Thiel, Sylvia: Ein Spätsommertag mit Folgen

Ein Spätsommertag mit Folgen
An einem schönen Sonntag im Spätsommer, lagen wir gemeinsam zusammen bei uns am See. Eng umschlungen konnte ich das erste Mal, nach dieser arbeitsreichen Woche, Deine Zärtlichkeiten an mich nehmen. Gestern noch, sass ich im Büro, vor mir einen Stapel Papiere die ich zu bearbeiten hatte, spät kam ich dann endlich Heim.


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Müde fiel ich in meinen Kissen, und bemerkte gar nicht, wie Du mir zärtlich über meinen Körper steichelste. Ich war einfach zu kaputt und ausgelaucht ! Dann bemerkte ich auch noch zu meinem Unglück, dass mir mein Backenzahn leicht zu schmerzen begann. Ich dachte nur, ach, Morgen ist Sonntag, und alles ist wieder OK !

Am nächsten Morgen ging es wieder gut . Die Vorhänge wurden aufgezogen , und die ersten Sonnenstrahlen hineingelassen.
Es war bereits September und der erste Frühnebel machte sich in der Ferne breit. Doch die schöne Sonne , vertrieb schnell den Dunst am Himmelszelt, und es sollte ein ganz prima Spätsommertag werden.
Dann bemerkte ich Geräusche in der Küche. Feiner Duft von Kaffe und frisch gebackenen Brötchen stieg zu mir ins Schlafzimmer empor.
Markus war bereits in der Küche und bereitete das Frühstück vor.

Ich kramte in meinem Kleiderschrank nach meinem Bademantel, zog ihn über, und stieg langsam die Treppen hinab. Markus kam mir freude -strahlend entgegen und meinte, was hälst Du von einem Frühstück in freier Natur ? Wir fahren zum See, und geniessen den warmen Sonntag. Danach baden wir dann gemeinsam ein letztes Mal im See, wer weiss, wie lange der Spätsommer noch anhalten wird ! ?

Ich holte meine Badesachen. Markus bereitete alles für den Ausflug vor.
Auf einmal bekam ich wieder diesen Schmerz, den ich Gestern bereits bemerkte, mein Backenzahn machte sich bemerkbar . Ich dachte, oh weh, doch nicht jetzt, Heute ! Was soll´s, es wird schon gut gehen, waren meine letzten Gedanken. Dann rief mein Freund, Schatz, bist Du bereit für den Ausflug zu zweit ? Na klar, rief ich, und rannte ihm freudestrahlend in den Armen. Dann stiegen wir gemeinsam in seinem Cabrio ein. Ich sagte, ich liebe Dich ! Doch eigentlich wollte ich ihm sagen, mein Zahn bringt mich fast um ! Doch ich biss mir lieber auf meiner Zunge, als uns diesen schönen Tag zu vermissen.

Am See angekommen, bemerkten wir, dass wir nicht die Einzigsten dort waren. Viele Handtücher lagen in dem noch feuchtem Gras.
Dann endlich lag ich in seinen Armen, eng umschlungen. Die Sonne verwöhnte uns mit ihrer noch bestehenden Kraft. Markus fragte mich, ob ich einen Kaffe und ein frisches Brötchen haben möchte, ich verneinte, und meinte, an so einem schönen Ort, kann man doch nicht ans Essen denken, dabei küsste ich ihm zärtlich auf seinen Lippen, er genoss es , und erwiderte den Kuss. So lagen wir dann eine Weile auf unseren Handtuch. Markus rief, auf geht´s, der See ruft !

Dann bekam ich wieder diesen schrecklich Stick in meinem Backenzahn, autsch, durch fuhr es mich ! Markus bemerkte es zum Glück nicht. Er war zu sehr damit beschäftig mich in Richtung See zu schleppen.
Wir schwammen eine Weile drin herum. Dann wollte ich wieder raus.
Markus bemerkte dann doch etwas an mir. Sag mal, wo ist denn diejenige, die man normalerweise nicht aus dem Wasser bekommt ? Was ist los mit Dir ? Ich bekam ein roten Kopf, lügen war nicht meine Stärke, mir geht’s gut ! Markus entgegnete mir mit den Worten, das glaubt Dir vielleicht jemand, der Dich nicht kennt, ich bemerke doch schon eine Weile, dass irgendwas nicht stimmt.

