Mayer, Stephanie: Ein Tierchen namens Nikolaus

Die Sonne schien herrlich warm vom blauen Himmel an diesem Herbstvormittag. Gerade richtig für einen kleinen Spaziergang an der frischen Luft. Ich beschloss meine Älteste zu Fuß vom Kindergarten abzuholen. Julia, meine jüngste Tochter, ließ sich bereitwillig in Schuh und Jacke stecken.

Wir schlenderten durch den Park, verweilten ein wenig am Spielplatz und erreichten pünktlich zur Mittagszeit den Kindergarten. Geduldig stellten Julchen und ich uns zu den anderen wartenden Müttern. „Haben Sie schon das Schild gelesen?“, fragte mich ein blonde Frau, die gleich rechts neben mir stand. Ich verneinte. „Was für ein Schild?“ „Es hängt dort im Fenster. Eines der Kinder hat Läuse.“ Skeptisch runzelte ich die Stirn. „Läuse? Im Zeitalter von genügend Wasser und reichhaltigem Shampoo-Angebot?“ Die Dame zu meiner linken nickte zustimmend. „Genau das habe ich mir auch gedacht.“ Weiter kamen wir nicht, denn unsere Kinder stürmten uns entgegen.

Stolz präsentierte Nina mir ihre selbstgebastelte Blume, die ich gebührend bewunderte. Etwas schnelleren Schrittes beeilten wir uns nach Hause zu kommen. Nina bekräftigte arg hungrig zu sein. Julchen nickte nur stumm. Irgendetwas schien sie zu beschäftigen. Zu Hause angekommen wärmte ich den vorgekochten Eintopf auf und deckte den Tisch. Nina half mir dabei. Meine Jüngste saß auf dem Fußboden und spielte mit ihren kleinen Stofftieren. Mir gingen immer noch die Läuse durch den Kopf. „Sag mal, Schatz, welches der Kinder hat denn Läuse? Weißt du das?“ Bevor sie mir auch nur annähernd antworten konnte, schaute Julchen vom plötzlich vom Boden auf und sagte: „Aber das heißt doch Nikoläuse!“

Stephanie Mayer, © September 2000

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