Schokolade fürs Volk

Jennifer fühlte sich leer, allein gelassen und war einfach nur traurig. Vor drei Monaten hatte sie ihr Freund Sven verlassen. Zwei Jahre lang war sie mit ihm zusammen. Eigentlich war die Beziehung harmonisch aber als Sven einen gutbezahlten Job bei einer Münchner Werbeagentur angeboten bekam konnte er wegen des Geldes einfach nicht ablehnen. Rund 800 Kilometer weit war seine Arbeitsstelle entfernt. Aufgrund der großen Entfernung lebte sich das Paar auseinander und trennten sich schon vier Wochen nachdem Sven den Job angenommen hatte.

Morgens um halb sieben klingelte der Wecker und nur mühsam erhob sich Jennifer aus ihrem warmen weichen Wasserbett.
„Scheiß Wecker, muss du so laut klingeln?!“, gähnte Jennifer und drückte schlapp auf die einzige Taste des Digitalweckers. Ihre flauschige Bettdecke schob Jennifer zur Seite, setzte sich auf die Bettkante und rieb sich ihre nussbraunen verschlafenen Augen.
„Uaaahhhhh….ist der Boden kalt“, beschwerte sich die junge Frau als sie mit ihren nackten Füßen den kalten Fliesenboden berührte und die meeresblaue Gardine ihres Schlafzimmerfensters beiseite zog.
Ein paar Sonnenstrahlen erhellten das spartanisch eingerichtete Schlafzimmer. Jennifer begab sich schlurfend in das Badezimmer. Zuerst stellte sie sich wie jeden Morgen auf die Waage.
„Mensch was bist du fett geworden“, erschrak Jennifer als sie sah wie die Nadel der Waage 84,0 Kilogramm anzeigte und stieg gleich wieder ab.
Nachdenklich gestimmt duschte sie eine gute halbe Stunde und zog anschließend ihre geliebte dunkelblaue Jeans und einen weiten Pullover an um ihr hohes Gewicht zu verschleiern. Jetzt richtete Jennifer ihre dunkelblonden schulterlangen Haare noch fein her und nahm am kleinen Esstisch in der beengten Einbauküche Platz.
Außer einer Tasse heißem Pfefferminztee und zwei Honigbrötchen bekam Jennifer nicht viel herunter.
Ich muss dringend abnehmen dachte sie sich und blätterte durch die Zeitung aber außer ein paar Berichten über Hartz IV und der Flutkatastrophe war nichts in der Zeitung zu lesen was Jennifer interessierte. Dann fiel ihr Blick auf eine kleine Werbeanzeige eines großen Lebensmitteldiscounters, der für Schoko-Nikoläuse und Schokoeier warb.
„Dass die immer Werbung für so eine fettreiche Nahrung werben müssen“, bemerkte Jennifer als sie die leckeren Schokosüßigkeiten erblickte. Das Wasser lief ihr in den Mund zusammen aber andererseits musste sie auch an ihr Gewicht denken. Was würde siegen? Ihr starker Wille oder der Hunger auf Schokolade?
Jennifer machte sich Gedanken darüber ob sie nun zu diesem Discounter gehen und die leckeren Schokoschlemmereien kaufen und anschließend verspeisen sollte oder nicht. Ihr wässriger Mund siegte und so fuhr Jennifer mit ihren Motorroller zum Lebensmitteldiscounter. Dort angekommen stieg sie ab und begab sich in den großen Laden.
Als Jennifer den Discounter betrat, waren nur sehr wenige Leute unterwegs um sich mit allen notwendigen Dingen einzudecken. Auf dem Boden standen Kartons die mit Getränken, Lebensmitteln und sonstigen Zeug bestückt waren. Ein typischer Billigladen eben der voll auf die kostengünstige Schiene setzte. Die Kartons kümmerten Jennifer aber nicht sonderlich und so führte ihr Weg direkt zur Süßwarenabteilung gegenüber dem Joghurtkühlregal.
Da stand sie nun vor den süßen Verlockungen während auf der anderen Seite kalorienarmer Joghurt, Magerquark und Früchtepudding wartete.
