Das Geheimnis der Anna Jansen

Teil 1
„Der Koffer“
Wir schreiben das Jahr 2049. 26 Jahre nach dem ersten bemannten Marsflug…..
Am schönen See Majsjön in herrlicher Naturlandschaft gelegen und nur sieben Kilometer vom Städtchen Gislaved in Südschweden entfernt, bewohnte Anna Jansen ein schmuckes kleines rot vertäfeltes Haus mit überdachter Terrasse und hölzernen Bootsanlegeplatz,welches weit abgelegen und nicht von der Landstrasse einsehbar war. Heute war ein
windiger kalter Herbsttag an dem Anna nur ungern aufstehen wollte aber pünktlich um 6:30 Uhr klingelte ihr Digitalwecker mit einem durchdringenden immer wiederkehrendensurrenden Ton welches entfernt an eine Sirene erinnerte. Die flauschig warme Bettdecke in der sich Anna gemütlich eingemummelt hatte schob sie mürrisch beiseite und drückte
entnervt auf den roten Knopf des Weckers und stand nach ein paar Minuten Verweilen auf. Sie rieb sich die Schlafkörner aus ihren Augen und begrüßte den Morgen mit einem ausgiebigen Gähnen. Zugleich öffnete Sie die dunkelblauen Fenstervorhänge und schaute von ihrem wohligen Schlafzimmer aus nach draußen direkt auf den Bootsanlegeplatz und
See. Ein dichter morgendlicher Nebel hing über dem See und nur mühsam durchdrangen die
ersten Sonnenstrahlen die milchige Suppe. „Ungemütlich da draußen!“, sprach Anna zu sich selbst, klapperte mit den Zähnen und begab sich in ihrem blaurot getupften Schlafanzug ins Badezimmer. Die junge Frau entledigte sich ihrer Schlafkleidung und bestieg mit ihrem nackten wohlgeformten Körper die viereckig verglaste Duschkabine.

Warmes frisches Wasser aus dem See benetzte ihre weiche glatte Haut und ihr schulterlanges dunkelblondes Haar als Sie
den Warmwasserregler nach unten drückte. Der wohlige Duft von Blütenhonig stieg ihr in die
kleine Stupsnase als Sie ihren Körper und Haare mit Milchhonigshampoo minutenlang einseifte und schließlich mit dem warmen Wasser abspülte. Nach dieser reinigenden Wohltat entstieg Anna nass wie ein Pudel der Duschkabine und nahm ein rotes Badetuch von der Hängestange und trocknete jede Stelle ihres gesunden jungen Körpers und fönte anschließend ihre Haare. Endlich abgetrocknet schaute Anna zum ersten Mal an diesem verregneten Herbstmorgen in den Spiegel und erblickte ihre haselnussbraunen mandelförmigen Augen hinter denen sich Klugheit, Romantik und ein humorvolles Wesen verbarg. Doch so früh am Morgen wollte sich ihr kluger humorvoller und romantischer Charakter nicht zeigen stattdessen zog sich Anna
etwas entnervt ihren blauen Lieblingspullover und Jeanshose an. Eigentlich freute sich Anna
auf ihren Arbeitstag in ihrem eigenen Cafe welches sie vor sieben Jahren in Gislaved gegenüber dem städtischen Schwimmbad eröffnet hatte. Ihr nächster Weg führte Sie in die klassisch eingerichtete Küche und machte sich ein herzhaftes Frühstück, welches aus einem Honigbrötchen, einem weichgekochten Ei und Pfefferminztee bestand. Mit diesen Leckereien
deckte Sie den Frühstückstisch von der Sie aus jeden Morgen einen wundervollen Blick auf
den See genoss. Erste Sonnenstrahlen hatten sich durch den Nebel gekämpft und ließen
den See goldig glitzern. Bei diesem Blick auf dem See tunkte Anna genüsslich ihr Honigbrötchen in den Pfefferminztee und schlang es hungrig in ein paar Happen herunter. Während Sie aß kreisten ihre Gedanken um die Ausbaupläne ihres auf Honigspezialitäten ausgerichteten Cafes.

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Scheiß Banken dachte Sie sich und ging in den engen Hausflur wo Sie sich ihre Motorradkluft anzog und die Türe öffnete. Der kalte Herbstwind blies Anna um ihre Stupsnase als Sie sich zum hölzernern Unterstand begab wo ihre rote Vespa stand, welche
Sie vor zehn Jahren auf einem Flohmarkt erstanden und mit einem sparsamen Brennstoffzellenmotor umgerüstet hatte.
„Altes Schätzchen, dann wollen wir mal los!“, sprach Anna zu ihren Motorroller als Sie den silbernen Startschlüssel ins Zündschloss steckte und nach links drehte. Ein leises surren war zu hören als der Motor ansprang und Anna das Gaspedal nach unten drückte. Ein langer unbefestigter Waldweg führte Anna nach einer guten halben Stunde Fahrzeit
durch einen dunklen Wald an eine Lichtung und von da aus schließlich in die Altstadt von Gislaved. Sie stoppte den Roller vor ihren Cafe „Hanse“, wo es leckeres Honig-Gebäck gab. Anna öffnete die schwere Eichentür und lächelte als Sie das Mobiliar ihres Cafes erblickte, deren Stil im 14.Jahrhundert gehalten war und an die blühende Zeit der Hanse erinnerte.
Das hölzerne Modell einer alten Kogge hing an kaum sichtbaren dünnen Glasfaserkabeln über der Theke und
war zugleich das Logo des Cafes.
„Guten Morgen Anna!“, begrüßte Svea ihre beste Freundin, die zugleich ihre Chefin war.
„Guten Morgen Svea!“, grüßte Anna zurück worauf Svea lächelte.
„Hoffentlich kommen heute mehr Leute als gestern“, sprach Svea und legte Honighörnchen
in die Auslage des Tresens.
„Wo ist eigentlich unser Bäcker?“, fragte Anna mürrisch.
„Der ist auf dem Großmarkt Honigmelonen kaufen für eine neue Backkreation“, erwiderte
Svea knapp. „Ach ja hatte er mir ja gestern kurz mitgeteilt“, fiel es Anna ein.
„Du Svea halte hier im Cafe die Stellung während ich den lieben Bürokraten bei unserer
Hausbank einen weiteren Besuch abstatte wegen dem Ausbau“, gab Anna zu verstehen.
„Na ob die sich darauf einlassen? Die sind doch sehr geizig geworden besonders seit der
globalen Wirtschaftskrise in den Jahren 2034 bis 2042“, beschwerte sich Svea gehässig über
die Politik der Banken. „Wird schon schief gehen auch wenn ich so langsam die Schnauze
voll habe dort als Bittsteller aufzutreten trotz der guten Zahlen“, beruhigte Anna ihre
Freundin.
Anna begab sich fußtragend mit einer gewissen Wut aber auch Entschlossenheit im Bauch
zur Kronenbank welche ihre letzte Hoffnung war. Nach einem Fußmarsch von einer Viertelstunde kam Anna schließlich an einem modernen verglasten Geschäftsgebäude an, welches nicht so recht zum mittelalterlichen Stil der
anderen Gebäude in der Stadt zu passen schien.
„Bei denen scheint das Geld ja sehr locker zu sitzen“, schimpfte Anna gehässig und betrat
das Geldinstitut durch die halbgläserne automatische Schwenktür. Der glänzende
Marmorboden indem sich die vier goldenen Kronleuchter spiegelten wirkten wie eine
Kathedrale auf Anna, worauf Sie ein paar Sekunden stehen blieb und nur über dieses
prunkvolle Ambiente staunte. Dem Erstaunen wich schnell der Frust über diese Geldverschwendung und daher ging Anna
sturen Schrittes zum Schalter der Kreditabteilung hinter dem bereits ein Angestellter im
dunkelblauen Anzug auf Kunden wartete.
„Guten Morgen ich habe einen Termin vereinbart. Mein Name ist Anna Jansen“, begrüßte
Anna den um die 40 Jahre alten Bankangestellten auf dessen kleinen weißen Namensschild Nils Petersen prangte.
„Guten Morgen Frau Jansen, Sie hatten ja mit uns vorgestern telefoniert und einen Termin
wegen eines Investitionskredites vereinbart nicht?“, begrüßte und fragte er Anna gleichzeitig,
worauf Sie kurz nickte.
„Okay Frau Jansen dann folgen Sie mir einfach“, erklärte er und Anna folgte ihm zu einem
kleinen Büro im hinteren Bereich der Bank wo in silbernen Lettern Kreditabteilung für Firmenkunden prangte. Die nussbraune Holztür öffnete sich mit einem knarrenden Geräusch und zum Vorschein kam ein freundlich gestaltetes Büro welches die Morgensonne erhellte. In der Mitte stand ein geschwungener halbabgerundeter Schreibtisch mit einer PCArbeitsplatte
aus cremefarbenen Buchenholz. Auf der PC-Arbeitsplatte war ein bereits eingeschalteter Quad-PC fest installiert der die Form eines Würfels hatte an dem ein Flachbildschirm angeschlossen war und daneben standen ein paar gut gefüllte Ordner,
welche aber nicht überquollen zu schienen.
„Schönes Büro“, kommentierte Anna freundlich.
„Bitte, setzen Sie sich und geben Sie mir auch gleich ihre ID-Card“, bat Nils worauf Anna sich auf den Drehstuhl setzte und ihm ihre ID-Card überreichte. Nils tippte auf der Tastatur herum und zog Anna´s ID-Card durch einen Kontrollschlitz. Auf dem Bildschirm erschienen nun alle persönlichen Daten von Anna inklusive der finanziellen Verhältnisse.
„Laut ihrer ID-Card und dem zentralen Finanzinformationssystem befinden Sie sich mit ihrer
Firma in einer relativ gesunden finanziellen Situation. Ihr Konto und dass ihrer Firma befindet
sich auch stets im Plus“, berichtete er lächelnd.
„Ja und was spricht dagegen?“, fragte Anna kühl.
„Zeigen Sie mir erst mal ihre Unterlagen, die Sie in ihren Händen halten“, bat er bestimmend aber freundlich. „Bitte“, sagte Anna etwas freundlich und reichte ihm einen dünnen schwarzen Ordner herüber.
Genügsam blätterte sich Nils durch den Ordner und las die darin enthaltenen Informationen und Zahlen sorgfältig durch.
„Sie möchten also ihr Honigcafe um einen Cateringservice erweitern?“, fragte Nils nach.
„Dies steht ja in den Unterlagen drin die Sie gerade lesen. Von der neuen Dienstleistung
erwarte ich ein Umsatzwachstum von jährlich bis zu 8,00 % was auch meine sorgfältigen
Marktanalysen belegen können“, erklärte die junge Frau gewissenhaft. Nils seufzte kurz.
„Ich glaube ihren Unterlagen ja und die finanzielle Situation ihres Unternehmens ist auch gesund. Trotz allem ist der von Ihnen geforderte Investitionskredit in Höhe von 40.000 Euro keine kleine Summe. Ihr monatlicher Umsatz liegt aktuell bei durchschnittlich 18.400 Euro“, antwortete er mit ruhiger besonnener Stimme.