Ich legte mich auf dem Handtuch, mit einem Anderen frottierte ich meine nass gewordenen Haare. Markus bekam auf einmal diesen seltsamen Blick, den er immer dann bekam, wenn er besorgt war. Dann wollte er mir über meinem Gesicht streicheln, das war zu viel ! Ich schrie auf, und biss mir wieder auf meiner Zunge. Doch leider war es bereits zu spät. Was ist los, was quält Dich so, sind es Zahnschmerzen, die Du hast ? Man, bin ich ein Idiot, ich hätte es doch schon beim Frühstücken bemerken müssen ! Ach Markus, ich lehnte mich noch feste an seiner Seite, nu mach nicht aus der Mücke einen Elefanten ! Mich nervt nur der Backenzahn seid Gestern Abend. Ich dachte doch, Heute sei alles vorbei !

Auf Markus Gesicht bildete sich ein Lächeln, ich mag keine Elefanten, die trampeln mir viel zu sehr auf den Nerven rum ! Langsam stand er vom Handtuch auf. Was ist los, fragte ich. Wir müssen gemeinsam Deinen Elefanten besiegen, grinste er, bevor dieser Zahn Dir noch die letzten Stunden, von diesem schönen Tag raubt. Schnell wurden die Handtücher in Plastiktüten verpackt , und das Essen zurück in den Piknickkorb gelegt. Was hast Du vor, fragte ich Markus.
Wir schauen nun gemeinsam, wer Heute Notdienst hat. Ich bin doch bei Dir !

Oh, man, ich hätte ihn umbringen können, er weiss doch genauso gut, wie ich, welche Angst ich vor Zahnärzten habe. Leider liess er nicht locker. Komm, es ist noch früh, danach können wir immer noch den Sonntag geniessen. Ach, Markus, lass mich eine Tablette nehmen, und ich verspreche Dir, Morgen gehe ich sicher zum Zahnarzt !
Markus grinste wiedereinmal, ich kenne Dich ! Du gehst doch erst zu einen Zahnarzt, wenn Du eine Vollnakose, von ihm bekommst.
Dann lass uns mal gehen, und keine Wiederworte, ich möchte doch noch den restlichen Tag mit Dir geniessen.
Oh, ja, ich wusste , er hatte ja Recht, ausserdem hielt ich den Schmerz kaum noch aus !

Dann standen wir vor der diensthabenden Praxis. Hand in Hand, zog er mich hinein. Es gab kein fortlaufen mehr.
Der Zahnarzt fragte mich, was ich für Schmerzen habe, dann schaute er sich meinen Backenzahn an, und meinte, da Haben Sie ja noch einmal Glück gehabt. Es ist nur eine Entzündung, aber diese kann höllisch schmerzen. Er spritze mir ein Antibiotikum und auch etwas gegen die Schmerzen. Nach einer halben Stunde war der Schmerz bereits Vergangenheit.

Glücklich rannte ich Markus in den Armen. Danke mein Schatz ! Ohne Dich wäre ich niemals zu einem Zahnarzt gegangen . Leider muss ich Dir aber nun sagen, ich darf jetzt in den nächsten zwei Stunden nichts Essen, was wird aus unseren leckeren Brötchen , scherzte ich. Alles halb so wild, scherzte er ebenfalls. Nun wollen wir erst einmal sehen, wie wir den restlichen herrlichen Spätsommertag herum bekommen, Morgen ist doch leider schon wieder Montag ! Komm, wir fahren wieder zum See, ich fühle mich, wie neu Geboren, rief ich ihm zu. OK! Machen wir da weiter, wo dieser Tag begonnen hat, und nicht, wie ein Spätsommertag mit Folgen…..

© Copyright by Sylvia Thiele // September 2002

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