Haltern, Dörthe: Gestern

Gestern war ein recht ereignisreicher Tag. Er begann wie jeder normale Arbeitstag in einer völlig normalen Woche. Um sechs Uhr früh aufstehen. Ein Käsetoast und ein Spiegelei zum Frühstück. Kurz die Zeitung gelesen. Wie immer.

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Auch der tägliche Anruf aus der Zentrale, der mir wie jeden Morgen sagte, was ich an dem heutigen Tag zu erledigen hätte, kam gleich nach dem Zähne putzten. Ich habe einen recht hektischen Job. Zum Glück. Denn ich arbeite im Außendienst. Sonst dürfte ich den ganzen Tag hinterm Schreibtisch sitzen. Papierkram erledigen und sich mit Dolmetschern streiten. Im Außendienst kommt man allerdings selten zum Ausruhen. Außerdem gibt es kaum Urlaub. Wenn man glaubt, man könne sich endlich gemütlich auf Lanzerote im Liegestuhl zurücklehnen, klingelt das Handy und man wird gleich zurück nach New York beordert. Aber man kann ja auch nicht alles haben. Immerhin ist meine Arbeit abwechslungsreich und gut bezahlt.

Ich spülte noch schnell meinen Mund mit Wasser aus und haste zum Telefon. In meinem Beruf musste man immer erreichbar sein. Eine hektische Stimme antwortete am anderen Ende nachdem ich ein freundliches „Guten Morgen“ durch die Leitung geschickt hatte. Dann erhielt ich meinen Auftrag. Ein gigantischer Asteroid, der höchst wahrscheinlich von einer außerirdischen Macht gesteuert wird, rast auf die Erde zu und Bruce Willis ist gerade mit anderen Dingen beschäftigt. „Kein Problem.“, sage ich und schon ist der Tag verplant.
Kaum noch Zeit in den schwarzen Anzug zu schlüpfen und die schwarze Sonnenbrille aufzusetzen, denn schon saß ich im meinen kleinen privaten Shuttle. Mit Lichtgeschwindigkeit raste ich durch die unendlichen Weiten des Weltraums. Dabei habe ich immer ein ganz unbeschreibliches Gefühl. Ein Gefühl von Freiheit vielleicht, wenn man die Sterne an einem vorbei fliegen sieht. Weit weg von der Erde, von der aus man nicht mehr erreicht werden kann. Hier hat man für einen kurzen Moment seine Ruhe und man fühlt sich ein bisschen wie Urlaub haben auf Lanzerote. Ich überprüfte meine Instrumente und stellte fest, dass es noch eine Ewigkeit dauern würde bis ich den Asteroiden erreiche. Also beschloss ich noch etwas Schlaf nach zu holen.
Ein aufdringliches Piepen weckte mich aus meinen Träumen. Fluchend suchte ich mein Handy. Eigentlich konnte mich niemand von der Erde erreichen. Es war auch niemand von der Erde. Es war die Enterprise. Commander Spock. Er erklärte mir, dass Captain Kirk zusammen mit Perry Rhodan von aufsässigen Klingonen hinterhältig entführt worden sei. Nun versuchten das listige Weltraumpack ein Lösungsgeld von einer unglaublichen Summe erpressen. Sie verlangten das gleiche Recht wie alle anderen außerirdischen Mitbewohner zu haben. Auf der Erde landen dürfen und dort auch Handel zu treiben. Natürlich willigte ich sofort ein Commander Spock und der Enterprise zu helfen, denn erstens glaubte ich nicht daran, dass die Klingonen friedlich Handel treiben wollten und zweitens konnte ich sowieso nicht zulassen, dass ausgerechnet Klingonen auf der Erde landen dürften.
Es gelang mir wirklich Kirk und Rhodan auf einen Eisplaneten zu entdecken und zu befreien. Die Gedächtnisse der Klingonen löschte ich natürlich sofort, damit sie nichts mehr von ihrem Plan wussten. Durch diese Befreiungsaktion verlor ich eine Menge Zeit, aber wie es der Zufall wollte, befand sich auf dem Planeten ein Stargate durch das ich sofort eine Abkürzung nahm.
Auf meinem weiteren Weg stieß ich auf die Orion und Captain McLane berichtete von einer Flotte Frogs die sich auf meiner Route befand. So musste ich einen erneuten Umweg in Kauf nehmen, da ich jetzt keine Zeit (und Lust) hatte mich mit Frogs zu streiten.
Endlich schaffte ich es den Asteroiden zu finden. Ganz in der Nähe erspähte ich auch das fünfte Element mit dem ich den Asteroiden stoppen konnte. Erleichtert machte ich mich gleich auf die Heimfahrt. Für heute hatte ich erst einmal Feierabend.
Dachte ich zumindest. Kaum war ich zurück auf der Erde lief mir Magneto übern Weg, der mir stolz von einer seiner neusten Menschen-Vernichtungs-Maschine erzählte. Natürlich musste ich erst einmal Professor Xavier und die X-Men informieren. Die würden sich dann um die weiteren Angelegenheiten kümmern, denn Magneto fiel nicht in meinen Zuständigkeitsbereich.
Dann klingelt mein Handy. Ich solle sofort nach Washington fahren. Mulder und Scully haben etwas mitbekommen und glauben wieder an ihre Verschwörungstheorie. Ob ich nicht etwas dagegen tun könne. „Klar doch.“, sagte ich und fuhr nach Washington. Unterwegs begegnete ich Bruce Wayne der mich nach der nächsten Werkstatt fragte. Nach einer wilden Verfolgungsjagd habe sein Batmobile wieder ein paar kleine Kratzer bekommen, die behoben werden müssten. Bereitwillig erklärte ich ihm den Weg.
In Washington lief alles perfekt und Mulder und Scully haben keine Spur von irgendwelchen Außerirdischen gefunden. Zum Glück.
Im Bett las ich noch ein bisschen in meinem Buch „Außerirdische Kulturen und wie man ihnen begegnet“. Mal sehen was morgen alles passieren wird. Möge die Macht mit uns sein.

(c) Copyright 2001 by Dörthe Haltern

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