„Entscheidend ist der Gewinn und der lag im letzten Monat bei 6.849 Euro und die Monate davor im Durchschnitt bei 4.780 Euro. Da für Sie der Umsatz wohl entscheidend ist, teile ich Ihnen dies auch mit. Er lag in diesem Monat bei 22.900 Euro und im Vormonat bei 20.760 Euro. Sie glauben nicht dass ich es schaffe den Kredit abzuzahlen. Warum eigentlich?!“, fragte Anna entnervt. „Damals als Sie ihr Unternehmen vor sieben Jahren gründeten gab es finanzielle Probleme.
Nur mit Mühe und Not konnten Sie die monatlichen Raten des Gründungskredites ihrer damaligen Hausbank bezahlen. Dies steht im zentralen Kreditregister.“, antwortete er knapp.
„Im Jahre 2042 herrschte noch die Rezession vor wodurch der Start sehr schwierig war aber Sie kennen den bisherigen Werdegang meiner Firma. Mittlerweile steht mein Unternehmen wie Sie selbst sehen können, auf gesunden finanziellen Beinen und sowohl die steigenden Umsätze als auch Gewinne sprechen für eine Zusage des Investitionskredites“, versuchte
Anna dem engstirnigen Bankangestellten zu erklären.
„Ihre Idee mit dem Cateringservice ist gut durchdacht und ihre Analysen sprechen auch für Sie aber das finanzielle Risiko schätze ich zu groß ein“, lamentierte Nils schroff. „Hören Sie, ich habe in den letzten drei Wochen elf Banken abgeklappert und jedes Mal kam man mir mit den gleichen Argument entgegen was Sie jetzt hier vorgetragen haben“,
reagierte Anna gereizt und legte Nils die schriftlichen Absagen der elf Banken vor.
Er las alle Absagen geduldig durch und kam schließlich zu einem Urteil was Anna´s geforderten Investitionskredit betraf.
„Sie bekommen ihren Kredit aber nur unter zwei Bedingungen. Erstens zahlen Sie jeden
Monat pünktlich zum Fünften ihre Rate und zweitens dient ihr kleines Haus unserer Bank als
Sicherheit“, sagte Nils zögerlich.
„Mein Haus als Sicherheit? Okay, auch wenn das Haus mir viel bedeutet, weil ich es mit
eigener Hände Arbeit gebaut habe“, antwortete Anna verunsichert. Nils tippte daraufhin ein paar Daten in den Rechner ein und druckte danach ein komplett ausgefülltes zweifaches Formular aus und überreichte es Anna.
„Unterschreiben Sie bitte einmal hier und dann brauche ich noch einen digitalen Daumenabdruck von Ihnen“, erklärte er fachmännisch. Anna unterschrieb mit einem Kugelschreiber und legte ihren Daumen in ein halbrundes optisches Abtastgerät. Eine rote Lichtquelle tastete den Daumen innerhalb weniger Sekunden ab.
„Vielen Dank. Das Geld wird dann innerhalb von einem Tag auf ihr Geschäftskonto überwiesen damit Sie mit ihrem Cateringservice loslegen können“, bedankte sich der Mann und übergab ihr die Kopie des unterschriebenen Kreditvertrages.
„Woher kommt ihr plötzlicher Sinneswandel?“, fragte Anna verdutzt und setzte ihre Unterschrift unter den Kreditvertrag. „Wissen Sie, ich habe heute meinen guten Tag und obwohl ich sehr skeptisch bin was ihre Zahlungsmoral angeht bewillige ich Ihnen diesen Investitionskredit…“, antwortete Nils kurz und bündig. Anna lächelte triumphierend und nahm eine Kopie des Kreditvertrages für ihre Unterlagen entgegen.
„So, hier sind ihre Unterlagen. Dann bedanke ich mich und wünsche Ihnen viel Erfolg beim
Ausbau ihres Unternehmens.“, bedankte sich Nils und übergab Anna ihre Unterlagen. „Danke“, bedankte sich Anna freudestrahlend und verabschiedete sich mit einem herzlichen Handschütteln. Kaum hatte Anna das prunkvolle Bankgebäude verlassen, machte Sie einen
kleinen Luftsprung und fuhr sofort mit ihren Roller zurück zu ihrem Honigcafe. Als Anna ihr
Cafe betrat, stieg ihr der süße Duft von Honig in die Nase und ein Dutzend Gäste ließen sich
ihr Frühstück schmecken. Das Cafe war mittelalterlich eingerichtet mit drei Dutzend
Sitzecken, einer vier Meter langen Theke in Form einer seichten Welle und einer im hintersten Winkel gelegenen Bildergalerie mit eingerahmten historischen Dokumenten und einer Informationstafel über die Geschichte der Hanse.
„Guten Morgen, lassen Sie es sich schmecken“, begrüßte Anna ihre Gäste und begab sich
sogleich zu Svea hinter der Theke und hang sich eine Schürze um.
„Na Anna, du wirkst so fröhlich“, mutmaßte Svea freundlich.
„Ich habe den Kredit. Innerhalb eines Tages trudelt die Summe ein und dann können wir
loslegen mit dem Aufbau unseres Cateringservice.“, freute sich Anna tierisch. „Ich möchte
ihre fröhliche Unterhaltung nicht stören aber ich habe es eilig!“, wurden die zwei durch einen asiatisch aussehenden Gast unfreundlich unterbrochen.
„Entschuldigung. Was möchten Sie denn frühstücken und trinken?“, fragte Anna höflichst.
„Machen Sie mir mal zwei Pfefferminzbrötchen mit Waldhonig und um wach zu werden bitte einen starken Mandelkaffee ohne Zucker“, antwortete der Asiate und setzte sich an einen
Fensterplatz im Cafe in der Nähe der Theke. Dabei bemerkte Anna erst dass er einen silbernen Koffer mit sich trug und sehr nachdenklich und traurig wirkte.
„Er wirkt traurig“, bemerkte Anna leise und wies unauffällig mit dem Kopf zum chinesischen
Gast der seine Hände zusammengefaltet hatte und nachdenklich aus dem Fenster sah.
„Ja, irgendwie schon aber mit den Pfefferminzbrötchen und dem starken Mandelkaffee wird sich seine Laune wieder heben. Vielleicht hat er auch nur Ärger in seinem Job oder mit seiner Ehefrau…“, witzelte Svea und beschmierte die zwei Pfefferminzbrötchen mit Waldhonig während Anna den Mandelkaffee aufkochte.
„Ehefrau?“, fragte Anna verdutzt.
„Hast du seinen Ring nicht bemerkt?“, bemerkte Svea mit ihrem verschmitzten lächeln.
„Doch aber jetzt werde ich ihm erst mal die Pfefferminzbrötchen geben, damit er wieder
lächelt“, sagte Anna und begab sich mit einem belegten Teller zu ihm.
“Bitteschön damit sich ihre Laune wieder hebt”, sprach Anna höflich und stellte ihm den
Teller mit den Pfefferminzbrötchen vor seine Nase.
„Danke aber lassen Sie mich mit ihren Freundlichkeiten in Ruhe!!“, erwiderte er auf die höflichen Worte von Anna.
„Entschuldigung“, sagte Anna mürrisch und wollte hinter der Theke verschwinden.
„Warten Sie! Bitte!“, rief der Chinese hinter ihr her. Anna blieb stehen und ging wieder zu
seinem Tische. Er wirkte recht nervös, denn auf seiner Stirn hatten sich Schweißtröpfchen
gebildet.
„Ja, möchten Sie noch was bestellen?“, fragte Anna freundlich. Er verneinte und bat Sie, sich
kurz hinzusetzen. Etwas irritiert setzte Sie sich zu ihm.
„Hören Sie. Könnten Sie mir einen Gefallen tun und meinen Koffer für mich aufbewahren?“,
bat er Anna leise flüsternd und legte ihr einen 200 Euro Geldschein auf den Tisch.
„Ich möchte keinen Ärger haben!!“, machte Anna klar worauf der Chinese weiter 200 Euro aus seiner Brieftasche zückte. Zögerlich nickte Anna und nahm die 400 Euro an sich.
„Danke. Sie haben mir sehr geholfen und ich bitte Sie inständig nicht in den Koffer zu
schauen oder die Bullen zu informieren.“, bedankte er sich freundlich.
„Einen Moment noch. Wie heißen Sie und was befindet sich im Koffer?“, bohrte Anna nach.
„Mein Name ist Joe Chang und der Inhalt des Koffers geht Sie nichts an!“, antwortete Joe
Chang kurz angebunden.
„Ich nehme den Koffer gleich an mich….“, verlautete Anna und begab sich mit den 400 Euro
zurück hinter die Theke.
„Prima Verdienst.“, freute sich Anna leise und steckte sich die 400 Euro in ihre Hosentasche. Ein paar Minuten vergingen in denen der Mandelkaffee fertig wurde. Den Mandelkaffee goss Sie in eine weiße Kaffeetasse und ging mit dieser in der Hand zu dem chinesischen Gast der noch immer nachdenklich aus dem Fenster sah aber sich dabei das Pfefferminzbrötchen
genüsslich schmecken ließ. Urplötzlich als hätte er einen Geist gesehen schreckte der Mann auf, legte einen Zwanzig-Euro-Schein auf den Tisch und ging schnurstracks Richtung Tür.
„Hey, warten Sie ihr Kaff…“, rief Anna ohne den Satz richtig beenden zu können denn der
Chinese öffnete die Tür und verschwand. Anna schüttelte den Kopf, stellte die Tasse wieder
zurück auf die Theke und räumte anschließend das Tablett mit dem Teller weg.
Dabei bemerkte Sie den silbernen Koffer den der Chinese absichtlich stehen gelassen hatte,
welchen Sie sogleich mitnahm und hinter der Theke abstellte.
„Was willst du denn mit dem Koffer?“, fragte Svea verwundert als Sie das silberne Ding
erblickte. „Den soll ich aufbewahren. Er hat mir dafür immerhin 400 Euro gegeben“, antwortete Anna nachdenklich.
„400 Euro für einen Koffer ist ja eine ganz schöne Summe“, stellte Svea verdutzt fest.
„Ja und ich denke mal dass er den Koffer morgen wieder abholen wird. Er war recht nervös und hatte vor irgendwas Angst aber weiß nicht, wo vor.“, erklärte Anna knapp und widmete sich wieder der Bedienung ihrer Gäste ohne weiter über den Chinesen und dem Koffer ein paar Gedanken zu schenken. Die Zeit verging wie im Fluge und gegen 19 Uhr läutete die
untergehende Sonne den Abend und damit den wohlverdienten Feierabend ein.
„Bis morgen“, verabschiedete sich Svea zuvorkommend mit einem lächeln von den letzten Gästen des Cafes.
„Na Anna, wie hoch sind unsere Einnahmen heute?“, fragte Svea neugierig.
Anna tippte auf ein paar Tasten der elektronischen Kasse die daraufhin einen Ausdruck mit
der Tagesabrechnung ausspuckte.
„Heute haben wir 805,68 Euro eingenommen.“, antwortete Anna knapp.
„Naja immerhin 104,00 Euro mehr als gestern und plus die 400 Euro von diesen komischen
Chinesen“, freute sich Svea und verabschiedete sich mit einem lächeln von Anna.
„Willst du mir nicht helfen aufzuräumen?“, fragte Anna.
„Ich habe dir doch erzählt dass ich gestern einen süßen Typen in der Disco kennen gelernt habe, der mich für heute zu einem Dinner eingeladen hat.“, antwortete Svea fröhlichgestimmt.
„Ach ja, stimmt.“, fiel es Anna wie Schuppen aus den Haaren.
„Okay!“, verabschiedete sich Svea und verließ mit einem breiten lächeln auf ihrem süßen
Gesicht das Cafe. Anna seufzte und räumte die restlichen Tische auf und fegte mit einem Besen den Schmutz von dem seichtblauen Parkettboden weg, den die Gäste von draußen eingeschleppt hatten. Es verging eine gute halbe Stunde ehe Anna mit dem reinigen ihres Cafes fertig war.
„So fertig“, freute sich Anna und stellte den Besen in einen Metallschrank der sich hinter der
Theke befand, ab. Dabei fiel ihr Blick wieder auf dem Aluminiumkoffer. Die junge Frau strich sich nachdenklich durch ihr weiches seidenes Haar.
„Hmmm….soll ich den Koffer öffnen oder nicht?“, stellte sich Anna selbst die Frage.
„Nein oder doch? Nein, dass spricht gegen meine Prinzipien“, antwortete sich Anna selbst
und ließ den Aluminiumkoffer unter der Theke stehen, schloss die Eingangstür ihres Cafes
ab und fuhr mit ihrem Motorroller nach Hause.
Anna legte ihre Motorradkluft und Schuhe ab, zog die Haussandalen an und befeuerte den Kamin im Wohnzimmer. Ihr Weg führte Sie in die Küche wo Sie ein Glas Waldhonig und einen silbernen Teelöffel an sich nahm und es sich damit auf ihrer Couch vor dem Kaminfeuer gemütlich machte. Beim beobachten der knisternden rotgelben Flammen tunkte Sie genüsslich den Teelöffel in den Waldhonig und ließ sich den Honig auf ihre Zungenspitze tropfen. Lecker dachte Anna, tunkte ein zweites Mal den silbernen Löffel in den goldenen Honig und schleckte genussvoll mit ihrer rosaroten Zungenspitze den Löffel aus.
Während Sie den Honig auf ihrer Zunge schmelzen ließ kreisten ihre Gedanken um den Chinesen und seinen Koffer. Sie stellte sich die Frage welchen Inhalt der Koffer wohl hat. Ihr schossen die merkwürdigsten Dinge durch den Kopf wie Mafiageld, geheime Dokumente oder ein millionenschwerer Lottogewinn. Während Anna´s Gedanken kreisten bemerkte Sie
nicht wie sich das Honigglas langsam leerte und erst als der Teelöffel nur noch den Glasboden berührte, wachte Sie aus ihren Gedankengängen auf und stellte erschreckt fest dass die Standuhr, die sich in ihrem Wohnzimmer neben dem Kamin befand schon 2:45 Uhr geschlagen hatte.
„Ups, was ist dass schon spät“, stellte Anna fest und ließ ein fettes Bäuerchen los.
„Ich habe keine Lust ins Bett“, sagte Anna erschlagen zu sich selbst und stellte das Glas Waldhonig mit dem Löffel auf den kleinen runden Glastisch vor dem Kamin ab. Anna holte
ihre geliebte blaue Wolldecke aus dem Kleiderschrank die Sie seit ihrem 10.Lebensjahr besaß und kuschelte sich darin ein und schlummerte ins Land der Träume. Die ersten Sonnenstrahlen schimmerten durch die weißen Fenstervorhänge und kitzelten an
Annas kleiner Stupsnase. Sie rieb sich diese und mit einem Mal gab es ein ganz lautes Hatschi aber Anna wachte nur gemächlich auf. Ihre halbgeöffneten mandelförmigen nussbraunen Augen schweiften umher und erblickten den Zeiger, welcher auf 6:48 Uhr zeigte aber Anna fühlte sich elendig.
„Zuviel Honig….”, murmelte Anna leise gähnend und begab sich mit einem müden Schritt zur
Toilette um sich der Elendigkeit die ihren Magen betraf zu entledigen. Sie schaute in den Spiegel und bemerkte dunkle Augenringe. „Was sehe ich scheiße aus“, meckerte Anna zu sich selbst und gönnte ihrem Gesicht eine
kalte Dusche aus dem Wasserhahn. Anna seufzte, trocknete ihr Gesicht ab und zog ihren
Lieblingspullover und silbergraue Hose an.

Ein Frühstück gönnte sich Anna nicht sondern verließ wortlos ihr kleines Haus und fuhr mit ihrem Motorroller los.
Ihr erster Weg führte Sie zur Kronenbank um am dortigen Geldautomaten mit ihrer ID-Card
zu überprüfen ob der gestern zugesagte Kredit schon heute eingetrudelt war. Das grüne Display des Geldautomaten zeigte nach dem einstecken der ID-Card und anschließender Identifikation mit ihrem Daumen jedoch nur einen Kontostand von plus
4237,56 Euro an. Von dem Kontostand ein wenig enttäuscht zog Sie ihre ID-Card wieder ab, bestieg ihren Roller wieder und fuhr anschließend zu ihrer Firma.

Auf dem Weg dahin kam ihr nur die Müllabfuhr und der Zeitungsausträger entgegen denen Sie aber keine Beachtung
schenkte. Schließlich traf Anna vor ihrem Honigcafe ein, stoppte, zog den Zündschlüssel ab
und begab sich dort hinein. Ihre Mitarbeiterin Svea war noch nicht eingetroffen und so lag es
an Anna das Cafe für den bevorstehenden Gästeansturm fit zu machen.
Grade als Sie mit dem aufkochen des Kaffees anfangen wollte, trat der Zeitungsträger in das
Cafe und übergab ihr die Tageszeitung.
„Danke“, bedankte sich Anna knapp und nahm die Zeitung entgegen und schlug sie auf.
Ihr Blick fiel sofort auf die Schlagzeile auf der ersten Seite der Zeitung, die folgendes enthielt:
Gislaved Tagesblatt
Chinesischer Sicherheitsberater erschossen aufgefunden
Gislaved, den 24.09.2049
Am gestrigen Mittag gegen 12 Uhr fanden zwei Spaziergänger eine tote männliche Person chinesischer Abstammung am Rande eines Feldweges in der Nähe eines verlassenen Bauernhofes am Stadtrand. Die Spaziergänger informierten sofort die Polizei über den unheimlichen Fund. Die örtliche Polizeistation riegelte den Fundort sofort ab und gab
schließlich bekannt dass der gefundene Tote erschossen wurde und ein Sicherheitsberater des chinesischen Technologieunternehmens Cheng Lou Technologies sei. Das chinesische Unternehmen bewirbt sich derzeit um eine mit 2,5 Milliarden Euro bezifferten öffentlich-private Ausschreibung der Stiftung Public Space & Exploration Donation
(P.S.E.D) die den Bau zweier Plasmastrahltriebwerke für einen interplanetaren Raumgleiter
enthält. Der Raumgleiter soll den Mond innerhalb von 24 Stunden erreichen, zweimal umkreisen und dann auf der Erde landen. Dieses Raumschiff soll als Basis für den Bau einesKolonialraumers dienen, mit dem der Mars im Dezember 2051 in einem größeren Umfangbesiedelt werden soll. Auf dem roten Planeten befindet sich seit 12 Jahren eine kleine
ständig besetzte Forschungsstation die aus einer internationalen Crew besteht. Beim Plasmastrahltriebwerk handelt es sich um eine experimentelle Antriebstechnologie, welche das geplante Kolonial-Raumschiff mit ihren Kolonisten und Besatzung nur in drei statt neun Monaten zum Mars bringen wird. Diese neue Technologie soll laut Wissenschaftlern
eine Geschwindigkeit von bis zu 325.000 Kilometern pro Stunde erreichen und so die
Reisezeit zu Planeten und die damit verbundenen Kosten senken. Um die milliardenschweren Ausschreibung bewirbt sich neben Cheng Lou Technologies, auch die angeschlagene amerikanische Unternehmensgruppe Beaufort Humania sowie der
Hamburger Konzern Lauritz & Petersen KG und die Londoner Unternehmensholding Louis
Anderson & Partners. Die Stiftung P.S.E.D spielt eine zentrale Rolle bei sinnvollen Weltraumprojekten und finanziert sich 90 % aus privaten Spenden. Jedes Unternehmen welches eine Ausschreibung der P.S.E.D gewinnt, erhält ein millionenschweres Preisgeld aber nur wenn die eingesetzte Technologie erfolgreich einen öffentlichen Test bestanden
hat. Den Namen des chinesischen Sicherheitsberaters gab der Pressesprecher der örtlichen Polizeistation bisher nicht bekannt, jedoch wurde mitgeteilt dass der Fall an das chinesische Außenministerium übertragen wurde. (geschrieben von Sonja Larsen)
Anna bekam einen kleinen Schrecken denn neben dem Zeitungsartikel war auch das Gesicht des erschossenen chinesischen Sicherheitsberaters abgebildet. Sie legte die Zeitung beiseite und wandte sich wieder der Kaffeemaschine zu.
„Oh Mensch, dass ist Joe Chang“, murmelte Anna leise vor sich her.
„Guten Morgen Anna!“, hallte es plötzlich hinter ihr worauf Anna sich umdrehte.
„Ah, hallo Johan. Wo warst du gestern?”, begrüßte Anna ihren Konditor.
„Tut mir leid. Ich hatte gestern starke Kreislaufprobleme“, entschuldige sich Johan und ging
mürrisch in die Küche, die sich hinter der Theke befand.
„Johan, dann musst du weniger essen!“, kommentierte Anna witzelnd, denn Johan war mit seinen rund 90 Kilogramm bei 1.74m Körpergröße ein kleines Schwergewicht aber Anna´s Kommentar prallte an ihn ab wie ein Flummi von einer Wand.
„Jau, aber ich bin halt ein kleines Schleckermäulchen“, erwiderte Johan und holte eine
vorbereitete Schüssel Teig aus dem Kühlschrank um daraus einen Schwung Brötchen für die
ersten Kunden zu backen. Dabei schaltete er vorher die Musikanlage ein und hörte Musikhits
aus den 90er-Jahren. Einige Minuten später trudelte auch Svea ein die leicht bedrückt wirkte als hätte es sieben
Tage geregnet. „Morgen Anna und Johan“, begrüßte Svea die Zwei.
„Nach deinem Gesichtsausdruck zu urteilen scheint dein gestriger Abend mies gelaufen zu
sein“, vermutete Anna.
„Mies ist gar kein Ausdruck. Alles total beschissen gelaufen, wir haben viel getrunken und
sind dann im Bett gelandet…“ regte sich Svea unverblümt auf.
„Du bist ja auch eine süße Maus“, kommentierte Johan aufmunternd während Svea ihre
Jacke ablegte, sich ihre Schürze holte und Anna bei den Vorbereitungen unterstützte.
„Ja ich weiß aber der gestrige Abend ist echt mies gelaufen.“, erwiderte Svea und goss einen halben Liter Wasser in den zweiten Kaffeeautomaten für Mandelkaffee und schaltete ihn ein. Dabei fiel ihr Blick auf die Zeitung und las ebenfalls den Artikel, den Anna zuvor gelesen hatte. „Hey, ist dass nicht der Chinese der gestern hier war“, bemerkte Svea erstaunt.
„Ja und er hat seinen Koffer vergessen“, antwortete Anna kurz.
„Schon mal reingeschaut?“, fragte Svea neugierig.
„Nein, ich schaue aus Prinzip nicht in die Sachen fremder Leute“, antwortete Anna.
„Willst du nicht wissen was in dem Koffer drin ist?“, bohrte Svea nach.
„Wenn ich weiß was in dem Koffer drin ist, kommt es bestimmt zu Problemen und darauf
habe ich keinen Bock“, erwiderte Anna launisch.
„Gib dir einen Ruck!“, rief Johan fröhlich. Anna schüttelte den Kopf und ging weiter ihrer
Beschäftigung nach als hätte Sie den Ruf von Johan nicht gehört.
Gegen halb Neun betraten zwei schwedische Polizeibeamte in ihrer dunkelblauen Uniform
das Cafe. „Guten Morgen, ich bin Sven Olsen der Polizeikommissar von der örtlichen
Polizeibehörde. Ich hätte gerne mal den Chef oder Chefin gesprochen“, begrüßte der
schmächtige Polizeibeamte Anna.
„Guten Morgen, die Chefin haben Sie grade begrüßt. Ich bin Anna Jansen.“, begrüßte Sie
den Polizeibeamten und schüttelte ihm freundlich entgegenkommend die Hand.
„Zeigen Sie mir erst mal ihre Polizeimarke und ID-Card“, bat Anna. Der Polizeibeamte holte
aus der Tasche seiner Uniform eine Polizeimarke und ID-Card hervor und zeigte sie Anna.
Sie begutachtete die beiden Dinge genau und gab diese dem Polizeibeamten lächelnd
zurück.
„Ja, Sie sind ein echter Kommissar“, sagte Anna bejahend. Der Polizeikommissar lächelte
und setzte sich auf einen der rund ein Meter großen Hocker vor der Theke und holte ein Foto
hervor, welches er Anna zeigte.
„Kennen Sie diesen Mann?“, fragte Polizeikommissar Olsen freundlich.
„Ja, ich kenne ihn aber nur flüchtig. Er saß gestern bei uns hier im Cafe dort und wirkte
irgendwie komisch“, antwortete Anna zögerlich, als Sie das Foto betrachtete.
„In wie fern wirkte er komisch?“, fragte er als nächstes.
„Nun, er wirkte nachdenklich, aß dabei eines der Pfefferminzbrötchen dass er bestellt hatte
und trank seinen ungezuckerten Mandelkaffee“, erwiderte Sie mit ruhiger fast ängstlicher
Stimme.
„Kommen Sie auf den Punkt!“, forderte der Polizeikommissar mahnend.
„Kaum hatte er sein Brötchen aufgegessen schreckte er auf und verschwand wie ein geölter
Blitz aus dem Cafe“, antwortete Anna.
„Merkwürdig, wie Sie ja sicherlich aus der Zeitung erfahren haben ist dieser Mann
chinesischer Herkunft gestern erschossen aufgefunden worden“, teilte der Polizeikommissar
kurz und bündig mit.
„Ja, den Artikel habe ich gelesen und habe mich etwas erschreckt denn hier in Gislaved ist
noch nie so was passiert. Wir sind eine unbescholtene Kleinstadt die von Touristen und den
ortsansässigen Glasmanufakturen lebt.“, betonte Anna und schaute dem Kommissar dabei
nachdenklich in seine dunkelbraunen Augen.
„Ich weiß, wohne ja selbst seit 10 Jahren hier. Hatte er irgendwas bei sich?“, fragte er erneut,
worauf Anna eine paar Sekunden innehielt.
„Nein, er hatte nix dabei soweit ich sehen konnte“, antwortete Anna zögernd obwohl Sie
innerlich wusste, dass Sie eine Falschaussage machte.
„Ich danke Ihnen Frau Jansen für ihre Antworten und sollte Ihnen vielleicht doch noch was
einfallen, so erreichen Sie mich persönlich, telefonisch oder per Mail auf meiner
Dienststelle“, sagte der Polizeikommissar und überreichte Anna seine amtliche Visitenkarte
und verschwand mit seinem Kollegen aus dem Cafe. Anna sah noch wie die beiden ihren
Polizeiwagen, eine blaue Volvo Limousine bestiegen und losfuhren.
Svea hatte das Gespräch zwischen Anna und dem Polizeikommissar mitgehört und machte
sich so ihre Gedanken.
„Die Polizei zu belügen ist strafbar“, bemerkte Svea verschmitzt lächelnd.
„Ich fühle mich auch nicht sonderlich gut und nehme mir am besten bis heute Nachmittag frei
um abzuschalten“, antwortete Anna, zog ihre Schürze aus, nahm den Koffer an sich und
bestieg ihren Roller. Svea und Johan kümmerten sich während Annas Abwesenheit um das
Cafe, die Gäste und Backwaren. Anna fuhr zuerst ein paar Kilometer einfach so durch die
Gegend, ehe Sie zurück nach Hause fuhr um bei klassischer Musik und einem Glas
Blütenhonig abzuschalten. Kaum hatte Anna es sich auf ihrer Couch zuhause gemütlich
gemacht, klingelte auch schon ihr Telefon. Mürrisch erhob sich Anna von ihrer Couch und
nahm den Telefonhörer ab.
„Öffnen Sie den Koffer!“, befahl eine garstige Stimme mittleren Alters am anderen Ende der
Leitung.
„Warum sollte ich dass machen? Ich kenne Sie nicht und der Inhalt des Koffers interessiert
mich nicht die Bohne!“, antwortete Anna etwas ängstlich.
„Er hat Sie zu interessieren!“ Also öffnen Sie den Koffer!!“, befahl die Stimme mittleren Alters
nachdrücklich.
„Wer sind Sie? Vielleicht der Verbrecher welcher diesen Chinesen erschossen hat?“, fragte
Anna mit zittriger Stimme.
„Nein und mein Name hat Sie nicht zu interessieren“, sagte der Typ unbeherrscht.
„Okay, ich öffne den Koffer aber nur wenn Sie mir dafür etwas zahlen!! Ich halte Sie für einen
durchgeknallten verrückten Idioten der nicht mehr alle Tassen im Schrank hat“,entrüstete
sich Anna gehässig.
„Ihre Beleidigungen ignoriere ich mal und zahle ich Ihnen dennoch 10.000 Euro, wenn Sie
das verdammte Ding öffnen. Um den Koffer zu öffnen geben Sie rechts den Zahlencode
3486 und links 4539 ein. Verstanden?“, bat der Fremde mit scharfer Stimme.
Anna legte den Telefonhörer beiseite, nahm sich des Koffers an und drehte erst das rechte
und dann das linke Zahlenschloss und öffnete ihn.
Zum Vorschein kam ein kleiner halbrunder optokristalliner Datenstick, eine ID-Card, eine
unscheinbare Lesebrille und ein Flugticket sowie eine kleine schön verzierte Aluminiumdose
mit originalen dänischen Butterkeksen.
„London?“, fragte Anna als Sie sich das Reiseticket genauer anschaute.
„Ja, nehmen Sie das Flugticket und die anderen Dinge an sich. Fahren Sie anschließend
zum Bahnhof und nehmen den nächsten Rapidliner nach Stockholm.“, befahl die fremde
unheimliche Stimme.
„Dass werde ich sicherlich nicht machen, dann würde ich meine Firma ja vernachlässigen…“,
sagte Anna mürrisch aufbrausend.
„Keine Angst, ihre Reise wird nur zwei Tage in Anspruch nehmen und dabei verdienen Sie
auch noch 10.000 Euro….“, versuchte er Anna zu beruhigen.
„Sie haben nicht mehr alle Tassen im Schrank aber wenn Sie mir ihren Namen nennen, dann
wäre ich eventuell aber nur eventuell bereit mich auf ihr unbekanntes Spiel einzulassen.“,
erwiderte Anna widerspenstig.
„Nennen Sie mich Nathaniel“, kam leise die Antwort. Anna lachte.
„Nathaniel? Na schön, ich lasse mich auf ihr Spiel ein, auch wenn ich Sie nicht ganz für voll
nehme und nicht so richtig weiß, was ihr Spiel soll.”, antwortete Anna im beleidigenden Ton.
„Es geht Sie einen feuchten Mist an, was Sie stehlen sollen.“, erregte sich Nathaniel.
„Industriespionage?“, frage Anna worauf Nathaniel kurz lachte.
„Legen Sie es aus, wie Sie wollen. Ihre Aufgabe ist es in das Londoner Technologiezentrum
von Cheng Lou Technologies einzudringen um bestimmte Daten zu stehlen. Dass ist einfach
wie ein Kinderspiel…“, antwortete Nathaniel.
„Ein Kinderspiel? Ach ja die ID-Card ist meine Eintrittskarte“, mutmaßte Anna gehässig.
„Exakt aber die Zeit läuft uns davon. Der nächste Rapidliner nach Stockholm fährt um 13:40
Uhr ab, nehmen Sie ihn und fliegen anschließend mit Vivian Airways nach London
Heathrow.“, betonte er freundlich gestimmt.
„Und dann?“, fragte Anna.
„Dann lassen Sie sich mit einem Taxi zum Stadtpark Kensington Gardens bringen, wo Sie
weitere Instruktionen erhalten werden.“, antwortete Nathaniel entschlossen.
„Verstehe. Wer gibt mir denn weitere Instruktionen. Ich mache diesen rechtswidrigen
Scheißjob nur sehr ungerne.“, platzte es aus Anna heraus, was ihren Gesprächspartner
jedoch nicht beeindruckte.
„Achten Sie auf einen älteren Penner, der sich an der Statue von Peter Pan im Park
herumtreibt und übergeben Sie ihm die Dose mit den dänischen Butterkeksen, alles weitere
ergibt sich dann. Sie werden von mir wieder hören, wenn es an der Zeit ist.“, erklärte
Nathaniel freudig und legte auf. Anna musste sich erst mal setzen und sich die Dinge durch
den Kopf gehen lassen die nun anstanden.
„Schon 12:40 Uhr. Da muss ich wohl gleich los aber vorher rufe ich noch Svea an”, sagte
Anna zu sich selber und rief ihre beste Freundin kurzerhand an.
„Anna´s Honigcafe, Svea Lindstrom am Apparat.”, meldete Sie sich am anderen Ende der
Telefonleitung.
„Hallo Svea, ich bin´s. Hör zu ich bin jetzt für zwei Tage weg in London.“, sagte Anna
aufgeregt.
„Was willst du denn in London? Deine Stimme klingt so komisch verängstigt.“, bemerkte
Svea als Sie die Stimme hörte.
„Naja, ich will es mal so ausdrücken. Ich habe Probleme und muss daher nach London“,
druckste Anna herum.
„Wir sind doch enge Freundinnen. Komm schon was ist los?“, bohrte Svea nach.
„Ich soll für Jemanden unfreiwillig Daten stehlen. Mehr kann ich dir zu diesem Zeitpunkt nicht
sagen.“, betonte Anna knapp.
„Unfreiwillig? Hört sich gefährlich an.“, merkte Svea an.
„Ja aber ich werde aufpassen, also habe keine Angst um mich.“, versuchte Anna ihre beste
Freundin zu beruhigen. „Wenn du es sagst aber sei vorsichtig. Bitte rufe mich an, wenn du in
einer gefährlichen Situation steckst und du nicht weiter weißt!“, bot Svea ihre Hilfe an.
„Ich melde mich!“, sagte Anna knapp und legte den Telefonhörer auf.
„Dann werde ich meine Agentenausrüstung mal mitnehmen…“, witzelte Anna, nahm die
Dinge unter ihren Arm, verließ ihr Haus und fuhr mit ihrem Roller zum städtischen Bahnhof.
Ihren fahrbaren Untersatz stellte Anna in einer der überdachten Sicherheitsboxen für
Zweiräder ab und begab sich unter der Unterführung hindurch zum einzigen Bahnsteig des
Bahnhofes, wo Sie auf den nächsten Rapidliner (Magnetschwebebahn) wartete.
Dort angekommen warteten nur ein Dutzend Leute auf ihren Zug und die digitale
Bahnhofsuhr zeigte 13:37 Uhr an. „Noch drei Minuten, da muss ich mich beeilen und ein
Ticket ziehen“, murmelte Anna und holte sich am Ticketautomaten mit ihrer ID-Card einen
Fahrschein für ihre bevorstehende Reise. Kaum hatte Anna den Fahrschein gezogen hörte
Sie ein leises magnetisches summen, dass schließlich abrupt aufhörte und Sie dazu
veranlasste sich umzudrehen.
Anna erblickte einen wunderschönen windschnittigen metallicblauen Zug auf dem in großen
gelben Lettern Rapidliner stand und darunter der Name der Regionalbahn.
Die automatischen Türen des Zuges öffneten sich hydraulisch zischend und ein halbes
Dutzend Passagiere verließen ihn während Anna einstieg und sich an einen schönen
Fensterplatz setzte von dem Sie die traumhafte Landschaft ihrer Wahlheimat bewundern und
dabei abschalten konnte.
Leise lief der elektromagnetische Antrieb des Zuges an und beschleunigte nach verlassen
des Bahnhofbereiches auf seine Maximalgeschwindigkeit von 220 km/h aber davon merkte
Anna und die anderen Passagiere nichts, weil er schwebte und nur über wenige bewegliche
Teile verfügte.
Nach nur einer Stunde Fahrzeit stoppte der Zug im Stockholmer Hauptbahnhof und von der
Ansage wachte Anna schließlich auf. Kaum war Sie ausgestiegen und hatte den Bahnhof
verlassen begab Sie sich zum Taxistand und stieg in eines ein.
„Guten Tag, zum Stockholmer International Airport bitte“, sagte Anna zum Taxifahrer.
„Okay“, antwortete er und verließ den Bahnhof Richtung Flughafen. Die fünfzehn Minuten
Fahrzeit zum Flughafen waren schneller verflogen als Anna erwartet hatte.
„Macht dann 14,00 Euro“, sagte der Taxifahrer freudig und bat um ihre ID-Card, die er
auch sogleich an sich nahm und durch einen digitalen Laserabtaster zog wodurch Annas
Girokonto mit dem Betrag sofort belastet wurde.
Anna nahm ihre ID-Card danach wieder an sich, verließ das Taxi und begab sich zum
Eingang des Flughafenterminals welches durch Sicherheitskräfte stark bewacht wurde.
„Der große Anschlag auf das zentrale Energieverteilernetz hat Spuren hinterlassen…“,
dachte Anna ohne es laut zu sagen und wurde nach einer kurzen Kontrolle durch die
Sicherheitskräfte ins Terminal gelassen.
Innen wurde das Terminal, die Ein-, und Ausgänge sowie die Gateways stark bewacht aber
die Reisenden machten sich nicht sonderlich viel daraus sondern nahmen es einfach hin.
Auf Anna wirkten die starken Sicherheitsvorkehrungen aber beängstigend weil Sie nur sehr
selten mit dem Flugzeug Reisen unternahm.
Trotz ihres mulmigen Gefühls begab Sie sich zum Abfertigungsschalter der Vivian Airways
einer regionalen Business Airline die auch einige große Städte wie London oder Berlin mit
ihren Chartermaschinen vorwiegend Learjets anflog.
Am Schalter reihte sich Anna hinter fünf schnieke gekleideten Herren ein und fühlte sich
dabei etwas fehl am Platz, weil Sie nur ein silbernfarbenen Blazer mit dazugehöriger Hose
trug die aus einem Secondhandladen stammten.
Wenige Minuten vergingen und als Anna an der Reihe war, zeigte Sie ihre ID-Card und
Flugtickets der Schalterangestellten.
„Danke und Gepäck?“, fragte Sie worauf Anna ihr den Reiserucksack zeigte.
„Aha, nur Handgebäck“, stellte die Angestellte fest und gab Anna ihre ID-Card und Flugticket
wieder worauf diese sich zum nahegelegenen Gateway begab.
Anna bestieg den silbernfarbenen windschnittigen Learjet nachdem Sie den Gateway
verlassen hatte. Außer ihr hatten noch elf andere Passagiere darunter mehr als die Hälfte
nur gut betuchte Schlipsträger den Jet betreten. In so einer Gesellschaft fühlte sich Anna
nicht wohl und setzte sich daher auf einen Platz in der Nähe des Notausstiegs.
Kaum hatten die letzten Passagiere die Maschine bestiegen, heulten deren zwei Triebwerke
auf und stieg mit einer Reisegeschwindigkeit von 950 km/h in die Wolken auf. Nach einem
ruhigen Flug landete der Learjet auf dem Londoner Heathrow Airport. Anna und den anderen
Passagieren kam ein kalter Wind und unangenehmer Nieselregen beim aussteigen
entgegen. „Typisch England aber zum Glück wieder Boden unter den Füssen“, freute sich
Anna und begab sich schnellen Schrittes ins Flughafengebäude. Dort suchte Sie ein Cafe
auf und wärmte sich mit heißem Pfefferminztee und leckeren Waffeln auf.
Schließlich kam es Anna in den Sinn Svea anzurufen und so holte Sie ihr Handy aus ihrer
abgegriffenen braunen Lederjacke hervor.
„Svea Lindstrom“, meldete sich ihre beste Freundin.
„Hi Svea, ich bin´s“, freute sich Anna.
„Schön deine Stimme zu hören aber hier ist viel los. Daher können wir nur kurz reden…“, gab
Svea kurz angebunden zu verstehen.
„Ist doch gut wenn viel los ist. Du Svea, könntest du dich darum kümmern einen Van oder
Kleintransporter für unseren geplanten Catering-, und Partyservice zu kaufen?“, bat Anna
freundlich.
„Ja klar. Was soll ich maximal ausgeben und beachten?“, fragte Svea nach.
„Kaufe keinen Benziner oder Dieselfahrzeug, wegen der horrenden Spritkosten sondern
eines der neuen Elektromobile mit Brennstoffzellenantrieb und mindestens 600 Kilometer
Reichweite. Gib nicht mehr als 20.000 Euro aus und achte dabei auf die monatlichen
Unterhaltskosten“, erklärte Anna wohlwissend.
„Verstanden und sonst alles in Ordnung mit dir? Du hast so einen Klang in der Stimme den
du nur hast wenn dich etwas bedrückt oder du Angst verspürst.“, mutmaßte Svea besorgt
worauf Anna schwer seufzte.
„Ja, ich habe Angst aber dass überstehe ich schon. In zwei Tagen bin ich wieder zurück also
mache dir keinen Kopf sondern kümmere dich um unser Cafe und das Cateringfahrzeug.“,
sagte Anna mit leicht zitternder Stimme.
„Na, dann bin ich ja beruhigt. Dann sehen wir uns am Freitag wieder.“, sprach Svea
erleichtert und verabschiedete sich nachdenklich.
Anna steckte das Klapphandy wieder in ihre Lederjacke, legte zehn Euro auf den Tisch und
verschwand dann aus dem Flughafengebäude zum Taxistand.
Kaum war Anna am Taxistand angekommen, fuhr auch schon eine der Taxen vor aber
keines dieser windschnittigen Modelle sondern ein altes schwarzes Taxi.
„Wow, ein typisches Londoner Taxi“, freute sich Anna und bestieg es.
„Wohin?“, fragte der edel gekleidete Taxifahrer.
„Nach Kensington Gardens“, erwiderte Anna lächelnd.
„Okay, dann wollen wir war mal das alte Schätzchen starten.“, freute sich der Taxifahrer und
drehte den Zündschlüssel um. Der Dieselmotor startete sanftmütig und setzte sich langsam
in Bewegung.
„Ich war noch nie in London.“, gestand Anna.
„Eine schöne Stadt immer noch und dass trotz der starken Sicherheitsvorkehrungen.“,
erwiderte er freundlich.
„So? Ich heiße übrigens Anna“, klang Anna wenig überrascht. Der Taxifahrer zeigte auf ein
kleines gelbes Plastikschildchen welches am Spiegel hing.
„George Crownwell“, sprach Anna als Sie das Schildchen erblickte.
„Sie sehen aus als hätten Sie vor irgendetwas Angst“, mutmaßte George als er Anna im
Rückspiegel sah und bemerkte wie nervös Sie war.
„Nein, alles in Ordnung. Bin nur so aufgeregt!“, versuchte Anna den Taxifahrer abzulenken.
„Erzählen Sie mir nix. Die starke Präsenz des Militärs und Polizei beunruhigt Sie, nicht?“,
mutmaßte George. Ein paar Sekunden herrschte eine unheimliche Stille zwischen den
beiden.
„Ja, Sie haben Recht….“, antwortete Anna obwohl Sie aus einem anderen Grund unruhig war
aber ihre Gedanken für sich behielt.
„Seit dem das Terrorsicherheitsgesetz vor 21 Jahren weltweit von allen Ländern der Erde in
ihrer jeweiligen Verfassung verankert wurde ist jedes Land dazu verpflichtet alle öffentlichen
Gebäude vor möglichen Anschlägen durch Dritte zu schützen“, erklärte George mit verklärter
Stimme.
„Ich komme aus Schweden und dort sieht man die Sache etwas lockerer“, sprach Anna leicht
grinsend. „Ihr Schweden habt eine lockere Lebensart aber dass liegt wohl an eurer
nordischen Mentalität..“, sagte George flapsig.
„Ich komme ursprünglich aus Hamburg aber bin aus wirtschaftlichen Gründen nach
Schweden ausgewandert“, ließ Anna den Taxifahrer wissen.
„Wirtschaftsflüchtling“, frotzelte er und Anna grinste verschmitzt.
„Die damalige konservativ-sozialdemokratische Regierung unter Kanzler Liebschneider hat
es einfach nicht gepackt“, erwiderte Anna gelangweilt.
„Seit dem aber die von uns direkt gewählte bürgerlich-liberale Weltregierung in Athen seit 15
Jahren dass sagen hat, geht es auch seit zwei Jahren mit Deutschland dank des
eingesetzten Reformrates wirtschaftlich wieder aufwärts“, gab George zu verstehen.
„Ja aber die Reformen treffen die Bevölkerung hart“, sagte Anna trist worauf der Taxifahrer
lachte. „Warum lachen Sie?“, empörte sich Anna.
„Alle Staaten in Europa haben solche harten Reformen durchgemacht…“, kam es knapp aus
dem Mund des Taxifahrers, als der Wagen stoppte.
„Warum halten wir?“, fragte Anna stutzig.
„Wir sind an ihrem Ziel angekommen. Macht dann 26,87 Euro“, erwiderte er und Anna
übergab ihm ihre ID-Card von der das Taxigeld abgebucht wurde.
