Dähling, Sven: Der Junge, der aus der Vergangenheit kam

Stell dir vor ein Kind in deinem Alter kann in jede, in eine andere Zeit reisen. So wie du dir mit deinen Eltern den Urlaubsort aussuchen kannst. Wenn du durch die Zeit reisen könntest, könntest du zu den Dinosauriern, zu den Rittern in ihren Burgen oder in die Zeit reisen, die für dich jetzt noch weit entfernt ist.

…und jetzt geht die Geschichte… oh, verzeih, die Reise los…

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Ich bin ein Kind aus dem Mittelalter und habe einen Blick in die Zeit, in der du lebst geworfen. Aber ich habe nicht verstanden, was ich in deiner Zeit gesehen und erlebt habe.

Bevor ich dich frage, möchte ich dir ein kleines bisschen aus meiner Zeit erzählen.
Meine Eltern sind sehr arm, wir haben ein kleines Stück Land von unserem Herzog gepachtet. Jährlich müssen wir viel Pacht bezahlen. Die Kirche bekommt den zehnten Teil unserer Ernte. Wenn der Frühling und Sommer schlecht war, haben wir eine magere Ernte und müssen hungern.
Ich habe noch fünf Geschwister, wovon wir drei älteren auf dem Feld mithelfen müssen.
Wenn wir eine gute Ernte haben, können wir etwas davon auf dem Markt verkaufen.
Es ist immer ein weiter Weg zum Markt in die Stadt, aber es gibt schlimmere Sachen. Trotz alledem bin ich ganz zufrieden.
In deiner Zeit habe ich viele schöne Dinge gesehen, die ich nicht verstehe. Eure Kutschen bewegen sich von selbst und machen so komische Geräusche. Hast du da gar keine Angst einzusteigen? Worüber ich mir noch Gedanken gemacht habe, wie kommt es, dass ihr Licht ohne Feuer machen könnt? Das alles und vieles mehr verstehe ich nicht.

Ich sah in deiner Zeit Kinder tanzen, die hatten so einen Musikkasten. Als ich noch nicht wusste, was das war, habe ich die ganze Stadt nach den Straßenmusikanten abgesucht.
Wie gern würde ich wie du zur Schule gehen und etwas lernen. Mit etwas Glück kann ich vielleicht später eine Handwerkslehre in der Stadt anfangen.
Bestaunt habe ich besonders euren Fernseher. Ich erschreckte mich richtig, als ich ihn das erste Mal eingeschaltet sah.

Wie kommt das Wasser zu euch hoch in das Waschbecken. Praktisch ist es ja. Wir haben nur einen Brunnen.

Ich hätte ganz gerne das Gestell mit den zwei Rädern, worauf du gefahren bist. Dann wäre der Weg zum Markt für mich nicht so weit. Das gute an dem Gerät ist, dass es leise fährt und nicht so stinkt. Die Luft in eurer Zeit riecht für mich sowieso komisch.
Du hast so viele Spielsachen, haben die deine Eltern für dich gebastelt?
Mein Vater hat nicht viel Zeit neben der Feldarbeit Spielsachen für uns zu basteln. Kaufen kann er uns keine, dafür haben wir zu wenig Geld.
Bei euch gibt es soviel zu kaufen. Wir müssen unsere Gegenstände, die wir zum Leben brauchen, zum größten Teil selbst herstellen.
Unsere Hütte haben meine Eltern selbst gebaut. Glasscheiben können sich bei uns nur die reichen Leute leisten.

Was würdest du denn sagen, wenn du in meine Zeit reisen könntest? Du wärst wohl auch ganz schön verwundert. Ich denke, dir würde das Fahrrad fehlen, das dich schneller als zu Fuß von einem Ort zum anderen bringt.
Der Radiorecorder, der Fernseher, die so oft an sind bei dir. Das verstehe ich nicht, warum das immer sein muss.

Dir gefällt bestimmt bei uns, dass wir nicht so viele Häuser haben und keine Autos. Überall, wo du hinschaust, ist es grün. Die Luft riecht sauber und es gibt keine so vielen Geräusche, es ist kein Krach bei uns zu hören.

So, jetzt muss ich wieder los, vielleicht wirst du mich doch einmal besuchen?
Copyright © by Sven Dähling

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