Begegnungen am Bahnhof – Beitrag zu Story Creativo

Ich bin seit rund ein Monat Mitglied in der Facebook Autorengruppe mit Namen Story Creativo. In der Gruppe werden von den Mitgliedern wöchentlich Zitate gepostet und daraus dann individuelle Geschichten geschrieben.  Als Besonderheit müssen die Zitate aber nicht alle Zitate in die Story mehr oder weniger sinnvoll eingebunden werden, was zu durchaus lustigen Geschichten führen kann. Auf Grund fehlender Zeit und Ruhe konnte ich an der ersten Zitate-Geschichterunde nicht teilnehmen aber kann nun endlich in der zweiten Runde meinen kreativen Beitrag leisten.

Viel Spaß beim Lesen meiner aus Zitate zusammengebauten Geschichte:

Begegnungen am Bahnhof
Schon wieder stand er mit seinem Rucksack und Notebooktasche in der Hand am Bielefelder Bahnhof. Auf seiner Stirn bildeten sich erste Schweißperlen, da es heute brütend heiß war und der Zug nach Köln auf sich warten ließ. Seine Augen schweiften über die gegenüberliegenden Bahnsteige, wo reges Treiben herrschte und die Menschen sich ungeduldig die Beine in den Bauch standen. „Doch er hörte Johannes gern.!“, grellte es wie aus dem Nichts plötzlich hinter ihm, als ein merkwürdiger barfüßiger alter Kauz mit einem langen grauen Rauschebart die Treppe hinauf kam mit einer zerfledderten Bibel in der Hand und einem schwarzen Hut auf dem Kopf den Bahnsteig betrat.

Er fühlte sich gleich angesprochen, da er diesen Vornamen trug. „Mein Name ist Lohse und ich kaufe hier ein!“, wurde der Kauz von einem muskulösen Herrn im feinen champagnerfarbenen Anzug und Pilotenkoffer in seiner rechten Hand angerempelt. „Zuerst die Farben, dann die Menschen. So sehe ich die Welt normalerweise“ , setzte der feine Herr nach, rannte wie von einer Tarantel gestochen quer über den Bahnsteig und schaute dabei immer wieder auf seinen Einkaufzettel. Plötzlich stand dieser unfreundliche Muskelmann neben Johannes. Der Duft eines teuren Aftershave stieg ihm in seine Nase.  „Also Schluss mit dem Zirkus! Hier ist noch lang‘ nicht Feierabend!“, keifte er ihn mit zugekniffenen Augen an, drohte mit der Faust und kicherte wie wild dabei. Noch ehe Johannes begreifen konnte, was gerade geschah, hatte der Verrückte das Weite gesucht und war in den Tiefen des Bahnhofs entschwunden. „Bodybuilding bringt überhaupt nichts außer Blasen im Kopf und weiche Knie“, ging ihm ein Spruch eines alten Bud Spencer Films durch den Kopf. Er spürte eine Hand auf seiner Schulter und drehte sich um. „Isch habe gar keine Auto“, lallte eine großgewachsene rothaarige Schönheit mit italienischen Akzent ihm entgegen. Der Schwall einer Bierfahne kam ihm entgegen und ließ ihn zurückweichen.

Die Italienerin ließ nicht locker, schaute ihn mit ihren ozeanblauen Augen und kramte in ihrer Handtasche herum. „Hieeer sind ja Eier drinne“, sagte Sie kichernd. Johannes musste schmunzeln „Ich bin kein kluger Mann aber ich weiß was Liebe ist!“, entfuhr es ihm. Die Rothaarige schlang ihren Arm um seinen Hals. „Du Tinnnaaaa, watt kosten de Kondome?“, schallte es vom anderen Bahnsteig und die Italienerin winkte einer alten übergewichtigen Dame zu. „Eins für Uwe, Eins für Manfred, Eins für Peter… und eins für später“, rief die rassige Italienerin, die offenbar Tina hieß ihrer Bekannten zu.

In ihrem bauchfreien Top sah Tina zum Anbeißen aus, doch Johannes war seit einem Jahr mit Francesca glücklich zusammen und führte mit der Kölnerin eine glückliche Fernbeziehung. „Man kann Nudeln machen kalt, man kann Nudeln machen warm. Ja, die Nudel ist ein ewiges Essen.“, verabschiedete sich Tina mit einem Schulterklopfer und schenkte ihm ein kleines Rezeptbuch. „Ahh, ein Stadtmensch ihr glaubt wohl auch dass wir hier oben etwas altmodisch sind, aber dass stimmt nicht! Wir haben das neue Milka Fresh erfunden. Da ish Minze drin in einer knackigen Füllung und einer zarten Schoki von Milka. Aber vooorsicht its cool man!“, hallte es aus der Bahnansage und sorgte bei allen Fahrgästen auf den Bahnsteigen für allgemeine Heiterkeit. So manche legten einen flotten Tanz hin und andere mussten sich vor Lachen an den Bauch fassen. „Bestimmt wäre es besser zuzugeben, dass die Schönheit eines Problems darin besteht, dass es keine Lösung hat.“, musste Johannes lächelnd an ein Zitat von Alain Monnier denken und war froh, als endlich der ICE in den Bahnhof einfuhr. Wie befreit stieg er in den Zug und war froh diesen Bahnhof mit seiner bunten Vielfalt an wirren, lustigen, gefährlichen und sympathischen Menschen zu verlassen.

(c) 2015 von Andreas Krämer

Nachweis Zitate:
„Du Tinnnaaaa, watt kosten de Kondome?“ (Hella von Sinnen in einer „Kondome schützen“ Werbung)
„Ahh, ein Stadtmensch ihr glaubt wohl auch dass wir hier oben etwas altmodisch sind, aber dass stimmt nicht! Wir haben das neue Milka Fresh erfunden. Da ish Minze drin in einer knackigen Füllung und einer zarten Schoki von Milka. Aber vooorsicht its cool man!“ (Peter Steiner in Milka Fresh Werbespot 1994)
„Zuerst die Farben, dann die Menschen. So sehe ich die Welt normalerweise.“ – Markus Zusak, die Bücherdiebin
„Doch er hörte Johannes gern!“ – unser Pfarrer heute morgen
„Hieeer sind ja Eier drinne“
„Ah der Feigling, mich hier am frühen Morgen wecken aber da drinne“
„Eins für Uwe, Eins für Manfred, Eins für Peter… und eins für später“ (alle Peter Ludolf aus „Die Ludolfs“)

„Man kann Nudeln machen kalt, man kann Nudeln machen warm. Ja, die Nudel ist ein ewiges Essen.“ (Peter Ludolf aus „Die Ludolfs“, als er gerade Nudeln kocht)
„Bodybuilding bringt überhaupt nichts außer Blasen im Kopf und weiche Knie“ (Terence Hill in „Das Krokodil und sein Nilpferd“)
„Bestimmt wäre es besser zuzugeben, dass die Schönheit eines Problems darin besteht, dass es keine Lösung hat. („Die wunderbare Welt des Kühlschranks in Zeiten mangelnder Liebe“, Alain Monnier)
„Ich bin kein kluger Mann aber ich weiß was Liebe ist“ (Forrest Gump zu Jenny)
„Isch habe gar keine Auto!“ (Herr Angelo in Nescafe Werbung aus dem Jahr 1992)
„Also Schluss mit dem Zirkus! Hier ist noch lang‘ nicht Feierabend! („Käpt’n August und der Mond aus Gold“, Peter Bunzel)
„Meine Name ist Lohse und ich kaufe hier ein!“ (Herr Lohse in „Papa ante Portas“)

Schreibe einen Kommentar