„Dann sage ich mal auf Wiedersehen“, bedankte sich Anna und nahm ihre ID-Card wieder
entgegen. Das Taxi entfernte sich und verschwand im Londoner Nachmittagsverkehr.
Anna schlenderte in den weiträumigen traditionsreichen Park umher und entdeckte nach
einer Weile schließlich die steinerne Statue von Peter Pan vor der sich ein Penner auf einer
Bank gemütlich gemacht hatte und ein Eichhörnchen mit Haselnüssen fütterte.
Als Anna diesen Typen sah schüttelte Sie sich aber es blieb ihr nichts anderes übrig als
diesen Kerl zu besuchen und ihm die Dose mit dänischen Butterkeksen zu geben.
Sie fasste allen Mut zusammen und wagte sich schließlich zu ihm während das
Eichhörnchen wie ein geölter Blitz verschwand als es Anna´s Schritte hörte.
„Was wollen Sie? Sie haben meinen kleinen Freund Archimedes verscheucht“, begrüßte der
Penner Anna mit ruppigen Worten. Sie rümpfte die Nase als ihr der unangenehme Geruch
von Alkohol in die Nase stieg und Sie den total verdreckten halb zerrissenen braunen
Trenchcoat erblickte indem diese arme Gestalt gekleidet war.
Anna atmete einmal kurz durch und kramte die Dose mit den dänischen Butterkeksen aus
ihrem Rucksack hervor und übergab diese wortlos dem Penner.
„Oh, danke. Ich habe seit sechs Jahren keine dänischen Kekse mehr gesehen geschweige
denn gegessen“, strahlte der arme Mann und nahm Anna kurz in den Arm worauf Sie kurz
die Luft anhielt und wieder ausatmete als er die Umarmung löste.
„Ihnen werden die Kekse schmecken“, bemerkte Anna müde lächelnd und bekam ein
silbernes Klapphandy und einen kleinen Mikroknopfsender überreicht. Ohne ein weiteres
Wort zu sagen stand der Penner auf und wollte verduften.
„Halt!“, rief Anna und rannte dem Typen hinterher. Er hielt ein paar Sekunden inne und
drehte sich schließlich zu ihr um.
„Ja? Was wollen Sie denn?!“, fragte er übel gelaunt.
„Wer hat Ihnen das teure Zeug gegeben, welches Sie mir grade überreicht haben und wie
heißen Sie?“, fragte Anna neugierig nach.
„Irgendein Mann aber ich kann Ihnen nicht sagen wer. Der Park wird beobachtet seitdem Sie
ihn betreten haben und jetzt lassen Sie mich in Ruhe!! Ich heiße Eric…“, verabschiedete sich
die Gestalt und verschwand schneller als Anna gucken konnte.
Kaum war Eric verschwunden klingelte auch schon das silberne Klapphandy und Anna nahm
den Anruf zögerlich entgegen.
„Schön dass Sie in London angekommen sind“, meldete sich eine männliche Stimme am
anderen Ende, es war Nathaniel.
„Ja bin ich. Was soll ich jetzt machen?“, fragte Anna mürrisch.
„Nehmen Sie sich für einen Tag ein Einzelzimmer im Atlantic Paddington“, erwiderte
Nathaniel trocken. „Okay und dann?“ fragte Sie neugierig nach.
„Morgen früh werden Sie an der Rezeption nach Post fragen und etwas erhalten“, antwortete
er kurz angebunden.
„Einverstanden“, zitterte Anna.
„Stehen Sie um 7:30 Uhr auf“, gab Nathaniel noch knapp zu verstehen und legte auf.
„Na toll“, schimpfte Anna, verließ den Park und fuhr mit einem der berühmten roten
Doppelstockbusse in die Nähe des Hotels Atlantic Paddington, welches im Stadtteil Queens
Gardens mitten im Zentrum lag. Als Anna das Hotel erblickte fühlte Sie sich an ihre
Jugendzeit zurück versetzt, denn die Außenfassade war weiß und in einem viktorianischen
Stil gehalten. Über der aus halbrunden weißen Kalkstein gefassten Eingangstür prangte in
dunkelblauen Lettern der Name des Hotels. Anna ging im Hotel direkt zur Rezeption und
bemerkte dabei wie an einigen Stellen der weißverputzten Wände Farbe abgebröckelt und
auf dem rostfarbenen Fliesenboden gefallen war.
An der spartanisch eingerichteten Rezeption hinter der ein großes Panoramabild von London
und der Union Jack hing, wurde Anna von einer hübschen schwarzhaarigen Asiatin begrüßt
die eine orangefarbene Sonnenbrille trug.
„Willkommen im Atlantic Paddington. Ich bin Yakina, was kann ich für dich tun?“, begrüßte
Sie Anna mit einem breiten lächeln. „Hallo, ich bin Anna Jansen und möchte für einen Tag
ein Einzelzimmer buchen“, erwiderte Anna freundlich.
„Wir haben derzeit ein Angebot am laufen. Zwei Tage inklusive Frühstück für 22,00 Euro
statt für 34,00 Euro und dazu noch eine kleine Schachtel feine belgische Pralinen als
Willkommensgeschenk.“, sagte Yakina zuvorkommend und tippte ein paar mal auf die
Tasten des Buchungscomputers.
„Hmmm….okay ich buche dann für zwei Tage“, antwortete Anna nachdenklich.
„Okay, dann brauche ich noch deine ID-Card“, bat Yakina worauf Anna ihr die ID-Card
übergab. Die Karte zog Yakina durch einen Datenabtaster und tippte ein paar Zeilen in den
Computer ein. „So, hier ist deine ID-Card und ein Ausdruck als Buchungsbestätigung“, sagte
Yakina und übergab Anna wieder die ID-Card sowie den Computerausdruck.
„Danke. Wo finde ich mein Zimmer?“, fragte Anna nachdem Sie die beiden Dinge entgegen
genommen hatte.
„Geh da die Treppe hinauf in den zweiten Stock zum Zimmer Nummer 18“, erklärte Yakina
und überreichte Anna die Schlüsselkarte für ihr gebuchtes Einzelzimmer.
„Okay“, freute sich Anna und nahm die blaufarbene Karte mit einem dankbaren lächeln
entgegen und begab sich in den zweiten Stock des Hotels.
Beim betreten des Flures knarrte der Fußboden aus Kiefernholz unter ihren Füßen und die
aus dem Fenster schimmernde Nachmittagssonne schuf eine knisternde fast unheimliche
Atmosphäre. Außer dem knarren der Kiefernbretter unter ihren Füßen vernahm Anna kein
Geräusch und es schien niemand zur Zeit im Hotel unterwegs zu sein.
Anna stand schließlich nach eine kurzen Weile vor ihrem Zimmer und steckte die
Schlüsselkarte in den grauen Kartenscanner, der sich unter der Messingklinke befand.
Nachdem Anna die Karte durch den wenige Zentimeter breiten Schlitz gezogen hatte,
schaltete ein kleines Lämpchen am Kartenscanner auf grün. Die nussbraune Zimmertür
öffnete sich schließlich mit einem leichten Klickgeräusch und Anna begab sich hinein.
Beim betreten des Zimmers fiel ihr Blick sofort auf die markanten roten Vorhänge und dem
einfachen Bett aus hellbraunen Eichenholz.
„Uaaaahhhh…bin ich müde“, murmelte Anna, ließ ihren Rucksack auf das Bett fallen und
öffnete die schnöde weiße Badezimmertür. Zum Vorschein kam ein recht beengtes
Badezimmer mit einer weißen Befliesung ohne Badewanne aber mit einem Waschbecken
und kleiner Dusche. „Oh was klein“, bemerkte Anna und wusch sich trotz dieser Erkenntnis
ihr Gesicht mit kaltem Wasser. Wieder erfrischt verließ Anna das mickrige Badezimmer und
machte sich auf den Weg in den Speisesaal des Hotels.
Als Anna den Speisesaal betrat knarrte der helle Eichenparkettholzboden unter ihren Füssen
und die wenig anwesenden Gäste schauten Sie kurz an aber aßen weiter oder unterhielten
sich. Anna machte es sich an einen Fensterplatz gemütlich und nahm sich sogleich der
Speisekarte an. Nach einer kurzen Weile kam die Bedienung, ein älterer grauhaariger Herr
um die Siebzig an ihren Tisch und begrüßte Sie zuvorkommend.
„Guten Abend. Darf ich Ihnen was bringen?“, begrüßte er Anna mit einer heiseren Stimme.
„Ähm ja, ich hätte gerne einen frischgepressten Orangensaft“, erwiderte Anna.
„Gerne, kommt sofort“, sagte die Bedienung freundlich und schrieb auf seinem Bestellblock
den Orangensaft auf und verschwand hinter der Hotelbar, wo er vier Orangen auspresste
und mit einem großen Trinkglas wieder zu Anna kam.
„Bitteschön, ich hoffe er mundet Ihnen“, sprach er und stellte das Trinkglas mit dem
Orangensaft auf den Tisch.
„Danke. Ich habe Hunger und nehme das Curryhähnchen mit Reis und als Nachtisch ihren
hausgemachten Früchte-Milchreis.“, bedankte sich Anna und der alte Herr begab sich mit
der zweiten Bestellung in der Hand in die Küche.
Anna schaute aus dem Fenster und beobachtete die Regentropfen, welche gegen die
Glasscheibe prasselten, was Sie an ihre Zeit in Hamburg erinnerte wo Sie zwischen ihren
ersten und fünfzehnten Lebensjahr lebte und es Sie danach nach Malmö zog während ihre
Eltern in der Hansestadt blieben. Gute zwanzig Minuten gingen ins Land ehe Sie in den
Genuss des Curryhähnchens mit Reis und dem Nachtisch kam.
„Lecker“, freute sich Anna als Sie sich einen Hähnchenschenkel vornahm und genüsslich
dort hinein biss. Der Reis und die Currysauce schmeckten Anna ebenfalls und so geschah
es dass ihr Essen relativ schnell verputzt war.
Der Nachtisch schmeckte eher wie Pappe und die Früchte waren sehr pampig, so dass Anna
sich sofort beim Kellner beschwerte.
„Ja, was kann ich für Sie tun?“, fragte der Kellner recht wirsch als er dass noch fast volle
Schälchen mit dem Früchte-Milchreis erblickte.
„Ich zahle diesen pampigen Nachtisch nicht, weil er miserabel schmeckt“, meckerte Anna
und ohne Worte nahm der Kellner diese Beschwerde entgegen und kam mit der Rechnung
wieder zu ihr zurück.
„Bitteschön, ich habe die 2,50 Euro die der Früchte-Milchreis kostet von der Rechnung
abgezogen“, sagte er mürrisch und knallte die Rechnung auf den Tisch.
Anna holte ihre ID-Card hervor und ließ den Geldbetrag von ihrem Privatkonto abbuchen.
Nach diesem Abend begab sich Anna wieder in ihr kleines Zimmer und legte sich auch sofort
schlafen, um für den morgigen Tag ausgeschlafen zu sein.
Wie zuhause mummelte Sie sich in die kuschelige Bettdecke ein und schlief sogleich nach
einer Viertelstunde ein obwohl in dem Nachbarzimmer der Bär mit lauter Musik abging.
„Scheiß Krach“, schimpfte Anna leise schläfrig aber ließ sich nicht dazu verleiten
aufzustehen um sich bei den Partyfreunden im Nachbarzimmer über den unerträglichen
Lärm zu beschweren. Kurz vor neun Uhr morgens wachte Anna mit einem Brummschädel
auf und tapste in das kleine Badezimmer, um sich frisch zu machen.
Nach der erholsamen kalten Dusche waren die Kopfschmerzen wie verflogen und Anna ging
in den Speiseraum des Hotels. Das Frühstücksbuffet war sehr reichhaltig aber Anna nahm
nur zwei Brötchen mit schmackhaften Honig und eine Tasse Pfefferminztee zu ihrem
Fensterplatz an dem Sie gestern schon saß.
Ohne Zeitdruck genoss Anna die leckeren Honigbrötchen und den süßen Pfefferminztee um
sich anschließend nur widerwillig bei der Rezeption einzufinden um das Päckchen
abzuholen, von dem ihr dieser Nathaniel gestern erzählt hatte. An der Rezeption wurde Sie
von einer lächelnden Yakina empfangen.
„Guten Morgen Frau Jansen, hat Ihnen das Frühstück geschmeckt?“, begrüßte Yakina Sie
fragend. „Ja, besonders die Honigbrötchen haben einfach köstlich geschmeckt“, erwiderte
Anna freudig.
„Freut mich zu hören. Für Dich wurde übrigens ein Päckchen abgegeben.“, freute sich
Yakina und übergab Anna ein dickes braunes Päckchen. Recht widerwillig nahm Anna es
entgegen und verschwand ohne ein Wort zu sagen in ihr kleines Hotelzimmer.
Als Anna das Päckchen öffnete kam ein flaches schwarzes Objekt zum Vorschein, welches
durch eine Luftpolsterfolie rundum geschützt war aber Sie wagte es nicht dieses komische
Ding anzufassen. Wenige Minuten später klingelte das silberne Klapphandy und wie sollte es
anders sein, meldete sich Nathaniel auf der anderen Seite.
„Guten Morgen Anna, ich hoffe Ihnen hat ihr Frühstück gemundet“, begrüßte Nathaniel Sie
mit einer wohlwollenden Stimme. „Hören Sie mit dem Süßholzraspeln auf und sagen mir was
dieses schwarze Ding ist!“, erzürnte Anna.
„Sie haben das Päckchen schon geöffnet? Egal. Das schwarze flache Ding ist eine
Festplatte die Sie gegen eine andere austauschen müssen.“, gab Nathaniel zu verstehen.
„Austauschen?“, bohrte Anna nach.
„Ja, Sie werden getarnt als Wartungstechnikerin in den Serverraum gehen und dort eine
Festplatte mit der Bezeichnung HD005 suchen und diese wie bereits gesagt austauschen.“,
sagte Nathaniel bestimmend freundlich.
„Was ist mit dem Datenstick?“, erfragte Anna.
„Der Datenstick entriegelt das entsprechende Festplattenfach mit einem bestimmten
Algorythmus der nur für heute gültig ist. War ganz schön teuer….“, ärgerte sich Nathaniel.
„Genau, der Chinese hat dafür mit dem Leben bezahlt…“, kommentierte Anna scharfsinnig.
„Er wollte den Datenalgorhytmus nicht freiwillig rausrücken und da musste eben zu
drastischen Mittel gegriffen werden“, antwortete Nathaniel unterkühlt.
„Alles nur um ihre Gier nach Geld und Macht zu befriedigen“, mutmaßte Anna.
„Meine Ziele gehen Sie einen Scheißdreck an. Nehmen Sie die nächste U-Bahn der Jubilee
Line und steigen Sie bei den Docklands aus, wo Sie dem streng bewachten
Technologiezentrum von Cheng Lou Technologies einen Besuch abstatten, um dort besagte
Daten zu stehlen.“, antwortete Nathaniel verärgert. Anna schwieg ein paar Sekunden.
„Die Lesebrille soll ich aufsetzen und den kleinen Mikroknopfsender ins Ohr stecken, damit
Sie mich überwachen und dirigieren können, nicht?“, vermutete Anna.
„Richtig und den blauen Overall den Sie unter der Festplatte in dem Päckchen finden, ziehen
Sie vor betreten des Technologiezentrums an.“, verabschiedete sich Nathaniel rasch.
Anna blieb verdutzt zurück, steckte die Dinge in ihren Aktenkoffer und ging langsamen
Schrittes zur nächsten U-Bahn-Station.
Am Fahrkartenautomat holte Sie sich eine Fahrkarte und wartete auf die U-Bahn der Jubilee
Line welche in zehn Minuten eintreffen würde.
Anna schaute sich um und fühlt sich recht unbehaglich in dieser Ungebung auch wenn sie
durch Kameras überwacht wurde und Sie in relativer Sicherheit war, weil außer ihr noch ein
paar Dutzend andere Fahrgäste auf die U-Bahn warteten. Die Minuten wollten einfach nicht
vergehen und so verschwand Sie in der Damentoilette wo Sie sich umkleidete und nach
einer kurzen Weile wieder rauskam.
Nach der Umkleidung holte Sie ihr Handy aus ihrem Jacket und rief kurzentschlossen ihre
beste Freundin Svea an.
„Guten Morgen“, meldete sich Svea müde auf der anderen Seite.
„Hallo du Schlafkatze, wie geht es dir? Wollte dir nur mitteilen dass bei mir alles in Ordnung
ist und ich mit der U-Bahn zu den Docklands fahre.“, begrüßte Anna ihre langjährige
Freundin die Sie schon seit ihren ersten Tagen in Schweden kannte.
„Ist gut. Solange es dir gut geht bin ich ja beruhigt. Ich habe für unseren Cateringservice
schon das passende Servicemobil gekauft.“, freute sich Svea gähnend.
„Kostenpunkt?“, fragte Anna neugierig.
„Nur 16.537 Euro und er arbeitet mit einem sparsamen Brennstoffzellenantrieb, der pro Jahr
auch nur 472 Euro an Steuern und Abgaben kostet.“, erwiderte Svea knapp.
„Sehr gut. Du, ich muss jetzt aufhören, weil meine U-Bahn grade einfährt.“, beendete Anna
das Gespräch. Svea legte auf und kuschelte sich wieder in ihrem Bett ein. Ihr Handy steckte
Anna wieder ein und beobachtete wie die silbernfarbene U-Bahn in die U-Bahnstation
nahezu lautlos einlief. Die pneumatischen Automatiktüren öffneten sich und Anna bestieg mit
den anderen Fahrgästen die fast halbleere U-Bahn. Wie immer suchte Sie sich einen Platz
aus wo noch niemand saß und schaute aus dem Fenster.
Langsam setzte sich die U-Bahn in Bewegung und fuhr in den schlecht ausgeleuchteten UBahntunnel
hinein und nach einer guten halben Stunde stoppte die Bahn an den Docklands,
wo Anna mit ein paar anderen Reisenden ausstieg.
Die U-Bahnstation war sehr modern gebaut, dessen Krönung eine halbrunde Glaskuppel
war. Über eine ausgeklügelte Technik wurde das gesamte Stationsgelände durch
einfallendes Licht sanft erhellt. Zur Zeit fiel nur wenig Licht über die Glaskuppel hinein, weil
der Himmel bewölkt war und erste Regentropfen aus den Wolken fallen ließ.
Viele hundert Menschen kamen Anna entgegen als Sie zur Rolltreppe der U-Bahnstation
unterwegs war und aufpassen musste nicht aus Versehen umgerannt zu werden.
Oberhalb der Rolltreppe angelangt verließ Anna die Station und erblickte draußen die
moderne Skyline der Docklands. Dabei war ein konisches zehnstöckiges Gebäude sehr
auffällig in dessen silbrig glänzender Außenfassade sich die Regenwolken und ein Teil der
anderen Bürogebäude und des Hafengeländes spiegelten. Anna war von der Architektur
dieses Gebäudes begeistert und näherte sich diesen langsam, bis Sie schließlich vor einem
Firmenschild stehen blieb, welches aus feinem Aluminium bestand und in einen Marmorstein
eingebettet war.
„Cheng Lou Technologies – Technology & Research Center for Space Propulsion and
Material Development“, flüsterte Anna als Sie die Buchstaben aus polierten Messing sah.
Nun setzte Anna die Brille auf, zog das Jacket aus und steckte den kleinen Minisender in ihr
Ohr und hörte plötzlich eine Stimme die ihr wohl bekannt war.
„Wunderbar Anna, Sie sind am Ziel. Begeben Sie sich in das Technologiezentrum und gehen
in den Server-Raum welcher sich im zweiten Untergeschoss befindet, den Sie mit einen der
Aufzüge erreichen. Versuchen Sie ja nicht mich reinzulegen. Ich habe über die Brille alles im
Blick und kann hören was Sie sagen.“, begrüßte Nathaniel Sie mit einer arroganten
überheblichen Art.
„Pisser“, flüsterte Anna scharf.
„Dass habe ich gehört. Los gehen Sie endlich oder möchten Sie dass ich ihr Konto sperre
und Ihnen damit die finanzielle Grundlage entziehe inklusive ihrem geliebten Haus?“, schrie
Nathaniel worauf Anna sich kurz schüttelte.
„Okay Sie Arsch, ich hole die verdammte Festplatte aber danach möchte ich von Ihnen
nichts mehr hören!!“, beschwerte sich Anna ziemlich gehässig und abwertend.
„Einverstanden aber nun gehen Sie endlich. In 45 Minuten möchte ich Sie wieder hier
draußen sehen!“, gab Nathaniel zu verstehen. Mürrisch schluckte Anna ihre Wut herunter.
An der gläsernen Automatiktür angekommen öffnete sich diese auch gleich.
Kaum hatte Anna das Gebäude betreten, erblickte Sie eine großräumige Eingangshalle,
deren matt-silbernen Bodenfliesen durch das halbrunde Glasdach erhellt wurden, während in
der Mitte eine gut vier Meter mal vier Meter große Vitrine mit einem brennstoffbetriebenen
Citycar stand. Anna war recht beeindruckt von der zeitlosen Architektur und wandte sich der
Vitrine zu. Doch in diesem Moment kam ihr eine chinesische Sicherheitskraft entgegen.
„Guten Tag, ich bin Tatjana Xeng. Geben Sie mir bitte ihre ID-Card“, bat die kleine Chinesin
und bekam die gefälschte ID-Card überreicht die Anna von Nathaniel bekommen hatte.
Die Sicherheitskraft nahm diese ID-Card entgegen und zog sie durch ein kleines mobiles
Scangerät, dessen zwei Lämpchen kurz rot leuchteten aber dann auf grün schalteten.
„Okay, ihre ID-Card ist in Ordnung. Folgen Sie mir bitte.“, sagte Tatjana Xeng zögernd und
Anna zuckte innerlich zusammen.
„Wohin gehen wir?“, fragte Anna zögerlich.
„In die zweite Unteretage zum Server-Raum.“, antwortete die Chinesin knapp lächelnd.
„Ein hochsensibler Sicherheitsbereich….“, mutmaßte Anna.
„Ja, der Bereich unterliegt der Sicherheitsstufe fünf und ist nur wenigen Personen überhaupt
zugänglich.“, gab Tatjana Xeng zu verstehen.
