösung her. Das Arbeitsamt, die Verwandtschaft, alle; sind sich über ihren Kopf hinweg einig über ihre Zukunft. Sie sei am besten in einer Einrichtung für Körperbehinderte aufgehoben. Alle sind der Ansicht, ihre gescheiterte Ausbildungsplatzsuche läge an ihrer Behinderung, einer starken Spastik in der linken Hand, was aber keineswegs der Fall war.

Es war der Traum der Beate gefangen hielt.

Durch Zufall liest sie die Anzeige in der die Fernsehsportredaktion des Heimatsenders für ihr Hauptbüro eine Bürokraft sucht.

Beate bewirbt sich unbefangen und freudig. Alle freuen sich das Beate nun doch endlich anfängt die Realität anzunehmen.

Der flotte Stil der Bewerbung kommt an in der Redaktion. Wieder ist es ein Zufall, der dem Glück auf die Sprünge hilft. Beate’s Bewerbung landet auf dem Schreibtisch von, Chris dem Star der Redaktion. Er erinnert sich an die junge Frau die ihn vor etwa einem Jahr für ein Schülermagazin interviewt hat. In ihrem Lebenslauf liest er auch von ihren journalistischen Aktivitäten, und ist sich sicher das ist die Richtige. Beate bekommt eine Zusage und gleichzeitig einen Brief von Chris der ihr mitteilt, wenn sie annehme, könne sie bei ihm und seiner Frau wohnen. Seit die Kinder aus dem Haus sind ist es eh zu ruhig bei uns schreibt er noch.

An ihrem achtzehnten Geburtstag zieht Beate aus, geht neugierig, wie ein Kind das erste Mal allein auf den Spielplatz geht, nach Frankfurt in ihr neues Leben. Nichts mehr kann sie halten, und da ist auch nichts was sie vermisst.

In Chris und Marias Haus zieht sie ins Dachgeschoss. Hier findet sie Freunde, Familie, Menschen die an sie glauben und sie fördern.

In der Redaktion macht sie alles was man ihr aufträgt, kocht Kaffee, räumt auf, sorgt für alles was wichtig ist, schreibt Berichte und Briefe Tabellen neu, und bringt sogar das Archiv auf Vordermann.

Chris nimmt sich Zeit und zeigt ihr die journalistische Seite. Er ist erstaunt was sie alles weiß.

„Hast du Lust Samstag einen kleinen Beitrag zu machen?,“ fragt er nach einem halben Jahr.

„Gern“ gibt sie zu.

Chris glaubt an sie.

Samstags fährt sie mit raus. Bernd ist dabei, und hilft ihr wo sie Hilfe braucht. Ihr erster richtiger Fußballbericht.

Beate ist stolz auf sich. Bernd erklärt ihr wie sie wichtige Notizen macht, um später einen vernünftigen Bericht daraus zu machen. Er bringt sie zu den wichtigen Leuten, stellt Kontakte her, den Rest macht Beate selbst.

Nach dem Spiel gehen sie gemeinsam zur Pressekonferenz. Beate hält sich ruhig im Hintergrund, und stellt nur dann und wann, gezielt eine ihr für die Zuschauer wichtig erscheinende Frage.

„Wer ist die Kleine?“ wird Bernd von einem Kollegen vom privaten Radio gefragt.

„Unser Mädchen für alles“ gibt Bernd zurück und lacht.
Mensch das ist ein Naturtalent, geht es ihm währenddessen durch den Kopf. Staunend bleibt er an ihrer Seite während dem Rest der Zeit, bis der Beitrag steht.

Alles saugt Beate in sich auf. Sie lernt schnell und fragt neugierig nach allem was ihr fremd. Ihr Beitrag wird gesendet und ist der Erfolg des Abends, sogar für die überregionale Sportschau wird er genommen.

Alle freuen sich über den Erfolg „glaube wir müssen uns eine neue Bürokraft suchen, stellt Chris während der Nachbesprechung im Anschluss an die Sendung fest. Beate, spricht er lächelnd weiter, du solltest deinen Vertrag kündigen und als Redaktionsassistentin anfangen“.

