Klesse, Anne: Schluss?!

„Mach Schluss! Zieh einen Schlussstrich. Er hat dich nicht verdient!“ Solche oder ähnliche Kommentare bekam ich öfter mal von meinen Freunden zu hören. Und ich fing auch jedes Mal wieder an darüber nachzudenken, denn im Unterbewusstsein wusste ich das sie Recht hatten. Es klappte einfach nicht mehr. Unsere Beziehung war von Anfang nicht gerade etwas besonderes. Natürlich hat es auch wunderschöne Momente gegeben. Er war mein erster Freund und gerade deshalb erinnere ich mich noch genau an unsren ersten richtigen Kuss. Es war auf einer Geburtstagfeier bei meiner Freundin. Es war wunderschön und ich war glücklich. Er war – und ist – in dieser Beziehung ziemlich schüchtern, aber der Sekt half uns über unsere Zurückhaltung hinweg.

Aber unser letztes Telefonat gab mir mal wieder viel Stoff über uns beide nachzudenken. Ich hatte ihn gefragt, wann er Zeit haben würde. Seine Antwort war, dass er morgen für fast zwei Wochen nach Italien fahren würde und ob ich das denn nicht wüsste!? Nein, und ich war ziemlich schockiert, dass er es mir mal so eben nebenbei mitteilte.

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Doch als ich später mal wieder mit meinen Gedanken bei ihm war, fiel mir ein, dass er es mir doch erzählt hatte. Ich hatte es schlicht weg vergessen. Und er hatte es auch nicht für nötig gehalten, es mir vorher noch mal zu erzählen. Konnte und durfte man etwas so wichtiges einfach vergessen?? Immerhin war er doch mein Freund und hatte ich ihn nicht auch lieb?
Das gab mir den Anlass zu meinem Entschluss. Ich wusste, dass unsere Beziehung keinen Sinn mehr machte. Ich musste sie so schnell wie möglich beenden.

Doch mein Entschluss wurde – dadurch das ich damit noch fast zwei Wochen warten musste – auf eine harte Probe gestellt. Immer wieder schweiften meine Gedanken zu ihm. Ich erinnerte mich an all die vielen schönen Momente. Die schlechten Tatsachen verdrängte ich meistens, bis ich mich dazu zwang gerade daran zu denken, immerhin waren sie der Grund für meinen Entschluss. Verstohlen betrachtete ich immer wieder sein Foto, welches immer noch auf seinem alten Platz auf dem Schrank stand. Warum? Waren das nicht irgendwie die falschen Bedingungen um mit ihm Schluss zu machen?
Die Versuche meiner Freundin von meinem Entschluss zu erzählen scheiterten alle. Ich hatte Angst es auszusprechen, es kam mir so endgültig vor.  Immer noch kreisten meine Gedanken um ihn, auch wenn ich ständig versuchte sie zu verdränge. Viele meiner Ablenkungsversuche schlugen fehl. Es war mir noch immer noch nicht bewusst, ob die Entscheidung richtig oder falsch war. Mein Verstand sagte ja, aber ich vermisste ihn doch jetzt schon…
Die Tränen stiegen mir in die Augen bei dem Gedanken nie mehr in seinen Armen zu liegen. Doch solche Augenblicke gab es nicht mehr viele. Ihm fehlte einfach die Zeit für mich. Ich jedoch brauchte jemanden der für mich da war, wenn ich mich z.B. einsam fühlte. Doch das konnte er mir offensichtlich nicht geben.
Als ich ein paar Tage später die Post reinholte, stellte ich fest, dass ich auf den von ihm versprochenen Brief wartete. Mein Herz fing wie wild an zu klopfen. Wieder kam mir Zweifel auf. Ich redete mir immer und immer wieder ein, dass meine Entscheidung richtig war. Ich musste endgültig einen Schlussstrich ziehen.
Einen endgültigen Schlussstrich!! Aber wie? Was sollte ich ihm sagen? Wie würde er es auffassen? Wie sollte ich es anstellen ohne ihn zu verletzen? Tausende von Fragen schwirrten in meinem Kopf umher. Und ich wusste sie würden nur beantwortet werden, wenn ich es schaffte mit ihm zu reden. Immer wieder malte ich mir unser Gespräch aus. Jedoch ohne eine Lösung auf meine Fragen zu finden. Auch konnte ich mir einfach nicht vorstellen, wie er reagieren würde.
Als er aus Italien wieder da war, konnte ich keinen klaren Gedanken mehr fassen. Mein Herz klopfte und meine Hände zitterten. Ablenkung war unmöglich. Ich konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen. Sollte ich wirklich mit ihm Schluss machen? Ich wurde immer unsicherer.
Doch dann nahm ich all meinen Mut zusammen und wir verabredeten uns für den nächsten Tag. Beim Klang seiner Stimme pochte mein Herz so laut, dass ich Angst hatte man könnte es hören. Nach einer schlaflosen Nacht kam ich am nächsten Tag viel zu früh an unsrem vereinbarten Treffpunkt an. Ich lief nervös auf und ab. Meine Gedanken kreisten um ihn –um uns. Insgeheim wünschte ich mir er würde doch nicht kommen. Doch dazu war es jetzt zu spät, dass wusste ich genau. Abhauen würde die Sache nur noch verschlimmern. Beim Gedanken an noch mehr schlaflose Nächte, brachte mich fast zur Verzweiflung. Ich war ganz und gar in meinen Gedanken versunken.

Und dann stand er plötzlich vor mir…

© Copyright 2001 by Anne Klesse

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