„Verstehe“, sagte Anna nickend. Die Zwei waren mittlerweile an einem speziell gesicherten
Einzelaufzug angelangt, der von einem bewaffneten Sicherheitsoffizier bewacht wurde.
„Guten Tag Lou. Dies ist Anna Jansen, die Systemadministratoren.“, begrüßte Tatjana ihren
Kollegen und übergab ihr Anna´s gefälschte ID-Card. Er zog diese Karte durch ein Lesegerät
und nickte bejahend.
„Welchen Auftrag haben Sie?“, fragte Lou und blickte Anna kühl lächelnd mit seiner rechten
Hand an seinem Pistolenhalfter an.
„Ich soll einige Festplatten überprüfen.“, erwiderte Anna zögernd wobei Sie innerlich enorme
Angst hatte aber es verstand diese nach außen hin zu verbergen.
Der Sicherheitsoffizier schwieg eine halbe Ewigkeit aber gab Tatjana die ID-Card wieder
zurück und tippe auf einem Tastenfeld des Aufzuges einen Code ein, worauf sich die
metallenen Türen öffneten.
„Tatjana, bitte denke an die 30 Minuten…“, kommentierte Lou scharfsinnig während Tatjana
gemeinsam mit Anna den Aufzug bestieg.
„Was hat es mit diesen Minuten auf sich?“, fragte Anna neugierig.
„Eine weitere Sicherheitsfunktion. Aufgrund der hohen Sicherheitsstufe darf jeder der Zutritt
zu diesem Bereich hat, sich maximal eine halbe Stunde dort aufhalten.“, erklärte Tatjana
wohlwissend.
„Nachdem die 30 Minuten abgelaufen sind, werde ich vernommen…“, witzelte Anna.
„Ja, allerdings werden Sie durch ein Betäubungsgas vorher schachmatt gesetzt.“, antwortete
Tatjana knapp. Währenddessen stoppte der Aufzug in der gewählten Etage und öffnete sich
worauf die beiden ausstiegen.
Anna erblickte einen etwa fünfzig Meter langen graufarbenen Flurgang der hell erleuchtet
war und an dessen Ende eine Eisentür lag. „Der Gang wird durch Drucksensoren und
Laserschranken geschützt aber ich lasse diese für exakt 30 Minuten abschalten“, erklärte
Tatjana und bat die Sicherheitszentrale um Abschaltung der Laserschranken sowie
Drucksensoren.
„Beide Sicherheitsschranken wurden soeben abgeschaltet.“, knarrte es aus dem Funkgerät
von Tatjana. Der Gang wurde plötzlich in ein blaues Licht getaucht.
„Bitte gehen Sie nun zum Server-Raum und geben an der Tür den Code 8256 ein aber bitte
beachten Sie dass Sie ab jetzt nur noch 29 Minuten Zeit haben.“, sagte Tatjana und zeigte
auf die Tür des Serverraums.
Anna schritt gemächlich zur Tür hinüber und gab auf ein Tastenfeld die Codezahl 8256 ein
wodurch sich diese mit einem metallisch entrastenden Geräusch öffnete.
„Endlich sind wir am Ziel Anna. Sie wissen was zutun ist. Ich beobachte Sie. “, hallte
Nathaniels Stimme in Anna´s Ohr über den Minisender und schluckte ihre Wut herunter.
Als Anna den Serverraum betrat wurde er durch seichtes grünes Licht erleuchtet und zur
gleichen Zeit zählte eine weibliche Computerstimme die verbleibenden 28 Minuten herunter.
Ein Terminal aus feinem Aluminium war in der Mitte des Raumes eingelassen und mit einem
LCD-Display und einer silbernen Tastatur ausgestattet. Im Glasboden spiegelte sich das
seichte grüne Licht und wirkte beängstigend auf Anna.
„Noch 26 Minuten“, piepste die Computerstimme.
Trotz eines flauen Angstgefühls im Magen wagte sich Anna zum Computerterminal und holte
aus ihrer Aktentasche den halbrunden optokristallinen Datenstick hervor und steckte diesen
in den einzigsten USB-Steckplatz. Das LCD-Display blitzte auf und spuckte einige Daten aus
als der Datenstick eingeführt war und die Uhr weiter lief.
Einige Meter hinter dem Terminal war ein Datencenter fest mit dem Glasboden verbunden
und beherbergte rund drei Dutzend Festplatten in Schächten die jedoch abgesichert waren.
„Noch 20 Minuten“, meldete die Computerstimme.
„Nun komm schon spuck endlich die Festplatte HD-005 aus!“, schimpfte Anna und ging
schritt ungeduldig im Raum umher. Die Minuten zogen sich wie Kaugummi dahin und
strapazierten zusehends Annas Geduld.
„Es bleiben Ihnen sechs Minuten Zeit“, warnte der Computer. Langsam wurde Anna nervös
und wischte ein paar Schweißperlen von der Stirn als sich jedoch eine der Festplatten
entriegelte, wich ihre Nervosität der Erleichterung und holte sich den Datenspeicher.
„Jetzt aber weg hier.“, freute sich Anna erleichtert, legte die Festplatte vorsichtig in ihre
Aktentasche und zog den Datenstick aus dem USB-Steckplatz heraus.
Die Ersatz-Festplatte steckte Anna hastig in den leeren Schacht und verschwand so schnell
Sie konnte aber äußerlich gelassen aus dem Server-Raum. Die Sicherheitstür schloss
automatisch wieder.
„Na, alles erledigt?“, fragte Sicherheitskraft Tatjana Xeng als Anna ihr entgegen kam.
„Ja, das System läuft einwandfrei.“, antwortet Anna gelassen obwohl Sie innerlich unruhig
war aber es nach außen hin nicht zeigte.
„Wenn Sie es sagen…“, meinte Tatjana und betrat mit Anna wieder den Aufzug und fuhr mit
ihr wieder nach oben. Anna wurde von Tatjana bis in die Eingangshalle zurück begleitet und
verließ das Gebäude mit einem erleichterten Gefühl.
Erste Sonnenstrahlen hatten die dunklen Regenwolken mittlerweile durchstoßen und ließen
den nassen Boden wie Diamanten glitzern aber dies beachtete Anna nicht und begab sich
schnellen Schrittes wieder zurück in die U-Bahnstation.
Kaum war Sie unten angekommen, klingelte ihr Handy und nahm das Telefonat mies gelaunt
entgegen. „Hallo Nathaniel, na wollen Sie mich wieder irgendwo hinschicken?!“, begrüßte

Anna ihr verhasstes Gegenüber gehässig. „Anna, schön dass Sie mich so furchtbar nett
begrüßen.“, antwortete Nathaniel bestimmend.
„Wohin soll ich gehen?“, fragte Anna entnervt.
„Gehen Sie erst mal zurück ins Hotel. Seien Sie morgen früh um 6.30 Uhr an der Tower
Bridge und warten auf einen roten Mini.“, erklärte Nathaniel mit kühler Stimme.
„Sie kommen persönlich? Dass ist ja erfreulich, dann kann ich Ihnen endlich mal meine
Meinung nicht nur verbal geigen, Sie Scheißkerl!“, entlud sich Annas Wut scharf.
„Sie werden nicht das Vergnügen haben mir persönlich gegenüber zu stehen sondern ein
sehr guter Mitarbeiter wird die Festplatte entgegennehmen während ich für meinen Konzern
die Lorbeeren ernten werde.“, gab Nathaniel zu verstehen wobei seine Stimme leicht nervös
zu wirken schien.
„Sie klingen nervös. Warum? Sind Sie der Chef eines Konzerns? Danke für die Information.“,
mutmaßte Anna und ohne ein weiteres Wort zu sagen, legte Nathaniel auf.
Anna fühlte sich auf einmal irgendwie besser und holte sich lächelnd eine Fahrkarte am
Automaten für die Rückfahrt und wartete auf die U-Bahn. Der Bahnsteig war wie leergefegt
denn außer ihr schien niemand auf die nächste U-Bahn zu warten.
Außer dem leichten säuseln des Windes war nichts zu hören, worauf es Anna mit der Angst
zutun bekam und sich nicht wagte umzuschauen.
Plötzlich hörte Anna hinter sich Schritte aber Sie blieb starr wie ein Baum und zitterte wie
Espenlaub. Die Schritte stoppten direkt hinter ihr.
„Sie haben etwas was Nathaniel braucht.“, sprach eine junge männliche Stimme mit
schweren Schweizer Akzent.
„Ich kenne Sie nicht.“, sagte Anna knapp zitternd.
„Nennen Sie mich Jannik.“, lautete die freundliche Antwort des Unbekannten.
„Ist dass ihr richtiger Name?“, bohrte Anna nach.
„Ja, dass ist mein Name. Geben Sie mir einfach die Festplatte, dann verschwinde ich!“, gab
der Unbekannte zu verstehen.
„Okay aber Nathaniel hatte mir gesagt dass ich die Festplatte morgen früh um 6:30 Uhr
jemanden übergeben soll, der einen roten Mini fährt.“, erwiderte Anna nachdenklich.
„Wir hatten einen Notfallplan und der ist nun in Kraft getreten.“, lautete seine knappe
Antwort. „Ach wie nett, einen Notfallplan hat dieser Mistkerl entworfen.“, sprach Anna abfällig
und öffnete den Aktenkoffer.
„Den Aktenkoffer haben Sie geöffnet, nun müssen Sie mir nur noch die Festplatte geben!!“,
stellte Jannik fest. Missmutig holte Anna das schwarze flache Ding aus dem Aktenkoffer
und überreichte diese Jannik ohne sich umzudrehen.
„Ich danke Ihnen für die Zusammenarbeit Anna!“, freute sich Jannik hämisch und klopfte
Anna zum Abschied auf die Schulter. Jetzt drehte Sie sich um und konnte nur noch sehen,
wie ein schneidiger junger Mann in einem grauen Anzug die Treppe hinauf rannte.
Die U-Bahn fuhr nach einer kurzen Zeit in die Bahnstation ein, die Anna mit einem
nachdenklichen Gefühl bestieg und mit gemächlicher Geschwindigkeit losfuhr und an der
Jubilee Station stoppte.
Nach einem kurzen Spaziergang und einer Fahrt mit dem Taxi kam Anna am Atlantic
Paddington an und betrat die Rezeption, wo Sie von Yakina begrüßt wurde.
„Guten Nachmittag Frau Jansen“, begrüßte Sie Anna und übergab ihr einen weißen
unauffälligen Briefumschlag.
„Hallo“, grüßte Anna knapp zurück und verschwand in ihrem Zimmer, wo Sie sich erst mal
auf müde auf ihr Bett fallen ließ und sofort einschlief.
Die morgendlichen Sonnenstrahlen kitzelten Anna aus dem Schlaf, die mit einem Niesen
aufwachte und sich tapsend in das kleine Badezimmer begab, um sich zu erfrischen.
Erholt kam Anna aus dem Badezimmer zurück, packte ihren Koffer und ließ von Yakina ein
Taxi rufen. Die Fahrt zum Flughafen dauerte nicht lange und dort angekommen, stieg Anna
aus und begab sich schnellen Schrittes zu ihrem Abfertigungsschalter.
Wenige Minuten später hob der Passagierjet mit Anna an Bord ab und flog nach Stockholm…

© 2004 by Andreas Krämer

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