Henrich, Stella-Eva: Charlies Mutter erklärt die Klappsmühle

Samstags habe ich „Papa, Charlies Vater hat gesagt“ im HR angehört. Denn meine Eltern hörten viel Radio, und da habe ich auch zugehört. Jetzt nach über 20 Jahren, habe ich angefangen, dieses Format zu kopieren. Und heute fragt die sechsjährige Anja – von ihrer Mutter Änni genannt – ihre Mama. ….“sag mal Mama, Charlies Mutter hat gesagt,…..“ und sie antwortet…… (Charlie ist der Spitzname von Änni´s Freundin Charlotte)

Zur Mittagszeit, im Dezember…….

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Änni: Mama, Charlies Mutter hat gesagt, Torsten Wallraff gehört dorthin, wo Janina herkommt.

Mama: Wer ist Torsten Wallraff, Änni? Ich kenne nur Günter Wallraff. Und das ist ein Journalist. Aber den meint Charlies Mutter doch bestimmt nicht, oder?

Änni: Nee, Mama. Torsten Wallraff ist doch mein Klassenkamerad.

Mama: Ach. Und was ist an dem so besonders, Änni?

Änni: Na ja, er zappelt im Unterricht die ganze Zeit rum und ärgert die Mädchen. Charlies Mutter sagt, sein Benehmen sei auffällig.

Mama: Hm, also ich finde das nicht unbedingt ungewöhnlich bei Jungs in der fünften Klasse, Änni. Außerdem kenne ich doch Janina, die zappelt nicht und ist ein braves Mädchen, Änni. Wo kommt Janina denn her, dass man dort jetzt den Torsten Wallraff hinschicken soll?

Änni: Ich glaube Mama, Janina war in der Klapsmühle.

Mama: In der Klapsmühle? Du meinst wohl eher in der Psychiatrie, Änni!

Änni: Ja, in DER für Kinder.

Mama: Wer sagt denn so etwas, Änni?

Änni: Das hat unsere Lehrerin Charlies Mutter erzählt. Und außerdem soll sie magersüchtig sein und vom Ehrgeiz besessen. In Wirklichkeit ist sie ein ungezogener Teufel. Doch das haben ihr die Ärzte in der Psychiatrie ausgetrieben, sagt Charlies Mutter.

Mama: Ich glaube, Charlies Mutter weiß nicht, wovon sie redet, Änni. In der Psychiatrie werden keine Teufel vertrieben. Die Ärzte unterhalten sich dort viel mit den kleinen Patienten, um ihnen zu helfen und sie gesund zu machen.

Änni: Aber Mama, bei Magersucht muss man doch essen und sich nicht über das Essen unterhalten.

Mama: Ich glaube Änni, erst einmal ist es wichtig, sich über diese Krankheit zu unterhalten. Das mit dem Essen regelt sich dann von allein. Apropos Essen: Wollen wir heute Mittag Spaghetti mit Soße essen, Änni?

Änni: Ich habe heute keinen Hunger, Mama. (zögerlich, verlegend sprechend). Eigentlich möchte ich mich nur mit dir unterhalten. Muss ich denn jetzt in die Klapsmühle für Kinder, Mama?

© 2002 by Stella-Eva Henrich

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