Beate überlegt nicht lange, sondern stimmt spontan zu.

Chris verspricht ihr sich um alles zu kümmern.

„Du bist ein echtes Naturtalent“ stellt auch Maria, die in der Radiokulturredaktion arbeitet fest.

Beate macht vorerst noch ihren normalen Job mit erweitertem Aufgabengebiet. Sie wird immer mehr in die Redaktionsarbeit mit ein bezogen, macht noch häufiger kleine Berichte.

Ihr Vater findet den Mut sie anzurufen um ihr zu sagen, „toll, Mädchen weiter so“.

Beate freut sich sehr über dieses Lob, und ist wieder etwas mehr in der Lage, auf ihre Eltern zuzugehen. Die Mutter ist nach wie vor skeptisch gegenüber Beates tun.

Ein halbes Jahr später, rund um Beates 19 Geburtstag steht die EM an.

Chris möchte sie mitnehmen.

Beate soll das große Länderspiel in Amsterdam live kommentieren.

„Deine große Chance, du Naturtalent“ stellt Maria fest.

Chris muss gleich von Beginn am mit dabei sein während Beate noch zu Hause zu tun hat.

Zwei Tage vor dem großen Spiel fährt sie zusammen mit Maria nach Holland.

Maria denkt an damals als sie selbst gerade 19 war. „Hatte gerade Abitur gemacht, überlegt sie, und gleich zu Anfang meines Studiums traf ich Chris. Es ging schnell und wir waren das Traumpaar, irgendwie haben wir es gemeistert sind durch Höhen und Tiefen gegangen. Haben uns gestritten, geliebt, Kinder erzogen und es beruflich zu was gebracht“ erzählt sie.

Den Frauen bleibt noch Zeit sich die Stadt anzuschauen und das Flair zu genießen.

„Irgendwie bin ich nervös“, stellt Beate am Morgen ihres großen Tages mit zittriger Stimme fest. Einen Moment lang geht ihr durch den Kopf, was alles passieren kann.

Chris lacht,„du machst das schon.“

Gegen Mittag schaut Bernd noch mal vorbei um ihr Mut zu machen.

Am späten Nachmittag macht sie sich zusammen mit Chris auf den Weg zum Stadion. Auf der Journalistentribüne geht es schon zu, wie in einem Bienestock.

Beate ist nervös und begeistert von der angenehmen Atmosphäre.
Chris stellt sie dem der Kollegen vor.

Beate saugt alles in sich auf und versucht sich den Namen eines jeden Kollegen zu merken. Es entgeht ihr auch nicht das sie zum einen die jüngste ist, und die einzigste Frau. Jung genug geht sie geschickt damit um und genießt ein wenig von all den Männern bestaunt zu werden.

Sie hört wie ein österreichischer Zeitungskollege Chris fragt „, wo habt ihr die her?“

„Beate ist unsere Perle, gibt Chris ruhig zurück. Sie ist ein Naturtalent, erzählt Chris stolz weiter.

„Wenn du es sagst“ gibt der Österreicher zurück.

Eine halbe Stunde vor Anpfiff nimmt Beate ihren Lederrucksack und verlässt mit Chris den Teil der Journalistentribüne. Gemeinsam steigen sie die enge Wendeltreppe zur Übertragungskabine hoch. Oben angekommen strahlt Beate wie eine aufgehende Sonne.

„Du machst das schon“. macht Chris ihr Mut.

Dann steigt er wieder runter. Er macht später die Außenreportagen.

Beate ist allein, packt den Talisman aus, ein kleiner Teddy, ein Geschenk ihrer besten Freundin. Die Fahrradflasche mit der Apfelsaftschorle stellt sie in Reichweite. Dann bleibt ihr noch Zeit den Kopfhörer aufzusetzen, sich mit der Regie und dem Studiomoderator zu verständigen. Nachdem sie einmal kräftig durchgeatmet hat geht es auch schon los. Mal leise, mal laut oder frech meistert Beate das Spiel souverän, mit der nötigen Sachkenntnis. Alles läuft bestens. Sie ist glücklich wie noch nie in ihrem Leben.

