Für ein Tag Millionärin

Nach ihrer dreijährigen Berufsausbildung zur Hauswirtschafterin bewarb sich Nadine bei vielen Restaurants, Gasthöfen und Kneipen um einen Job. Doch nachdem sie fast vierhundert Bewerbungen geschrieben hatte, gab sie auf und somit noch weniger Geld da nun Hartz IV ins Haus stand.

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Das Arbeitslosengeld II hatte das Arbeitsamt bereits vor zwei Tagen bewilligt, allerdings musste Nadine laut Bescheid nun mit 384,32 Euro statt 478,69 Euro auskommen aber auch mit diesem weniger an Geld würde Sie zurechtkommen.

Heute war der 2.Januar und Nadine rechnete damit dass das ALG II bereits auf ihr Konto überwiesen worden war.

Kurz nach 8 Uhr stand Nadine auf, aß eine Schale Cornflakes mit Apfelstückchen und trank wie jeden Morgen eine Tasse Pfefferminztee mit einem ordentlichen Schuss Honig. Eine gute halbe Stunde später verließ die junge Frau mit einer Handtasche in den Händen ihre kleine Hamburger Wohnung und fuhr mit ihren alten halb verrosteten roten Fiat Panda zur ihrer Hausbank, einer Sparkasse.

In der Innenstadt war zu dieser Zeit viel los, die Leute machten ihre letzten Einkäufe für das bevorstehende Weihnachtsfest. Nadine musste aufpassen dass sie bei ihrem typisch schnellen Fahrtempo keinen Unfall verursachte.

Nach nur fünfzehn Minuten Fahrt war sie bei der Sparkasse eingetroffen und stellte ihren Kleinwagen vor dem prunkvollen Bürogebäude ab. Im Vorraum der Sparkasse stand ein Bankautomat und Kontodrucker wo kein Mensch zu finden war und so konnte sie ohne nervige Warterei ihren Kontostand überprüfen.

„Dann wollen wir mal schauen ob mir die knauserigen Affen vom Arbeitsamt das Geld überwiesen haben oder nicht“, sagte Nadine leise zu sich selbst und steckte ihre Kontokarte in den Schlitz des Kontodruckers. Ein paar Sekunden später spuckte er den Kontoauszug aus und Nadine staunte nicht schlecht, als Sie den Geldbetrag sah der auf dem Auszug stand.

„Plus 1,37 Millionen Euro?“, stellte Nadine fest, hielt ein paar Sekunden inne und strich durch ihr nackenlanges feuerrotes Haar. Die junge Frau zögerte etwas aber dann packte Sie das Geldfieber und hob 400 Euro von ihrem Konto ab, fuhr zu fünf weiteren Sparkassen wo Sie die gleiche Summe abholte.

Mit den 2400 Euro machte Nadine eine ausgiebige Shoppingtour und bereitete sich damit selbst eine Freude. Die Weihnachtsgeschenke schenkte sie sich dieses Jahr selbst. Sie kaufte edle Pralinen, Schuhe, eine goldene Armbanduhr, ein schnelles Notebook und als Krönung ein superteures vollgefedertes Mountainbike.

Zu hause angekommen überfiel sie jedoch ein schlechtes Gewissen, denn noch immer war nicht klar woher diese 1,37 Millionen Euro kamen aber da fiel ihr der Kontoauszug ein. Nadine setzte sich an ihren Frühstückstisch und holte den Kontoauszug aus ihrer Handtasche hervor, um ihn näher zu begutachten.

„Windmeister Energie AG – Dividendenzahlung 4.Quartal 2008“, stellte Nadine fest, kratzte sich an ihren Kopf und dachte darüber nach, ob sie nun zur Bank gehen sollte diese Zahlung zu klären oder das Geld stillschweigend behalten sollte.

Schließlich gewann die Moral die Oberhand und Nadine machte sich mit dem Kontoauszug zurück zu ihrer Sparkasse. Am Bankschalter stand sie in einer kleinen Schlange und war recht unruhig. Fünf endlose Minuten vergingen in der Nadine sich Gedanken darüber machte was jetzt wohl passieren würde. Dann war sie an der Reihe.

„Guten Tag, was kann ich für Sie tun?“, fragte der freundliche Angestellte der Sparkasse auf dessen weißen Namensschildchen Rainer Unterberger stand.

„Tach, ich bin Nadine Sonnental. Ich habe eine merkwürdige Zahlung auf meinem Girokonto festgestellt….“, begrüßte Nadine den fein gekleideten jungen Mann und legte ihm den Kontoauszug auf den Schaltertisch.

„Oh, schöne Summe. Muss eine Fehlbuchung gewesen sein. Warten Sie einen Moment. Ja?“, bat Rainer Unterberger und begab sich mit dem Kontoauszug in den hinteren Bereich der Sparkasse zum Büro des Geschäftsführers. Das Büro befand sich hinter einer Bürotür aus Milchglas. Nadine wartete und wartete, die Zeit schien nicht zu vergehen aber dann kam der junge Mann wieder. Er schaute nicht gerade freundlich drein.

