Rentenkürzung mit Folgen

Karl Schneider hatte bis zum 65.Lebensjahr bei der Bahn als Schaffner gearbeitet und bezog eine kleine Rente mit der er knapp über die Runden kam. Er wohnte in einer eigenen allerdings kleinen Eigentumswohnung. Große Sprünge waren wie ein Urlaub waren nicht drin.
Somit musste Karl sich damit begnügen mit seinen knapp 1065 Euro sein Leben zu bestreiten, was ihm auch gut gelang bis er eines Tages einen Brief von der Rentenversicherung bekam. Er öffnete den Brief kurz nach seinem spärlichen Frühstück, dass aus einer Scheibe Brot mit gekochten Schinken und heißem ungesüßten Kaffee bestand.
„Was? 120 Euro weniger?“, stellte Karl entsetzt fest, als er lesen musste, dass er wegen zu wenig eingezahlter Beiträge nun statt wie bisher 1065 Euro nun 865 Euro Rente ab dem nächsten Monat bekommen würde. Zu seinem Bedauern wurde er zu einer Nachzahlung von 4320,59 Euro verdonnert. Der alte Mann bezog die Rente seit drei Jahren und anscheinend war sie nach dem Bescheid wohl zu hoch.
Wutentbrannt rief er erst mal die Rentenkasse an aber bekam nur die Auskunft dass er die Summe in angemessenen monatlichen Raten zurückzahlen. Die Unzufriedenheit stieg in ihm auf. Karl begab sich in den Paderborner Stadtpark und setzte sich auf seine Lieblingsbank gegenüber dem Brunnen. Nachdenklich schaute er in die Landschaft. Er war bei dieser winterlichen Kälte der einzige Mensch im Park aber dass war ihm egal, denn Gesellschaft konnte er derzeit nicht ertragen weil er stinkend wütend auf die Rentenkasse war.
„Scheiß Rentenkasse, können noch nicht mal rechnen und dann soll ich künfig auch noch Steuern auf meiner Rente zahlen!!“, schimpfte Karl erzürnt und stampfte mit seinen Schuhen auf den Steinboden.
„Woher soll ich das Geld denn nehmen?!“, fragte er sich und kam zu keiner Antwort, denn auf seinem Konto waren nur ein paar Euros. Seine wohlhabenden Verwandten wollte er nicht um Geld bitten dafür war er zu stolz.
„Wie ein Penner um Geld betteln möchte ich nicht“, dachte er und schüttelte mit dem Kopf während die Schneeflocken immer stärker fielen. Der Schnee störte ihn aber nicht, denn im zweiten Weltkrieg hatte er schon kältere Winter erlebt und versank in Gedanken.

„Vielleicht eine Bank überfallen?“, fragte Karl sich aber verwarf den Gedanken sofort wieder da er kein Krimineller sondern immer ein ehrlicher Mensch war.
Jetzt saß Karl schon fast zwei Stunden auf der kalten Bank und so langsam spürte er die winterliche Kälte an seinen Händen. Er hauchte in seine Handflächen, um sich zu erwärmen und verließ den Park. Sein Weg führte ihn zu einem Supermarkt, wo er sechs Schokoladentafeln, Joghurt und einen Käsekuchen aus reinen Frust kaufte.
Zuhause öffnete er den Käsekuchen und aß ihn genüsslich Stück für Stück ganz alleine auf. Die Schokoladentafeln und Joghurt stellte er zwischendurch in den Kühlschrank.
Nach dem köstlichen Mahl war Karl satt wie eine dicke Eule und legte sich erst mal für ein paar Stunden auf der Couch schlafen zur Beruhigung seines Magens.
Am Spätnachmittag wachte er auf und floh so schnell er konnte zur Toilette, denn den Käsekuchen hatte er nicht so gut vertragen wie er zuerst dachte und kam erst eine halbe Stunde später wieder.
„Nie wieder Käsekuchen!“, sagte er sich zu selbst und trank ein kleines Gläschen Kräuterschnaps. Nach wenigen Minuten ging es ihm wieder besser und setzte sich an seinen rustikalen Sekretär im Arbeitszimmer.

