Jankowski, Susan: Partner

Dave erwacht in der Klinik. Er kann sich an nichts erinnern, weiß nichts mehr von einem Unfall. Er sieht eine junge Krankenschwester neben seinem Bett sitzen und fragt völlig verwirrt „was mache ich hier? Ich erinnere mich an nichts“.

Die Schwester lächelt freundlich, „es ist schön das sie wach sind Dave“ begrüßt sie ihn mit ihrer weich klingenden Schwesternstimme.

„Wie lange liege ich schon hier?“ fragt er nervös:

Lernschwester Eve versucht zu antworten „ja also bestimmt schon“…..

Dave ignoriert ihren Versuch und brummt, „es reicht. Ich muss los. Mein Partner wartet auf mich. Ich bin nämlich Polizist“.

„Ja, ich weiß“, antwortet sie freundlich.

Er will aufstehen, schlägt mit der linken Hand die Bettdecke zurück. Er fragt sich, warum er die rechte Hand nicht bewegen kann. Als er seine Beine aus dem Bett heben will fühlt er da wo seine Beine sein müssten nichts. Alles ist taub.
„Was ist mit mir?“ schreit er die Schwester an, helfen sie mir endlich. Ich kann meinen Partner nicht länger alleine lassen“.

„Dave, bitte beruhigen sie sich“, sagt sie streng.

„Was soll ich?“ fragt er entgeistert und lässt sich erschöpft ins Bett zurück sinken.

„Ihr Partner ist draußen. Ich hole ihn sofort“, verspricht sie und geht zur Tür. Im rausgehen murmelt sie, „ich hole auch gleich einen Arzt“.

Einerseits ist er hellwach und anderseits völlig erschöpft. Ich glaube ich habe zuviel Kaffee getrunken, geht es ihm durch den Kopf. Warum er plötzlich an Kaffee denkt, das er sich auch nicht erklären, aber er ist sich sicher Sam wird ihm auf die Sprünge helfen können.

Sam springt auf als sie die Schwester aus dem Zimmer kommen sieht und läuft auf sie zu. „Was ist mit ihm?“ fragt sie sofort.

„Er ist aufgewacht und will sie sehen, antwortet die Krankenschwester freundlich. aber, bleiben sie nicht zu lange. Er braucht Ruhe“.

„Ja, ich werde nicht lange bleiben“, verspricht Sam.

„Ich gehe einen Arzt holen und komme dann zurück“, sagt sie und macht sich auf den Weg zum Ärztezimmer.

Langsam öffnet Sam die Tür des Zimmers 101 und betritt das halbdunkle Zimmer.

Dave öffnet die Augen und sieht sie müde an.

„Gut das du endlich da bist“, murmelt er kaum hörbar.

„Ich hoffe du hast gut geschlafen“, sagt sie freundlich.

„Was soll das alles hier?“ brummelt er seine junge Dienstpart-
nerin an.

„Hey, lächelt sie ihn traurig an, weißt du nicht mehr das du einen Unfall hattest?“ fragt sie während sie langsam zu seinem Bett geht.

„Was ist passiert, Sam? fragt er, noch mal, alles woran ich mich erinnere ist Kaffee“.

„Ja, du warst Kaffee holen während unserer Nachtschicht“, bestätigt sie ihm.

„Natürlich in Hugh Coffeeshop“, erinnert er sich langsam wieder.

„Aus der Dunkelheit heraus fiel dann plötzlich ein Schuss der dich getroffen hat“, erzählt sie ihm.

Erschöpft sinkt er in sein Kissen zurück, und schließt die Augen.

Sie bleibt neben ihm stehen, sieht an und fragt leise „warum war ich nicht in der Lage dir zu helfen?“

„Es war nicht deine Schuld“, antwortet er leise.

Als der Schuss fiel hatte sie im Wagen gesessen und nicht weiter darauf geachtet. Sie hatte den Schuss für die Fehlzündung eines Autos gehalten und nicht weiter darauf geachtet. Reagiert hatte sie erst als der Verkäufer aufgeregt auf ihren Streifenwagen zugelaufen war. „Ich hätte mit gehen sollen“, murmelt sie leise.

„Dann würden wir jetzt beide hier liegen, antwortet er ihr, es ist okay. Du hast keine Schuld“.

Dann kommt die Schwester mit einem Arzt zurück.

„Hi doc“, begrüßt Dave den Arzt müde.

„Wie fühlen sie sich?“ fragt der Arzt.

„Müde und meine Beine sind taub“, antwortet Dave.

Sam hört seine Verzweiflung und wendet sich flehentlich an den Arzt „sie müssen ihm helfen, Doc“.

