Engel, Heidemarie: Hampelmann

Ein kunterbunter Hampelmann aus Holz hing schon sehr sehr lange in einem Spielzeuggeschäft in unserer Straße. Jeden Morgen beobachtete ich, dass ein kleiner Junge, der offensichtlich auf dem Weg zur Schule war, morgens seine Nase, an der Schaufensterscheibe, plattdrückte. Mit großen, glücklichen Augen, stand er nun so da und unterhielt sich mit irgend jemanden. Aber weit und breit war gar niemand zu sehen. Der kleine Junge aber plapperte lustig durch die Scheibe und man hatte den Eindruck, als würde ihm tatsächlich jemand antworten. Am nächsten Morgen, ich war wirklich neugierig geworden, stand ich nun schon etwas früher als sonst, in der Nähe und wartete auf den kleinen Jungen. Und tatsächlich, wie immer kam er um die Ecke gehüpft und schnurstracks zum Spielzeuggeschäft.

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Plötzlich merkte ich, das irgend etwas anders war als sonst. Denn der Kleine plapperte heute gar nicht so lustig, wie immer, durch die große Scheibe. Nein, mit furchtbar traurigen Augen schaute er lange in das Geschäft und mit hängendem Kopf ging er langsam weiter und er schaute sich auch nicht wie sonst, wenigstens einmal um. Als er nun so an mir vorbeiging, merkte ich, dass er ganz wirklich traurig war.

„Was ist los Kleiner?“ ,sprach ich ihn ganz einfach an. Ganz erschrocken blieb er stehen, wischte sich die Tränen aus seinem Gesicht und schaute mich neugierig an. Er wusste, dass er sich nicht von fremden Mensche ansprechen lassen durfte. Da vor ihm nun aber ein freundlicher Polizist stand, der sich danach erkundigte, warum er gerade heute so traurig war, hatte er nun gar keine Angst. Ihr müsst wissen, ich bin in unserer Stadt einer von vielen Polizisten, die für Ordnung und Sicherheit sorgen. Und wie an jedem Morgen, machte ich nun auch in dieser Straße, meine Runde. Ein so trauriger kleiner Junge, musste einem doch auffallen… Ganz unglücklich berichtete er mir, dass er heute Morgen seinen kleinen Freund, den Hampelmann, vermisste. Immer hing er dort im Schaufenster aber heute Morgen, ja heute Morgen, war er plötzlich nicht mehr da. Ich versprach ihm, dass ich mich darum kümmern würde und er ging voller Hoffnung, seinen Weg zur Schule. Er ging bereits in die dritte Klasse.

Schon am nächsten Morgen sah ich ihn dann wieder fröhlich vor der Schaufensterscheibe stehen. Und er lachte, ja er lachte ganz ganz laut, obwohl er doch eigentlich ganz allein war.
Warum fragt Ihr?

Ein großes Plakat hing dort:
Hallo Kleiner, wir sehen uns bald wieder!

Bin auf den Weg zum Weihnachtsmann

Vergiss mich nicht auf deinem „Wunschzettel“

Dein bester Freund!

© 2001 by Heidemarie Engel

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