Brummond, Sandra: Von Prinzen und Fröschen

Es war einmal ein Mädchen namens Isabell, die wünschte sich nichts sehnlicher, als irgendwann eines Tages einen jungen und schönen Prinzen zu heiraten. Doch nun sind in unserem Lande die Prinzen rar, und so sehr sie auch suchte, sie konnte keinen finden. Da besann sie sich auf die alte Geschichte die besagte, dass manche Prinzen in Frösche verwandelt seien und sie wanderte zu allen Tümpeln und Teichen die ihr bekannt waren und küsste einen jeden Frosch, der ihr über den Weg lief. Doch soviele Frösche sie auch küsste, keiner von ihnen verwandelte sich in einen Prinzen. Die Frösche jedoch, verzaubert vom Kuss des Mädchens, liefen ihr hinterher wohin sie auch ging, denn heimlich hofften sie auf einen zweiten Kuss. Eine Weile lang ließ das Mädchen es geschehen, ja die Anhänglichkeit der Frösche schmeichelte ihm sogar. Irgendwann jedoch wurde es ihrer überdrüssig und es jagte die Frösche hinfort. Beschämt zogen alle Frösche von dannen, alle – außer einem.

Das Mädchen konnte ihn beschimpfen wie es wollte, doch der Frosch wich nicht von ihrer Seite. So wanderte das Mädchen weiter durch die Lande, noch immer auf der Suche nach einem Prinzen. Soweit sie ihr Weg aber auch führte, kein Prinz ward gefunden. In ihrer Trauer und ihrer Einsamkeit begann sie bald mit dem Frosch, der ihr noch immer nicht von der Seite wich, zu reden. Sie klagte dem Frosch ihr Leid und der Frosch verstand es immer wieder, das Mädchen ein wenig aufzuheitern. Mal quakte er ihr ein Lied, ein anderes Mal pflückte er ihr eine Blume oder er betrachtete mit ihr den Sternenhimmel und manchmal saß der Frosch einfach nur da und allein seine Anwesenheit beruhigte das Mädchen. So wurden die beiden nach und nach gute Gefährten und obgleich das Mädchen noch immer auf der Suche nach einem Prinzen war, so genoss es doch auch die Anwesenheit und Nähe des Frosches. Nach langer Wanderschaft, das Mädchen hatte fast aufgehört auf einen prinzen zu hoffen, da geschah es, das sie sich in ein Dorf begaben.

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Das Dorf war sehr klein. „ Hier werde ich erst recht keinen Prinzen finden“ dachte das Mädchen enttäuscht. Wie erstaunt war es jedoch, als es vom Marktplatz eine Stimme erschallen hörte die rief „höret höret, unser allseits geliebter Prinz wünscht zu heiraten. Ein jedes Mädchen möge sich an seinem Hofe einfinden auf das der Prinz sich seine Braut unter ihnen auswähle.“ Als das Mädchen das hörte, begann es direkt, sich etwas herzurichten. Es wusch sich den Reisestaub von den Gliedern, kämmte sich das Haar und zog sein bestes Gewand an. Dann machte es sich mit vielen anderen hoffnungsvollen Mädchen auf den Weg zum Schloss. Der Frosch folgte dem Mädchen in einiger Entfernung. Am Hofe angelangt ließ sich das Mädchen vor den Prinzen führen und weil es gar so schön und lieblich war, gewann der Prinz es lieb und nahm es zu seiner Frau.

In der ersten Zeit verwöhnte und umsorgte der Prinz das Mädchen sehr und bald hatte das Mädchen den Frosch, der ihr doch in so vielen schweren Stunden beigestanden hatte, vergessen. Sie lebte glücklich und zufrieden mit ihrem Prinzen. Nach einiger Zeit jedoch verlor der Prinz das Interesse an dem Mädchen und wurde immer garstiger zu ihm. Es kam schliesslich soweit, dass das Mädchen auf dem Boden schlafen und die niedrigsten Arbeiten verrichten musste. In ihrem Kummer besann sich das Mädchen wieder auf den Frosch und dachte: „Ach wäre ich nur bei meinem guten lieben Frosch geblieben!“ Kaum da sie es dachte, stand der Frosch in der Türe und sprach: „Da bin ich. Ich habe all die Jahre sehnsüchtig auf dich gewartet. Bist du bereit, mit mir zu gehen ?“ Voller Freude bejahte das Mädchen und schlich sich noch in der gleichen Nacht heimlich vom Schlosse um mit ihrem guten Freund, dem Frosch zu leben. Als nach einigen Jahren ein anderer Prinz durchs Land zog und um die Hand des Mädchens anhielt, da wies das Mädchen ihn zurück. Es wusste zwar, ihr Frosch würde nie zum Prinzen werden, doch es hatte die guten Seiten des Frosches schätzen gelernt und so lebten die beiden glücklich und zufrieden bis an das Ende ihrer Tage.

Moral von der Geschichte: Manchmal taugen Frösche mehr als Prinzen!

© 2002 by Sandra Brummond

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