Der Fahrradkurier

Nathaniel Glaser war ein Veteran des ersten Golfkriegs, den er mit Auszeichnung überstanden hatte und nun unter den Symptomen einer wenig erforschten Krankheit litt. Das Golfkriegs-Syndrom veränderte sein Leben, er litt unter Schlaflosigkeit, war gereizt und kämpfte gegen einen zeitweises Schwindelgefühl an. Seit seiner Rückkehr aus dem Irak im Jahre 1991 sind 16 Jahre vergangen und in dieser Zeit hatte er mit Glaser Enerprises & Logistics ein Logistikunternehmen für Spezialtransporte aufgebaut. Nun war der Verkauf der Firma kurz vor dem Abschluss und Nathaniel stand am Fenster seines Büros im zehnten Stock der Firmenzentrale, die sich in San Francisco befand. Von hier aus beobachtete er wie sich der Frühnebel über der Golden Gate Bridge langsam lichtete. Es war erst kurz nach sieben Uhr morgens aber Nathaniel war schon seit zwei Stunden wach. Er hatte die halbe Nacht an der Unternehmenspräsentation gearbeitet. Plötzlich klingelte sein Telefon auf seinem schwarzen Schreibtisch und nahm ab. „Mister Glaser, die Delegation der Canadian Logical Group ist gerade eingetroffen und wartet im Konferenzraum auf sie“, sagte seine Sekretärin Lena Kowalski. „Danke Lena, ich bin in fünf Minuten da. Bieten sie den Gentleman heißen Kaffee mit Gebäck an und verteilen sie die Infomappen“, erwiderte er und legte auf. Der alte Mann packte sein Notebook mit der Powerpoint-Präsentation seiner Firma unter den Arm und begab sich zum Konferenzraum gleich nebenan. Als er die Tür öffnete, begrüßte ihn duftender Kaffee und die drei Mann starke Delegation der kanadischen Beteiligungsgesellschaft Canadian Logical Group. Der schwarze Konferenztisch war der Form eines Hufeisens nachempfunden. Die Morgensonne schien durch das große Fenster hinein. Das ovale Ende bildete ein weißer Tisch und war Nathaniel vorbehalten.

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Schlösserland Sachsen: Krimiwettbewerb

Das Schlösserland Sachsen hat einen Krimiwettbewerb gestartet und lädt jeden Autoren/in ein, daran teilzunehmen und es winken folgende Preise:

1.Platz: 1.000 Euro
2.Platz:   300 Euro
3.Platz:   200 Euro

Der Einsendeschluss ist der 15.08.2008 und der Krimi darf maximal 15.000 Zeichen lang sein. Auf die ersten 50 Teilnehmer wartet zudem eine kleine aber feine Überraschung.

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Buchtipp: Die Virus-Waffe von James Barrington

Vor der Küste Griechenlands stürzt in den 1970er-Jahren ein Learjet mit einer geheimnisvollen aber gefährlichen Fracht an Bord aus mysteriösen Gründen ab. Dreißig Jahre später findet der griechische Hobbytaucher Aristides das Wrack des Jets und einen Koffer dessen Inhalt er mit Unterstützung seines Neffen öffnet. Es kommen Metallkapseln zum Vorschein von denen sie eine öffnen, dies war allerdings ein großer Fehler denn bereits 12 Stunden später sind sie tot. Die Ältesten im Dorf schlagen Alarm und sofort wird es abgesperrt, weil eine Epidemie ähnliche Ebola vermutet wird und welche den Tod der beiden Griechen verursacht haben könnte.

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Barens, Michael: Der Fall Elle Victa

Ein Bericht über ein Ereignis, das die Öffentlichkeit bewegt hat

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Wer im Glashaus steht, soll nicht mit Steinen werfen. Dessen ist sich der Verfasser dieses Berichts bewusst. Aus diesem Grund versichert er, dass die Informationen in diesem Dokument verlässlich sind und nicht nach herkömmlichen Pressemethoden recherchiert wurden. Der Verfasser behauptet jedoch nicht, er sei völlig ohne Sünde. Trotzdem will er den ersten Stein werfen, um seinem Gewissen etwas Erleichterung zu verschaffen und in der Hoffnung, dem einen oder anderen deutlich zu machen, wohin die Perversitäten der heutigen Presse führen können.
Der Verfasser dieses Berichts ist kein Jurist, und er will auch nicht verurteilen. Er will nur darauf hinweisen, dass die Presse neuerdings vehementen Gebrauch von Methoden macht, die gegen das Fernmeldegeheimnis verstoßen. Er will den öffentlichen Institutionen wie Post- und Telefongesellschaften aber keinesfalls unterstellen, dass sie der Presse bei ihren Perversitäten behilflich seien.

Die Nacktfotos der amerikanischen Schauspielerin Ms. Elle Victa, die in einem deutschen Boulevardblatt erschienen, waren Teil einer Kette von Ereignissen, über die in diesem Dokument berichtet werden soll. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Nacktfotos gefälscht waren, wie das Boulevardblatt absurderweise zu seiner Verteidigung behauptete. Aufgrund sicherer Informationen kann der Verfasser dieses Berichts jedoch mit ziemlicher Sicherheit diese Behauptung widerlegen. Es wurde vielmehr durch einen Reporter des Boulevardblattes das Briefgeheimnis verletzt. Dies geschah am 5. Juni 2110 auf eine Weise, auf die nun genauer eingegangen werden wird.
Der Reporter mit dem Namen Jens Schlickroh saß an besagtem Datum in seinem Arbeitsraum und „hörte die Briefe ab“, wie man es in Pressekreisen nennt. Er hatte seine „Zäpfchen“ an die privaten Postfächer zahlloser prominenter Persönlichkeiten angeschlossen. Vieles von dem, was er erhielt war unbrauchbar, z. B. ein Brief der deutschen Nachrichtensprecherin Petra Klas, in dem sie ihrem Mann Hermann Klas von der Entlausungskur ihres Hundes berichtete. Das gab nicht einmal einen Einspalter her. Interessanter war da schon die trauertriefende Nachricht über die Fehlgeburt des Kindes der Schauspielerin Romy Loseck. Wenn der Reporter nichts Sensationelleres gefunden hätte, wäre diese Story am nächsten Tag wohl der Aufmacher des Boulevardblattes gewesen. Doch Romy Loseck hatte das Glück, dass Jens Schlickroh etwas weitaus Sensationelleres fand und statt ihrer Tragödie am nächsten Tag, dem 6. Juni 2110, die Nacktfotos von Ms. Elle Victa der Aufmacher des Boulevardblattes waren. Diese Fotos hatte ein mit Ms. Victa befreundeter Fotograf der Schauspielerin vertraulich zugeschickt. Sie zeigten die beleibte, in die Jahre gekommene Schauspielerin, die sich in den Achtzigerjahren des vorigen Jahrhunderts als laszive Diva Ruhm und ein riesiges Vermögen erworben hatte, in obszönen Posen, die hier nicht genauer zu beschrieben werden brauchen, da sie der Allgemeinheit bekannt sind.

Die Fotos erschienen am 6. Juni auf der Titelseite des Boulevardblattes unter der reißerischen Überschrift: „Fette Diva in heißen Posen“. Mit Hilfe von „Wanzen“, die das Boulevardblatt mit Hilfe von Quantencomputern in den Umkreis der in Wyoming weilenden Ms. Victa transferierte, konnte die Reaktion der Schauspielerin von den Reportern des Blattes gehört und gesehen werden. Da dies natürlich illegal war, beabsichtigte man nicht, das Bild- und Tonmaterial, das die zunächst erschreckte und später aufgebrachte Ms. Victa zeigte, zu veröffentlichen. Auch die Nacktfotos hatte man erst nach gründlicher Absprache mit einem Rechtsanwalt veröffentlicht, der dem Boulevardblatt versicherte, dass die Hintertüren des Rechts in diesem Fall leicht zu durchschreiten seien.
Ms. Victa dagegen war offensichtlich schon bald der Meinung, dass ein Gerichtsprozess keine ausreichende Rache für die Schande, die das Boulevardblatt ihr zugefügt hatte, darstellen konnte. Schon am Erscheinungstag der Nacktfotos, nachdem ein Bekannter ihr von diesen Fotos berichtet und ihr das deutsche Boulevardblatt zugeschickt hatte, beschloss sie, gegen das Boulevardblatt vorzugehen. Und so nahmen die verhängnisvollen Ereignisse, von denen hier berichtet werden soll, ihren Lauf.