„Frau Sonnental, es handelt sich eindeutig um eine Fehlbuchung aufgrund eines Zahlendrehers in der Kontonummer. Jetzt haben sie wie ich gesehen habe, schon 2400 Euro abgehoben..“, erzählte er ihr mit einem unterschwelligen mahnenden Ton in der Stimme. Auf Nadines Stirn bildeten sich Schweißperlen.

„Ups, ja ich hatte da wohl zu schnell reagiert und nicht daran gedacht dass es eine Fehlbuchung gewesen sein könnte. Was jetzt?“, fragte die junge Frau mit zitternder fast weinerlicher Stimme.

„Tja, die rund 1,37 Millionen Euro werden wir an den richtigen Empfänger überweisen aber die 2400 Euro müssten Sie zurückzahlen.“, gab Rainer Unterberger zu verstehen und schaute die Arbeitslose dabei giftig an.

Nadine kramte aus ihrer Jackentasche die Geldbörse hervor und legte ein paar Euroscheine und Münzen auf den Tisch, die von den 2400 Euro übrig geblieben waren. Dankbar nahm der Angestellte die Geldscheine entgegen und zählte sie sorgfältig zweimal hintereinander.

„Ja, dass sind 182 Euro und 30 Cent. Wie wollen Sie die restlichen 2217,70 Euro zurückzahlen bei ihrer schlechten Finanzlage?“, fragte er und grinste gezwungen.

„Vielleicht Ratenzahlung? So 50,00 Euro im Monat die immer am Monats-Ersten eingezogen werden?“, schlug Nadine vor und strich sich dabei nervös durch ihr feines Haar. Zähneknirschend und mit großen Bedenken stimmte er der Ratenzahlung nach Absprache mit dem Sparkassen-Geschäftsführer zu.

Die nächsten Tage grübelte Nadine über das ausgegebene Geld, was ihr ja nicht gehörte nach. Sie entschied sich dafür alle gekauften Artikel bis auf das neue Fahrrad im Internet zu versteigern.

Mit der Versteigerung erlöste Nadine mehr als sie an die Bank zurückzahlen musste und überlegte, sich als Versandhändlerin selbstständig zu machen aber verwarf diesen Plan wieder. Von anderen Existenzgründern im Internet hatte sie erfahren, wie hoch die zu entrichtenden monatlichen Sozialabgaben sein würden.

Doch nach einer ganz schönen Weile, es waren inzwischen weitere vier Wochen vergangenen, fuhr Nadine zur Stadtverwaltung und beantragte einen Gewerbeschein den sie auch noch am gleichen Tag gegen 20 Euro Bearbeitungsgebühr erhielt.

Dem Arbeitsamt teilte Sie mit, dass Sie nun einen Gewerbeschein habe und sich ihren Lebensunterhalt als Versandhändlerin verdienen wollte. Die Behörde schickte einige Tage einen Brief mit der Mitteilung dass Nadine ab sofort kein ALG II mehr beziehen werde. Nach der Vorlage eines Geschäftsplanes, den sie mit einem befreundeten BWL-Studenten erstellte bewilligte ihr die Arbeitsagentur einen Existenzgründerzuschuss für ein halbes Jahr.

Mit den 1550 Euro die Nadine nun dank der Versteigerung auf dem Girokonto hatte, erwarb sie bei einer Haushaltsauflösung ein fünfzig Jahre altes Röhrenradio und eine schöne Standuhr. In einem Fotoladen kaufte sie eine Digitalkamera mit einer 4 GB SD Karte, nahm zwei Fotos von den erworbenen Artikeln auf und stellte sie in einem Onlineauktionshaus zur Versteigerung ein. Eine Woche später endeten die Auktionen und Nadine staunte nicht schlecht. Allein die Standuhr hatte 1468 Euro eingebracht und das alte Röhrenradio erzielte einen Endpreis von 447,50 Euro. Nadine entrümpelte einen Teil ihrer beachtlichen CD-Sammlung, DVDs und Kinderspielzeug. Weil sich die Dinge gut verkauften und Nadine ihren Freunden von dem Erfolg erfuhren, versteigerte sie in deren Auftrag gegen eine Provision von 20 Prozent nicht mehr benötigte Krempel wie ungeliebte Geschenke und noch so einiges.

Von dem Erfolg überrascht, wagte Nadine nach zehn Monaten den Sprung ins kalte Nass und eröffnete bei der Onlinehandelsplattform Tradoria einen Onlineshop. Die Einstellgebühren und Provisionen des Auktionshauses waren einfach zu hoch geworden. Es war zwar ein hartes Brot, sein Geld selbst zu verdienen aber Nadine schätzte die Unabhängigkeit.

© 2008 by Andreas Krämer

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