Der schlaue Fuchs

In seinem kleinen Wäldchen hoch oben über einer abgelegenen Hafenstadt in einem norwegischen Fjord wachte Jannik, der feuerrote Fuchs und schützte die großen und kleinen Tiere vor Gefahren.
Jannik saß wie jeden Tag am Berghang von dem er aus direkt das Geschehen in der Hafenstadt beobachtete und machte sich Sorgen, denn die Behausungen der Menschen kamen immer näher an sein Wäldchen heran.
Viele Hektar Wald waren neuen Häusern schon zum Opfer gefallen und verdrängten die dort lebenden Tiere und verkleinerten das Jagdgebiet der Adler, Füchse und Eulen die hier größtenteils lebten.
Über der Hafenstadt lichtete sich langsam der Nebel machte den Blick frei auf die Menschen, die jetzt ihrem Tagewerk nachgingen. Da bestiegen zwei Fischer ihre Boote, eine Wäscherin schleppte einen Korb schmutziger Wäsche und die vielen anderen verrichteten ebenfalls ihre Arbeit sofern sie eine hatten.

Am späten Vormittag gegen 12 Uhr rief Jannik den Wächterrat zusammen, der sich tief im Wald um einen alten Baumstumpf versammelte. Innerhalb weniger Minuten trafen Adler, Eulen, Mäuse, Eichhörnchen und die anderen Tiere des Waldes ein.
„Fuchs, warum holst uns hierher?“, fragte eines der Eichhörnchen vorwitzig.
„Ja genau, warum?“, stellte die weise Eule die gleiche Frage. Jannik stand auf dem Baumstumpf und räusperte sich.
„Liebe Freunde und Freundinnen, wir haben uns hier versammelt um uns zu beratschlagen.“, begrüßte Jannik sachte sprechend die Waldtiere, die um den Baumstumpf herumstanden oder saßen.
„Spuck´s aus!“, drängte einer der Adler der es sich auf einen Ast gemütlich gemacht hatte und Jannik ungeduldig anschaute.
„Die Hafenstadt der Menschen verdrängt immer mehr unseren Wald und damit wird die Nahrungssuche immer schwieriger.“, sprach der feuerrote Fuchs weise.
„Dann lasst uns doch ihre Kornkammer plündern…“, schlug eine gewitzte weiße Maus vor.
„Noch verhungern wird nicht aber die Zeit wird knapp, denn heute werden die Menschen sicher wieder ein Dutzend und mehr Bäume fällen.“, warnte Jannik und schaute seine Freunde und Freundinnen dabei weise an.
„Ich stimme Jannik zu. Die Zeit wird knapp und schlage vor dass wir die Hafenstadt auskundschaften und Nahrung stehlen.“, sprach die Eule und schaute dabei jeden in der Runde an. Einige schüttelten mit dem Kopf.
„Warum sollten wir die Menschen bestehlen? Der Wald bietet uns allen noch genug Nahrung.“, berichtete der Adler gehässig und wollte zum Start ansetzen aber hielt schließlich inne und legte seine Flügel wieder an.
„Du bist ja auch ein Adler…“., foppte die Maus ihren fliegenden Kollegen, der sogleich hochnäsig seinen weißbraunen Kopf beiseite drehte. Es herrschte einige Minuten lang Ruhe in der Runde.
„Ich habe nachgedacht und stimme dem Vorschlag der Eule zu, die Hafenstadt zu erkunden, um dort Nahrung zu stehlen.“, sagte Jannik nachdenklich gestimmt und die Tiere, welche vorher mit dem Kopf geschüttelt hatten, nickten jetzt.
„Dann lasst uns eine Abstimmung machen…“, schlug die Eule weise vor.
„Jeder der für diesen Plan ist, nicke bitte.“, sagte Jannik zu Ihnen und alle stimmten diesen gefährlichen Plan zu.
„Okay, jeder wird eine Aufgabe erhalten, die er zuverlässig erfüllt!!“, gab Jannik zu verstehen und verteilte die verschiedenen Aufgaben auf die Tiere. Die Vögel sollten jeden Meter der Hafenstadt auskundschaften während die Mäuse, Eichhörnchen und anderen kleinen Tiere dazu veranlasst wurden, die Nahrung zu stehlen.
Am kommenden Morgen begann die erste Phase des Planes, in regelmäßigen Abständen überflogen die Adler den Süden der Stadt während die Eulen, Möwen und Bussarde den Norden, Westen und Osten auskundschafteten.
Wenige Stunden später hatten die Vögel die Gebäude herausgefunden, wo die Menschen ihre Nahrungsmittel wie Fische, Käse, Milch und Brot gelagert hatten und nun war es die Aufgabe der kleinen Tiere diese Lebensmittel zu stehlen.
Im Schutz der Nacht schlichen sich die Mäuse, Eichhörnchen, Ratten und die anderen kleinen Tiere hinunter zur Hafenstadt. Dort schlüpften sie durch Öffnungen in die Gebäude und stahlen die dort lagernden Köstlichkeiten.
Die Mäuse hatte es zum Lagerraum einer Molkerei verschlagen, mit ihren Näschen schnupperten Sie nach einem geeigneten Eingang, denn die Vordertür wurde durch eine gefährliche Katze bewacht.
Jimmy, die schlaue Spitzmaus fand schließlich über einen kleinen Spalt in der Mauer einen Zugang und rief die ihre Mausfreunde herbei, die weniger Meter entfernt hintern Zaun warteten. Hundert Mäuse kamen angeflitzt und folgten Jimmy durch den Mauerspalt in den Lagerraum.
„Wundervoll, einfach nur wundervoll!“, freute sich Jimmy als er den Regalen viele Dutzend Leib Käse sah und fünf Gruppen von je zwanzig Mäusen befahl jeweils ein Käseleib gemeinsam zu schleppen. Jimmy passte währenddessen auf, dass die Katze nicht auf einmal hereingestürmt kam. Etliche Minuten vergingen und nun standen die Mäuse mit ihren Käseleiben da und wussten nicht, wie sie ihre leckere Fracht nach draußen bringen konnten, denn der Spalt war zu klein.
„Jimmy, grab mal einen breiten Durchgang unter den Spalt!!“, riefen die anderen Mäuse ihn zu und er reagierte sofort. Mit seinen kleinen Pfoten buddelte Jimmy langsam einen Durchgang der grade so breit und tief war, dass die Käseleibe hindurch passten.
„Jetzt kommt, die Sonne geht langsam auf!“, schrie Jimmy und der Mäusetrupp mit den Käseleiben auf dem Rücken folgten ihn bis oben hinauf zum Sammelpunkt tief im Wald wo sie gestern mit den anderen Tieren diskutiert hatten. Die Mäuse waren die Letzten, die dort eintrafen.
Jannik saß auf seinen Baumstumpf grinste hocherfreut als er die Lebensmittel sah, welche die Tiere sorgfältig zu einem Berg aufgetürmt hatten. Alle Tiere waren um den Lebensmittelberg versammelt und horchten Jannik´s weisen Worten.
„Mit diesen Lebensmitteln werden wir eine Weile durchkommen aber dies ändert nichts an der Tatsache dass unser Diebstahl entsprechende Konsequenzen durch die Menschen nach sich ziehen wird….“, erinnerte Jannik seine Freunde an die weitere Bedrohung durch die Menschen.
„Was willst du uns damit sagen?“, fragte die weise Eule.
„Wir müssen uns eine neue Heimat suchen, denn die Menschen werden über kurz oder lang unseren geliebten Wald abholzen um damit Gewinne einzufahren ohne Rücksicht auf die Natur.“, schlug Jannik vor. Als seine Freunde diese Worte vernahmen brach eine heftige laute Diskussion der verschiedensten Meinungen los und kamen erst wieder zur Ruhe als die weise Eule dass Wort ergriff.
„Beruhigt euch! Jannik hat Recht, wir müssen uns eine neue Heimat suchen und zwar weit entfernt von den Menschen!“, beruhigte die weise Eule und nach ein paar Minuten wurde es still. Kein Wort wurde gesagt.
„Nach meinen Schätzungen werden die Menschen unseren Wald in spätestens neun Monaten abholzen.“, schätzte Jannik. Als die Menschen neun Monate später die Heimat der Tiere abholzten fanden sie einen Lebensmittelberg vor aber keine Waldbewohner. Denn Jannik und seine Freunde hatten noch am gleichen Tag der Abstimmung beschlossen, sich eine neue Heimat zu suchen.
© 2005 by Andreas Krämer


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