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Er holte Briefpapier aus einer der Schubladen hervor und schrieb mit einem roten Marker in großen Buchstaben dort etwas drauf und machte sich anschließend zu Fuß wortlos auf den Weg zu einer Bank in der Altstadt.
Wegen einer Kriegsverletzung dauerte der rund vier Kilometer lange Fußmarsch in die Altstadt jedoch recht lange und so stand er um 14 Uhr vor den verschlossenen Automatiktüren der RegioBank. Ihm war es aber ganz recht, denn seine Beine schmerzten sehr und so setzte er sich auf eine gegenüberliegende Bank und ruhte sich aus.
Die Minuten vergingen, die Schmerzen klangen langsam ab und nach einer halben Stunde wurde endlich die Automatiktür der Bank geöffnet.
„Endlich“, dachte er und begab sich als erster dorthin.
Außer ihn und den Bankangestellten war niemand zu sehen und so fiel es ihm leicht, dem Bankschalter einen Besuch abzustatten. Dahinter wartete eine sympathisch lächelnde dunkelblonde Angestellte.
„Guten Tag“, sagte er zu ihr und reichte dass vorher mit einem roten Marker beschriebene Briefpapier rüber. Die Bankangestellte las dass er alles Geld der Bank verlangte und reagierte sofort. Sie holte aus der Kasse alle Scheine hervor die dort drin waren und packte diese in einen Geldsack.
Karl nahm den Geldsack an sich und verschwand so schnell er konnte aus der Bank und bestieg einen Bus nach Hause.
Gut fünfzehn Minuten später traf er wieder zuhause ein und öffnete den Geldsack, um dass dort enthaltene Geld zu zählen und setzte sich gemütlich auf seine geliebte Couch. Der alte Mann zählte das Geld sehr sorgfältig und war schließlich nach geschlagenen und anstrengenden zwei Stunden fertig.
„10720 Euro“ sagte er und machte schon mal einen Überweisungsträger über die von der Rentenkasse geforderte Nachzahlung fertig. Die Überweisung wollte er aber nicht sofort sondern später machen. Zu Freude dass der leise Banküberfall so gut geklappt hatte, machte er sich ein Blech Kroketten mit Schnitzel und scharfer Pfeffersauce fertig und genoss anschließend das leckere Abendessen. Zum Nachtisch genoss er den Joghurt und zwei der fünf Schokotafeln.
Das schlechte Gewissen rührte sich in Karl und ging schlafen. Er schreckte immer wieder schweißgebadet auf. Am frühen Morgen klingelte der Wecker aber Karl nickte wieder ein und schlief bis zum späten Nachmittag durch. Plötzlich klopfte es an der Haustür und Karl wachte leicht erschreckt auf. Im Schlafanzug ging er zur Tür, öffnete sie einen Spalt weit und sah zwei Polizisten vor sich.
„Guten Morgen, was ist los?“, begrüßte Karl die beiden.
„Sind Sie Karl Schneider?“, fragte einer der Polizisten. Karl nickte zögernd.
„Bitte öffnen Sie die Tür!“, bat der zweite Polizist und Karl öffnete die Tür, worauf die zwei eintraten. Die beiden Polizisten sahen auf dem Wohnzimmertisch verteilt einige hundert Geldscheine und daneben der leere Geldsack mit dem schwarzen Aufdruck der RegioBank.
„Karl Schneider, ich muss Sie festnehmen. Alles was Sie jetzt sagen, kann vor Gericht gegen sie verwendet werden.“, teilte einer der Polizisten ihm mit und die Handschellen klickten. Wenige Tage später fand die Gerichtsverhandlung statt und Karl wurde zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr verurteilt.

Nach diesen negativen Erlebnis betrat Karl nie wieder eine Bank. Ich jedenfalls werde mir eine private Rentenversicherung zulegen. Von einem Bekannten habe ich gehört, dass der Direktversicherer ERGO Direkt recht gute Produkte anbietet.

© 2005/2009 by Andreas Krämer

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