Withau, Rosi: Herzbruch durch Tierliebe

Gerda lief tränenüberströmt durch den Wald. Sie wollte einfach nicht glauben, dass sie ihren geliebten Hund fortgeben mußte. Traurig schaute sie auf ihren Harras hinunter. Harras stand vor ihr und blickte ebenfalls zu ihr hinauf. So als wollte er sagen, ich verstehe dich, gib mich aber bitte trotzdem nicht fort. Die beiden liefen noch sehr lange durch den Wald. Als sie nach Hause kamen, setzte schon die Dämmerung ein. Gerda konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen. Warum gerade ich? Warum muß gerade ich meinen Hund abgeben? Nur weil ich arm bin? Sollen die doch ihre Hunde abgeben, die wirklichen Ärger machen. Mein Harras hört doch überhaupt keiner hier im Haus. Ich werde mich beim Mieterbund erkundigen, ob Herr Stöckel überhaupt das Recht hat, von mir zu verlangen, meinen Hund abzugeben.

said shiripour: das perfekte online business
ad

Es klingelte an Gerdas Tür. Sie lief, um nachzusehen, wer es ist. Es war der Vermieter. Der Hauseigentümer. „Frau Klaußmann ich habe hier ein Schreiben, indem alle Mitbewohner dieses Hauses unterschrieben haben, dass sie es nicht mehr dulden, einen Kampfhund im Hauseingang zu haben. Ich muß sie leider bitten, dafür zu sorgen, dass sie entweder sich um eine andere Wohnung bemühen, oder den Hund abgeben.“ Bruch! Das hatte bei Gerda eingeschlagen wie ein Blitz. „Aber Herr Stöckel…. ich verstehe das nicht. Mein Hund ist doch ganz artig, macht keinen Lärm und ist mehr als gutmütig. Sie kennen doch meinen Harras.“

„Ja, ja, aber die Hausbewohner haben einfach zu viel Angst, weil in letzter Zeit zuviel solcher Hunde Unheil angerichtet haben. Sie wissen doch, was die Medien über Kampfhunde schon seit Wochen berichten.“ Als Herr Stöckel bemerkte, dass Gerda noch immer kein Verständnis für sein Anliegen aufbrachte, versuchte er es mit einem anderen Druckmittel. „„Tja, liebe Frau Klaußmann, leider kann ich auf sie keine Rücksicht nehmen, denn die Hausbewohner sind alles ältere Leute, zum Teil hoch betagt. Sie haben mir angekündigt, wenn ihr Hund nicht verschwindet, ziehen sie aus. Na ja, und das kann ich mir nicht leisten. Wie soll ich dann mein Haus unterhalten? Das geht ja nun nicht, dass ich sie mit ihrem Hund hier lasse und alle anderen Mieter ziehen wegen ihnen aus.“

Gerda wußte keinen Rat und keine Antwort mehr. Sie merkte nun: Alles Bitten und Flehen wären für umsonst. „Also Frau Klaußmann, ich lege ihnen die unterschriebene Liste auf den Tisch, damit sie sehen, dass ich wirklich nicht anders kann“, sprach Herr Stöckel und begab sich auch gleich zur Ausgangstür der Wohnung, weil es ihm mißfiel, noch weitere Fragen zu beantworten.

Gerda kämpfte mit ihrem Inneren und wußte nicht, wie sie sich aus dieser verfahrenen Situation befreien konnte. Was mach ich nur? Eine neue Wohnung kann ich mir mit meinen Achthundertfünfzig Mark Arbeitslosenhilfe nicht leisten. „Komm zu mir Harras, ich muß dir jetzt etwas sehr trauriges sagen.“ Harras kam langsam auf allen vier Pfoten zu ihr gekrochen, so als hätte er eine Strafe zu erwarten. Mit seinem Schwanz wedelnd und winselnd schaute er zu Gerda auf.

Mit weinerlicher und zitternder Stimme begann sie: „Nun, mein lieber Hund, du hast es ja gehört: Ich muß mich leider von dir trennen. Glaub mir, es fällt mir genau so schwer wie dir. Aber, mein treuer Freund, eines Tages habe ich eine andere Wohnung oder Möglichkeit, dich wieder aus dem Tierheim zu holen. Das verspreche ich dir!“ Dann sind wir zwei wieder zusammen, und nichts kann uns mehr trennen. Gerda legte sich schlafen. Sie bereitete sich auf den nächsten Tag vor. Auf ihren schweren Gang ins Tierheim. Menschen sind eben oft zu ungerecht und fragen nicht nach Gründen und Ursachen. Ein Menschenherz war gebrochen. Man nahm Gerda das Liebste, was sie hatte. Sie dachte nur noch: Gott straft alle und sorgt eines Tages für ausgleichende Gerechtigkeit!

 Copyright Dezember 2000 by Rosi Withau

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen