Für ein Tag Millionärin
Jul 8, 2009 Kurzgeschichten
Nach ihrer dreijährigen Berufsausbildung zur Hauswirtschafterin bewarb sich Nadine bei vielen Restaurants, Gasthöfen und Kneipen um einen Job. Doch nachdem sie fast vierhundert Bewerbungen geschrieben hatte, gab sie auf und somit noch weniger Geld da nun Hartz IV ins Haus stand.
Das Arbeitslosengeld II hatte das Arbeitsamt bereits vor zwei Tagen bewilligt, allerdings musste Nadine laut Bescheid nun mit 384,32 Euro statt 478,69 Euro auskommen aber auch mit diesem weniger an Geld würde Sie zurechtkommen.
Heute war der 2.Januar und Nadine rechnete damit dass das ALG II bereits auf ihr Konto überwiesen worden war.
Kurz nach 8 Uhr stand Nadine auf, aß eine Schale Cornflakes mit Apfelstückchen und trank wie jeden Morgen eine Tasse Pfefferminztee mit einem ordentlichen Schuss Honig. Eine gute halbe Stunde später verließ die junge Frau mit einer Handtasche in den Händen ihre kleine Hamburger Wohnung und fuhr mit ihren alten halb verrosteten roten Fiat Panda zur ihrer Hausbank, einer Sparkasse.
In der Innenstadt war zu dieser Zeit viel los, die Leute machten ihre letzten Einkäufe für das bevorstehende Weihnachtsfest. Nadine musste aufpassen dass sie bei ihrem typisch schnellen Fahrtempo keinen Unfall verursachte. [Mehr... »]
Schorr, Robert: Die Dunkelheit
Sep 28, 2008 Kurzgeschichten
Das Verlies, Verschlungen von der Dunkelheit, Was bin ich?
Es war dunkel um mich herum, als ich mit schrecklichen Schmerzen auf hartem Steinboden erwachte. Ich wartete, bis sich meine Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten und sah, dass ich mich in einer Art Gefängnis befand. Verwirrt durch die ohnehin sehr seltsame Situation, fiel mir erst gar nicht auf, dass ich mich überhaupt nicht daran erinnern konnte wo und überhaupt, dass ich eingeschlafen war. Ich stand auf und drehte mich einmal um die eigene Achse. Der Raum war komplett aus Steinen erbaut worden und hatte wie es mir schien keine Decke, denn dort wo diese hätte seien sollen war nichts als endlose Dunkelheit. Nicht weniger verwirrend war, dass der Raum keine Ein- und Ausgänge hatte und so fragte ich mich, wie ich hierher gekommen sei. Auf einmal stieg mir ein modriger, beißender Geruch in die Nase und als ich mich umschaute sah ich, dass hinter mir eine halbverweste Leiche lag. Von diesem Anblick wurde mir übel, doch ich musste mich, zu meinem Glück, nicht übergeben. Ich dachte einen schrecklichen Moment lang daran, dass auch ich als Leiche enden könnte, doch dann fiel mir auf, dass sich hinter mir ein Durchgang geöffnet hatte. Ich wusste nicht wo dieser herkam und wohin er führte, aber ich ging hinein und verschwand in der Dunkelheit.
Ich lief durch die Dunkelheit. Sie umhüllte mich. Ich konnte nichts sehen und ich hörte nur das Geräusch meiner unbeschuhten Füße, die auf dem Boden aufkamen. Tap, Tap, Tap. Mein Atem ging schwer, denn es war kaum Luft vorhanden in dem Dunkel in dem ich mich befand. Mir wurde klar, dass ich nicht mehr lange überleben konnte, wenn nicht bald ein Ausgang oder etwas Ähnliches auftauchte.
Ich schleppte mich weiter, doch langsam ging mir die Luft aus. Ich brach zusammen und die Dunkelheit verschlang mich.
