Krummeck, Anja: Gefangen im Gameboy

Eine Frau spielte immer nur ein einziges Spiel, so dass sie nie etwas anderes machte. Dieses von ihr so oft gespielte Spiel hieß „Gameboy“. Sie spielte entweder „Dedris“ oder „Dr. Vario“.
Die Frau spielte von morgens bis abends und von abends bis morgens. Sie konnte einfach nicht aufhören. Gebannt und ganz in ihre eigene kleine Welt versunken hielt sie den Gameboy immer in der Hand und wenn sie gerade spielte, war sie durch nichts auf der Welt davon abzulenken. Nur wenn die
Gameboy-Batterien leer und keine Neuen da waren, hörte sie auf. Wenn es mittags passierte und sie nicht mehr weiter spielen konnte, dann begann sie den Haushalt zu machen. Sie räumte auf, machte die Wäsche, begann die ganze Wohnung zu säubern und alles was dazu gehörte. Wenn es abends oder nachts passierte, dann legte sie sich ins Bett und schlief. Nur morgens spielte sie nicht, denn dann musste sie zur Arbeit. Wenn sie von der Arbeit nach Hause kam, machte sie sich zum Mittagessen schnell eine Suppe und schlang sie hinunter. Dann ging es gleich wieder los. Sie setzte sich, nahm den Gameboy und spielte, und sie hörte nicht eher auf, als die Batterien wieder leer waren. So ging das Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat.

Doch eines Tages, keiner weiß wie es geschah, war sie selbst im Gameboy. Natürlich gefiel es ihr darin überhaupt nicht und sie wollte so schnell wieder heraus, damit sie von den herabfallenden Steinen nicht getroffen wurde. Außerdem war es hier viel zu eng. Sie schrie um Hilfe, doch keiner hörte sie. Als nach einer ganzen Weile immer noch keine Hilfe in Sicht war, versuchte sie selbst irgendwie aus dem Gameboy zu kommen. Sie stellte das Spiel ein und das Spiel lief ab. Aber es ist etwas anderes, wenn man selbst spielt, oder ob der Computer spielt. Die Steine fielen schnell und dicht hintereinander und es war schwer für die Frau, den Steinen auszuweichen. Sie kletterte die Steinmauer hoch, bis ganz oben hin. Dann kletterte sie auf das Titelbild. Die Frau war schon heiser vom vielen Rufen und ganz erschöpft, als endlich ihr Mann kam. Er suchte seine Frau, aber er konnte sie nirgends finden. Dann sah er den Gameboy auf dem Sofa im Wohnzimmer liegen. Er wunderte sich, dass seine
Frau nicht spielte, das Gerät aber an war. Er ging hin und nahm das Gerät in die Hand, da sah er seine, Frau in dem Spiel. Nun konnte er sie Auch ganz leise rufen hören. Er nahm die Spielkassette heraus und erlöste sie damit. Die Frau war wieder in ihrem Wohnzimmer und sie war ihrem Mann so dankbar, dass sie ihm versprach, nie mehr länger als 1 Stunde am Tag Gameboy zu spielen.

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Die Frau hielt ihr Versprechen und fand heraus, dass man auch andere schöne Sachen machen kann. Sie legte sich viele schöne Hobbies zu und fand auch viele Freunde, mit denen sie viel Spaß hatte. Und so lebten sie glücklich bis an ihr Lebensende.

(c) by Anja Krummeck 1993

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