Bräutigam, Karina: Einfach losschreiben

Eigentlich wollte ich ja nur eine kleine Kindergeschichte schreiben. Eigentlich. Eine kleine wundervolle Geschichte über Hoffnung die mir schon seit längeren im Gedächtnis herumspukte. So begab es sich das ich mich an meinen Rechner setzte und anfangen wollte diese zu schreiben. Doch wie es nun einmal ist, einfach schreiben ist nicht immer einfach losschreiben. Meine Geschichte machte mir am ersten Satz einen Strich durch die Rechnung. Ich schrieb tatsächlich einfach los.

Es war einmal ein ….

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Ich stutze. Wie profan, wie einfallslos. Schnell löschte ich die ersten Worte wieder weg und begab mich auf die Suche nach einem schönere, treffenderen Anfang.

Vor langer, langer Zeit gab es einmal …

Vor langer, langer Zeit? Was ist das denn so ein Anfang für eine Kindergeschichte? Wie lang ist denn für ein Kind lang? Ein schrecklicher Anfang! Ich wollte doch nicht gleich bei den ersten Worten die ganze Geschichte verunstalten. Wieder wurden die ersten Worte von mir gelöscht.

In einen Land, welches nicht viel anders war als unseres, aber wiederum doch anders …

Mein Gott wie schrecklich! Wollte ich denn das Kind das diese Geschichte liest oder vorgelesen bekommt denn völlig verwirren? So spricht doch kein Kind. Nein, so konnte es auf keinen Fall bleiben. Ich löschte abermals den Anfang und grübelte weiter.

In einen Land, in dem die Sonne am Tage in tausend Farben schien und der Mond mit den Sternen um die Wette glitzerte, lebte ein kleines Mädchen. ….

Tausend Farben? Wie kann die Sonne in tausend Farben glitzern, versteht so etwas ein Kind überhaupt? Und überhaupt, war dieser Satz für eine Kindergeschichte nicht viel zu lang? Hieß es denn nicht immer: Kurze Sätze, nicht alles in Farben ausmalen, damit die Kinder sich die Geschichte selbst ausmalen können? Nicht das mir der Satz nicht gefiel. Nein, ich fand ihn schön, aber irgendwas störte mich an ihn. Abermals löschte ich die ersten Sätze. Ich wollte unbedingt diese Geschichte schreiben, doch irgendwie. Ja, irgendwie wollte die Geschichte nicht geschrieben werden. Ich probierte weiter. …

In einen Land vor unserer Zeit, ….

War das nicht ein Titel von einem Trickfilm? Einen Titel klauen wollte ich nun auch wieder nicht.

Vor langer Zeit als es noch keine …

Das hatten wir schon. Langsam zweifelte ich an meinen Fähigkeiten als Autorin. Es kann doch nicht so schwer sein einen Anfang für eine profane Kindergeschichte zu schreiben.

In einer Zeit als in unserem Land noch Zauberer herrschten und Feen mit ihren Feenstaub den Menschen wundervolle Träume gaben …

Ich stutze. Was wollte ich schreiben? Ich wollte doch keine Fantasiegeschichte schreiben. Ich hatte kein Talent für Fantasiegeschichten. Ich hatte aber auch völlig vergessen welche Handlung meine kleine, wundervolle Kindergeschichte über die Hoffnung hatte. Eigentlich wollte ich doch nur eine kleine Geschichte schreiben, klein, kurzweilig, zu Vorlesen geeignet. Und nun saß ich da und wusste nicht einmal einen tollen Anfang für eine solche Geschichte. Seufzend stand ich von meinen Rechner auf und signierte über meine mangelnden Fähigkeiten einen guten, treffenden Anfang für eine kleine Geschichte zu finden. Wie tief kann man als Hobbyautorin denn sinken?
Eigentlich wollte ich ja nur eine kleine Kindergeschichte schreiben. Eigentlich. …

Es war einmal eine kleine, unbedeutende Hobbyautorin, welche sich eines Tages anschickte eine Geschichte zu schreiben. Eine Geschichte die so wundervoll war dass sie der kleinen Hobbyautorin nicht mehr aus dem Kopf ging. Sie träumte sogar von ihr, sosehr hatte sie diese Geschichte lieb gewonnen. Doch als sie sich hinsetzte und die Geschichte aufschreiben wollte, geschah etwas. Der kleinen Hobbyautorin lag die Geschichte so sehr am Herzen, dass sie sie nicht aufschreiben konnte. Jedes Wort kam ihr unpassend, nichtig vor. Immer wieder versuchte die kleine Hobbyautorin die richtigen Worte zu finden, doch es glückte ihr nicht. Die Geschichte war zu wertvoll um sie auf Papier zu bringen, denn es war ganz so als wollte die Geschichte selbst es nicht. Sie wollte viel lieber im Herzen der kleinen Autorin weiterleben als auf einen Blatt Papier festgeschrieben zu sein und nicht weitergeträumt zu werden. ….

© 2004 by Karina Bräutigam

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