Pauly, Tina: Joschi, Nudel und die Gummibärchenräuber

Tag Leute. Ich bin Joschi. Ihr müsst verdammt stolz sein, dass Ihr mich kennenlernt.
Ich bin nämlich ein hervorragender Detektiv. Ich bin in solchem Maße begabt, dass sich die reichen Leute schon um mich schlagen. Nur damit ich sie beschütze. Die reichen Leute sind in diesem Fall Elisabeth, Maggie, Oskar und ein paar andere aus meiner Klasse. Ich bin in der zweiten. Das ist voll cool, weil die kleinen Gartenzwerge aus der ersten immer ganz neidisch zu uns hoch gucken. Die können ja noch nicht mal bis 32 zählen! Voll peinlich man. Ich kann das. Sogar ganz schnell. Soll ich mal?…nee, besser Ihr lernt das selber.
Also, wo war ich stehen geblieben?! Achja, die reichen Leutchen. Die sind soo reich, dass sie gar nicht alle essen können. Also ich meine die Gummibärchen. Wer viele Gummibärchen hat, ist reich. Am reichsten sind die, die viele rote haben. Die grünen sind nicht so wertvoll. Die schmecken ja nach gar nichts. Ich will nicht sagen, daß ich selbst nicht reich wäre. Das bin ich schon, aber nicht gummibärchenreich sondern lakritzschneckenreich. Das ist auch gut. Niemand außer mir hat Lakritzschnecken. Das dürfen die gar nicht. Das darf nur ich. Weil ich der Oberdetektiv bin.

Ich hab noch einen Helfer. Das ist Nudel. Nudel sitzt in der Schule neben mir. Er ist ein bisschen gut in Mathe. Aber ich kann eine schönere 5 schreiben. Ich kann das viel schneller als Nudel, weil ich den Strich gleich am Anfang drauf mache. Das spart Zeit. Nudel zahlt mit Erdnüssen. Seine Mutter sagt, Gummibärchen machen die Zähne kaputt. Aber ich finde das blöd. Ich will nicht, daß der Zahnarzt plötzlich auf der Straße steht und keine Arbeit mehr hat, nur weil ich keine Löcher kriege.

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Ich bin auch nicht so ein Lammerjappen wie Flo. Der Flo ist immer ein ganz schönes Häufchen Lammmerjappen, wenn er zum Zahnarzt muß. Ich nicht. Ich wurde auch schon mal zerbohrt. Aber nur ein bisschen. Da hab ich gar keine Angst gehabt.
Ich mach das jeder Zeit wieder. Das ist voll lässig bei mir. Ich bin so mutig.

Das beste Beispiel dafür war letztes Jahr auf dem Frühlingsfest. Da ist mein Papa mit mir in der Geisterbahn gewesen. Das war soooo gruselig!!! Das könnt Ihr Euch nicht vorstellen. Also für mich war es natürlich richtig isii. (das Wort kann ich von Johanna. Das ist meine große Schwester. Die kann schon Französisch. Volle Pulle kann die Jojo Französisch. Ich kann das deshalb auch schon richtig klasse. Isii heißt „einfach“, nur falls Ihr das nicht wisst.)
Naja, auf jeden Fall hatte ich gar keinen Schiss in der Geisterbahn. Als wir raus kamen und ich die Augen aufgemacht habe, hat sich mein Papa erst mal den Arm gerieben und mich ein bisschen streng angeschaut, weil ich so fest zugebissen habe. Aber ich habe gesagt, daß ich Hunger hätte. Und das hat ja auch gestimmt. Nur deshalb mußte ich wo rein beißen. Dann hat er mir eine große Tüte Lakritzschnecken gekauft.

Ich hab die mir richtig schlau eingeteilt. Ich habe einen Plan gemacht. Der liegt unter meinem Kopfkissen. So gehen mir die Lakritzschnecken nicht so schnell aus. Inzwischen sind sie ein kleines bisschen hart geworden. Aber meine Zähne sind gut. Und die andern kriegen nix ab. Bis auf Nudel. Und der hat auch gute Zähne, weil er ja sonst nur Erdnüsse kriegt.
Heute in der Schule war ich haufenweise der Held. Ich habe nämlich einen Fall gelöst.