Auf dem obersten Warenregal lagen schön sortiert die edelsten Schokomarken zum entsprechend teuren Preis aber Jennifers Blick schweifte zu der Billigschokolade im untersten Regal.
„29 Cent“, stellte Jennifer fest und wollte sich ein paar Schokotafeln greifen aber schließlich griff sie zur zweibilligsten Marke, die 49 Cent kostete.
„Was soll´s“, sprach Jennifer leise und packte sich eine Vollmilch-, Haselnuss-, Erdbeer-, und Joghurtschokotafel ein. Mit den drei Schokotafeln in der Hand schlenderte Jennifer weiter durch den Discounter und blieb schließlich vor dem Zeitschriftenregal gegenüber der Tiefkühlkost stehen. Ihr Blick schweifte dort umher und blieb schließlich aus irgendeinen Grund bei einem Fahrradmagazin hängen.
„Das Radtourmagazin“, sagte Jennifer als sie den gelben geschwungenen Schriftzug und den günstigen Preis von 3,49 Euro sah. sie griff sich das Magazin und ging zur Kasse. Vor ihr stand eine alte Dame mit vollen Einkaufswagen, deren Inhalt sie auf das Laufband legte.
„Dass dauert…“, dachte Jennifer genervt und schaute geduldig zu, wie die Kassiererin die Waren über die Laserschranke zog, während die alte Dame diese in einen großen Einkaufskorb legte.
„Dass macht dann 139,64 Euro“, sagte die Kassiererin zur alten Dame. sie kramte in ihrer verschlissenen Geldbörse herum und gab ihr drei fünfzig Euro-Scheine.
„sie bekommen 10,36 Euro zurück. Danke für ihren Einkauf.“, sagte die Kassiererin, nahm die 15 Euro entgegen und gab ihr das Rückgeld. Jetzt legte Jennifer die drei Schokotafeln und das Radtourmagazin auf das Band.
„4,96 Euro“, teilte ihr die Kassiererin mit und Jennifer gab ihr einen 5 Euro Schein und bekam 4 Cent Rückgeld überreicht. sie packte die Schokotafeln und das Magazin in eine Einkaufstüte. Zuhause mit dem Motorroller angekommen stieg sie ab und machte es sich im Wohnzimmer gemütlich.
Wie immer schaltete Jennifer klassische Musik ein und begann dabei das Magazin langsam zu lesen. Ein Artikel der über den Kalorienverbrauch und positive Aspekte des Radfahrens berichtete, interessierte sie besonders.
„Hmmm….vielleicht sollte ich mir ein Fahrrad kaufen um effektiv abnehmen zu können.“, sagte sie zu sich selbst und blätterte weiter. Nach zwei Stunden hatte sie das Magazin durchgelesen und legte die drei Schokotafeln ganz nach hinten in den Kühlschrank, um ja nicht in Versuchung zu geraten.
Am kommenden Morgen ließ sie den Motorroller links liegen und begab sich zu Fuß zum nächsten Fahrradgeschäft, wo sie ein Trekkingrad für 449 Euro kaufte und sofort eine kleine Tour startete.
Als sie mit dem Trekkingrad den Ortsausgang ihrer schönen Heimatstadt hinter sich ließ, führte sie ihr Weg an einen Fluss vorbei und endete an einen schön gelegenen See mitten im Wald. Eine Bank lud Jennifer zum Verweilen ein und beobachtete von dort aus die im See schwimmenden Forellen.
Erst am späten Abend als die Sonne die Landschaft in ein warmes Orange tauchte, fuhr Jennifer mit ihrem Trekkingrad zurück zu ihrer Zweizimmerwohnung im Winterberger Stadtzentrum. Nach diesen schönen Tag entschied sich Jennifer täglich eine Radtour zu fahren und kaufte sich im Laufe der nächsten Wochen passende Radbekleidung.

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Die drei Schokotafeln lagen übrigens noch immer unangetastet im Kühlschrank….

© 2005/2009 by Andreas Krämer

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