Der Arzt ignoriert die junge Beamtin und wendet sich an Dave, „Ruhe ist jetzt das Beste für sie. Alles weitere besprechen wir Morgen“.

„Ich habe keine Zeit, und will jetzt sofort wissen was los ist“, sagt Dave wütend.

Sam streichelt seine Hand und sagt „beruhig dich Partner, der Doc wird schon wissen was gut für dich ist. Bleib hier. Ich komme dich jeden Tag besuchen“, verspricht sie ihm.

„Kommen sie jetzt bitte auch mit raus“, sagt der Arzt zu Sam.

„Ja, sofort“, antwortet sie langsam.

Bevor sie mit raus geht streichelt sie Dave kameradschaftlich über den Kopf und flüstert, „alles wird gut“.

Der junge Assistenzarzt wendet sich an die Lernschwester und sagt. „bleiben sie bei ihm. Wenn er unruhig wird spritzen sie ihm Tarvin“.

„Okay“, antwortet Schwester Eve und setzt sich wieder auf ihren Stuhl.

Gemeinsam verlassen Sam und der Assistenzarzt das Zimmer.

„Sie sehen müde aus“, sagt er zu ihr.

„Ja, ja“, gibt sie zu und fühlt wie sie eingeholt wird von ihrer Erschöpfung. „Die letzten Stunden waren hart“.

„Sie haben sich wohl große Sorgen gemacht“, stellt der Arzt fest.

„Ja, hab ich“, gibt sie kurz angebunden zu und kann sich kaum noch auf den Beinen halten.

„Kommen sie mit mir einen Kaffee trinken?“ fragt er sie höflich.

„Gern“, willigt sie ein.

Während sie zusammen zur Cafeteria laufen fragt er sie „wie lange kennen sie ihn schon?“

„Ich fahr, seit ich von der Polizeischule komme mit ihm Streife. Er hat mir eine Menge beigebracht und nun konnte ich ihn nicht schützen“, antwortet sie leise.

„Lieben sie ihn?“ fragt er weiter.

Sie sieht ihn verlegen an, und murmelt „ja doch. Er ist ein guter Kerl“.

„Weiß er von ihren Gefühlen?“ fragt der Doc einfach weiter.

„Nein, Mann, warum fragen sie das alles?“ beantwortet sie seine Frage gereizt, mit einer Gegenfrage.

„Ich muss wissen wie nah sie ihm stehen“, antwortet er.

„Was soll das alles?“; fragt sie wütend.

„Er hat eine Schocklähmung“, erklärt er ihr endlich.
„Danke das sie endlich mit der Wahrheit rausgerückt sind Doc“, wendet sie sich zu ihm und sieht ihn erschrocken an.

Sie ist froh das sie genau in diesem Moment die Cafeteria erreichen und der Arzt sie fragt, „wie möchten sie ihren Kaffee?“

„Schwarz und groß“, antwortet sie und lässt sich auf den ersten freien Stuhl fallen den sie erreichen kann.

Der Arzt kommt mit dem Kaffee zurück und setzt sich auf den Stuhl neben ihr.

„Danke für den Kaffee“, sagt Sam erschöpft.

„Er wird ihnen gut tun“, erwidert er.

Sam nickt und merkt schon nach dem ersten Schluck wie ihre Energie zurückkommt.

„Wie lange fahrt ihr zusammen?“ fragt der Arzt

„Zwei Jahre, erzählt Sam, ich kam direkt aus der Ausbildung zu ihm in den Wagen. Er hat mir alles beigebracht um auf der Straße zu bestehen“.

„Hat er Familie?“ fragt der Arzt weiter.

„Nun reicht es Doc. Ich bin müde und nicht die Auskunft“, antwortet sie wütend.

„Es macht mir keinen Spaß, antwortet er geduldig, aber es ist ganz wichtig zu wissen ob er Familie hat den er wird viel Unterstützung brauchen“.

„Ja entschuldigen sie meinen Ton, Doc. Ich bin ziemlich am Ende meiner Kraft“, gibt sie leise zu. „Seine Exfrau lebt in Europa. Sie wird ihm keine Hilfe sein. Das Revier ist seine Familie“.

„Danke, sagt der Arzt und steht auf, ich muss zurück. Sie sollten nach Hause gehen und schlafen“.

„Nein, antwortet sie, ich bin sein Partner und möchte bleiben“. Sie steht ebenfalls auf und folgt dem Arzt auf die Station zurück.

„Ja, okay, gibt er sich geschlagen. Gehen sie rein und setzen sie sich zu Eve. Ich sehe ich kann sie nicht davon überzeugen zu gehen. Sie sollten ihm gestehen was sie für ihn empfinden, Sam“.

„Ja das werde ich“, verspricht die junge Polizistin dem Arzt.

© 2001 by Susan Jankowski

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