Das kam alles weil Juliane plötzlich in der kleinen Pause geschrien hat, daß ihre Gummibärchen weg sind. Juliane ist eine von den Reichen. Von den richtig reichen. Normalerweise sind die Mädchen voll blöd. Alle! Ausnahmslos. Bis auf Juli. Sie tauscht immer ihre roten Gummibärchen gegen meine harten Lakritzschnecken. Aber das dürft Ihr niemand sagen, weil ich das eigentlich nicht machen darf. Ein Detektiv darf nicht seine Lakritzschnecken gegen Gummibärchen vom einfachen Volk tauschen. Aber die schmecken besser. Juli hat gesagt, wenn ich sie wieder finde, kann ich die Hälfte haben. Die Hälfte!!! Man, das war natürlich ein Angebot! Leider hatte ich in der Pause nicht mehr genug Zeit, den Täter ausfindig zu machen, weil ich noch aufs Klo mußte und es dann geklingelt hat. Wir hatten Handarbeit. Ich hasse das. Ich hab mir gleich mal in den Finger genäht, weil ich so angestrengt grübeln mußte.

Der Täter mußte in unserer Klasse stecken. So ein Fiesling. Das war doch unglaublich. Aber ich mußte ihn schnappen, bevor er noch mehr Unheil anrichten konnte. In der großen Pause nahm ich alle Verdächtigen zur Seite. Ich hatte mir in der Stunde einen Verdächtigenplan angefertigt. Alle Armen waren verdächtig. Weil die Reichen waren schon reich, die brauchten sich nicht erst reich klauen. Dabei kam aber nichts brauchbares heraus. Also ordnete ich einen Hausdurchsuchungsbefehl an. Das heißt: Schulranzen ausleeren. Nudel half mir, die möglichen Täter zu zwingen, daß sie es freiwillig taten. Dann konnten die Lehrer nicht motzen. Aber wir taten nur unser gutes Recht. Und das von Juli. Sie war mir sehr dankbar, daß ich mich diesem Fall annahm. Ich war mir auch dankbar. Vor allem der roten Gummibärchen wegen.

Der letzte, den wir freiwillig gezwungen haben, war Flo. Flo der Lammerjappen. Und da fanden wir sie schließlich. Alle Gummibärchen. Vollzählig. (Ich hab sie vorsichtshalber mal nachgezählt und Juli meinte, es könne hinkommen). Flo hat nach einigem freiwilligen Zwingen dann ganz von selbst gestanden. Er wollte sie gar nicht essen. Wie unverständlich!
So ein ungeschickter Räuber, dachte ich mir! Da wäre ja ich, ich als Detektiv, noch ein schlauerer Räuber gewesen und hätte das Diebesgut schnellst möglich vernichtet.

Aber Flo meinte, daß er nur neidisch ist, wenn er uns Gummibärchen essen sieht. Er isst keine, wegen der Angst vorm Zahnarzt. Und da meinte er, wenn er keine essen kann, dann sollen wir auch keine essen.

Ich wollte nicht so sein und habe ihn getröstet. Ich habe ihm auch erzählt, wie er seine Lammerjappigkeit beim Zahnarzt überwinden kann. Das bleibt aber mein Geheimtrick. Den sag ich Euch nicht! Auf jeden Fall hab ich dann die Hälfte von Julis roten Gummibärchen bekommen und weil ich ja ein netter hervorragender Detektiv bin, habe ich dem Räuber die Hälfte von meinen Gummibärchen abgegeben.
So wurde ich der Held und alle waren froh, daß ich so haufenweise unschlagbar bin!

Wenn Ihr mal meine Hilfe brauchen solltet, dann bin ich sofort zur Stelle.
Also, macht’s gut.

Euer Joschi, der Lakritzschnecken-Detektiv

..HEY, Moment!!! WER HAT MEINE LAKRITZSCHNECKEN GEKLAUT???

© 2001 by Tina Pauly

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