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Zunächst ist jedoch eine kurze Rückblende erforderlich, um Klarheit über die Beschaffenheit der Nacktfotos zu erhalten. An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass die nun folgenden Informationen größtenteils von Michael Petay stammen. An der Wahrheit seiner Aussagen kann indes kaum ein Zweifel bestehen.

Der Fotograf Michael Petay war überrascht, als er am 2. Juni 2110 den Brief von Elle Victa erhielt, in dem sie einen Termin für ein Fotoshooting vereinbaren wollte. Er hatte im letzten Jahrhundert mit ihr gearbeitet und konnte sich noch an die zahlreichen Fotoshootings mit ihr erinnern. Aber nun war die ehemals weltberühmte Diva alt geworden, auch unzählige Schönheitsoperationen hatten ihr betörendes Aussehen nicht zu konservieren vermocht. Irgendwann hatte sie mit den operativen Eingriffen Schluss gemacht. Die verwelkte Diva hatte Michael damals gesagt hatte, sie fühle sich wie eine fast leere Hülle aus Plastik und Silikon, die verschimmelte Organe und einen gequälten Geist umgab. Von dem Tag an, an dem sie mit den Schönheitsoperationen endgültig Schluss gemacht hatte, wurde sie immer fetter. Fast genauso groß wie ihre Fressgier war ihr Hunger nach Männern. Dies sorgte dafür, dass sie auch auf ihre alten Tage noch häufig auf den Titelseiten von Schmuddelblättern zu finden war.

Es ist angebracht, an dieser Stelle die Frage zu stellen, warum sie gegen diese Schmuddelblätter keinen Rachefeldzug führte, obwohl sie ihre Ehre sicherlich genauso durch den Dreck zogen wie das deutsche Boulevardblatt. Der Verfasser dieses Berichts hat guten Grund zu der Vermutung, dass dies mit dem Weg zusammenhängt, auf dem die durch das Boulevardblatt veröffentlichten Nacktfotos entstanden. Darüber soll nun berichtet werden.

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Heim, Wilhelm: Der Offizier und sein Mitbewohner

Er wollte Stefans Gesicht nicht mehr sehen, am liebsten hätte er es zu Brei geschlagen. Nicht nur vielleicht, sondern ganz bestimmt gab es in seinem Leben dann ein Problem weniger.
Er träumte davon Soldat zu sein. Alles wäre anders geworden.
Seine alte ausgewaschene rote Stoffjacke zeugte allerdings davon, daß er nie den Versuch unternommen hatte, in den Dienst an der Waffe zu treten. Dieser Versuch wäre aussichtslos gewesen, denn schon vor dem Wehrdienst hatte er sich feige gedrückt. Also blieb er trotz des Wunschdenkens auf dem Boden der Tatsachen: Er taugte nicht dafür, anderen Menschen Befehle zu geben. Zu krankheitsanfällig, zu sensibel für Probleme anderer, zu gutgläubig, zu freiheitsliebend. In seinen Gedanken bot ihm die Truppe ein Zuhause. Er empfing Befehle und gab Befehle. Alles ganz leicht. Keine Fragerei, kein Zweifel, nur Eindeutigkeit. Alles bis zur Bedingungslosigkeit. Aber im Zivilleben gibt es keine Befehle, da ist jeder für sich selbst verantwortlich.

Für ihn gab es im Zivilleben zu viele Situationen, in denen er nur einsteckte, nie das Maul aufmachte, nie sich gegen Ungerechtigkeiten wehrte, obwohl er das Recht dazu besaß. Er schluckte jede Kleinigkeit, sein Lebenslauf ging bei jeder Gelegenheit in die Knie. Das Leben anderer verlief stets auf seine Kosten.

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