Chris ist der Erste, der ihr nach dem Spiel zur überaus gelungen ersten Livereportage gratuliert. „Auf der Hotline haben die Telefone nicht still gestanden, berichtet er grinsend. Dein Vater war auch unter den Anrufern berichtet er.

„Und?“ fragt Beate

„Na, Mädchen, gibt Chris zurück, alle waren begeistert von dir.

“Tief beeindruckt packt sie ihre Sachen zusammen und verlässt gemeinsam mit Chris müde und glücklich strahlend die Reporterkabine.

Der österreichische Kollege steht unten.„Ich bin beeindruckt“ ist alles was er sagt als er Beate vorbeilaufen sieht.

„Paul sieh zu das du zur Pressekonferenz kommst, sonst entgeht dir noch was wichtiges“, rät Chris ihm.

In einer kleinen gemütlichen Kneipe treffen sie Maria und beschließen den aufregenden Abend bei einem Glas Wein.

Am nächsten Tag geht es zurück nach Frankfurt.

Während die drei im Hotel frühstücken, ruft der Boss des Senders an, um ihr sein dickes Lob auszusprechen.

Gegen Mittag brechen sie auf.

Der Flug Amsterdam Frankfurt dauert etwa eine Stunde.

Gleich nach der Ankunft fahren nach Hause. Chris telefoniert kurz mit der Redaktion Er kommt mit der Mitteilung zurück „Beate als kleine Belohnung sind zwei Tage Urlaub drinnen. Fahr mal zu deinen Eltern. Die haben schon mehrfach in der Redaktion angerufen“.

„Jetzt wo ich es aus eigener Kraft geschafft habe kennen die mich plötzlich wieder“, stellt sie sarkastisch fest, aber ich wird hinfahren teilt sie mit. Schnell packt sie ein paar Sachen in ihren Reiserucksack.

Sie nimmt den Spätzug. Der Vater holt sie am Bahnhof ab und begrüßt sie glücklich strahlend „wir sind so stolz auf dich“ stellt er fest.

Beate ist müde und reagiert überhaupt nicht darauf. Auf der Fahrt vom Bahnhof nach Hause erzählt ihr Vater, „und stell dir vor sogar deine Mutter hat sich das Spiel angesehen“.

„Sie wird wohl noch zum Fußballfan“, gibt Beate grinsend zurück.

Als sie zu Hause ankommen wartet die Mutter schon vor der Tür des kleinen Reihenhauses und begrüßt ihr Mädchen überschwänglich.

Beate lässt alles über sich ergehen.

Geschickt zieht sie sich mit der Feststellung es sei noch genug Zeit zum reden“, zurück in ihr kleines Zimmer in dem niemand etwas verändert hat, weil alle dachten sie käme schnell wieder zurück.

Nach einem gesunden tiefen Schlaf erwacht sie am nächsten Morgen irgendwann nach neun Uhr. Die Ruhe im Haus genießend macht sie sich auf in die Küche. Auf dem gedeckten Küchentisch liegt ein Zettel der Mutter, die ihr mitteilt sie sei gegen Mittag wieder da. Beate lässt sich das vorbereitete Frühstück schmecken. Den Vormittag verbringt sie lesend in einer Sofaecke.

Gegen Mittag kommt die Mutter von ihrer Halbtagsstelle zurück. „Ich mache uns einen Tee und dann erzählst du mir alles ganz genau“ bestürmt sie Beate.

„Klar“ gibt sie zurück. „Übrigens, plaudert die Mutter weiter, Mike hat angerufen er kommt heute nachmittag vorbei und bei Oma und Opa sollst du auch unbedingt vorbei kommen“.

„Sag was soll das?“ fragt Beate aufgeregt.

© 2000 by Susan Jankowski

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