Ich wachte auf. Im ersten Moment dachte ich, dass ich tot sei, doch ich lag, zu meiner Verwunderung, immer noch in derselben Dunkelheit. Doch diesmal war ein Luftzug zu spüren, zart strich er mir über mein Gesicht. Doch woher kam dieser Luftzug auf einmal, wo ich doch wegen fehlender Luft zusammen gebrochen war? Und nun drängte sich mir auch wieder die Frage auf, wie ich überhaupt hierhergekommen war. Doch da mir darauf wahrscheinlich keine plausible Lösung einfallen würde, lies ich diesen Gedanken wieder fallen. Ich stand auf und ging in die Richtung, aus der der Luftzug gekommen war. Nach einer Weile fiel mir auf, dass ich keinerlei Hunger oder sonstige Bedürfnisse verspürte. Es war unheimlich, denn ich fing an zu rennen und selbst nach, geschätzten 2 Stunden anhaltendem Rennens, verspürte ich keinerlei Erschöpfung. War ich überhaupt noch ein Mensch? Oder hatte mich die Dunkelheit zu ihrem Sklaven gemacht? Existierte ich überhaupt noch? Hatte ich überhaupt noch eine körperliche Gestalt oder war ich nur noch ein Astralwesen? Es war ein seltsames Gefühl, doch die Dunkelheit verschwieg die Antworten auf diese Fragen.
Frohe Ostern & Schreibtipp
Mrz 22, 2008 Allgemein, Kurzgeschichten, Literatur-News
Ich wünsche allen Autoren & Autorinnen und Besuchern/innen ein frohes und gesegnetes Osterfest. Das Frühjahr läßt noch auf sich warten aber in der kommenden Woche soll es ja wieder wärmer werden. Ganz unabhängig vom Wetter kann man immer kreativ sein und an einer neuen Geschichte schreiben wobei einem die Schreibtechnik Clustering sehr hilfreich ist.
Beim Clustering wird ein Hauptwort (z.B. Schnee) gewählt, auf ein Blatt Papier geschrieben, eingekreist und dann rundherum spontan weitere Wörter geschrieben die einem gerade durch den Kopf gehen. Es sollte dabei ein Zeitlimit von 15 Minuten pro “Clustering-Einheit” (Hauptwort) gesetzt werden, damit die Begriffe nicht Überhand nehmen denn sonst könnte dies schnell unübersichtlich werden.
Ein Stundenglas ist beim Clustering eine wunderbare Unterstützung, denn bei der Beobachtung des durch die Sanduhr rieselnden Sandes wird man innerlich ruhig und kann sich dem Schreiben widmen. [Mehr... »]
Dähling, Witburg: Die Zeit
Nov 20, 2007 Kurzgeschichten
Bleib doch stehen – Pendel der Uhr – Zeiger haltet still – setzt euren Weg in die immer wiederkehrende Runde nicht fort. Wehmut überkommt mich oft beim Nachdenken, angesichts der Flüchtigkeit all dieser Gedanken und Erlebnisse. Die Tage, die zu schnell dahinfliegen. Ach wie gerne möchte man das Schöne länger genießen, wie wenig oder doch so viel könnten wir daraus erfahren, wenn wir uns nur mehr die Kostbarkeit unserer Zeit bewusst wären. Uns umsehen im weiten Reich der Gedanken, im großen Bildersaal der Schönheiten hier auf Erden. [Mehr... »]
Miller, Sina: Der Tag und ich
Sep 19, 2007 Kurzgeschichten
Wenn ich morgens aufsteh hab ich keinen Bock auf irgend etwas nicht einmal auf Schwartau Extra.
Mein Bett war so kuschlig so warm,
es ruft unentwegt nach mir.
Doch der Alltag ruft mich ebenso, gnadenlos.
Nichts schöner wär jetzt als den Tag zu vergessen,
mich ins Bettchen zu legen und noch einmal nachzudenken.
Über das was ich will, über das was ich möchte.
Vielleicht sogar einen Tag mit dir.
Doch die Zeit drängt und ich weiß nicht wohin.
Ich machte mich fertig und dachte nicht daran was noch vor mir lag.
Ich dachte nicht an den Bus der abfahren sollte.
Ich dachte an nichts nicht einmal mehr an mich.
Die Stullen fertig zu schmieren, den letzten Tropfen Tee zu genießen, doch als ich auf die Uhr dann sah hing der Tee in meinem Hals, meine Augen wurden richtig groß. Für einen Augenblick blitzten meine Augen auf und wurden richtig starr.
Noch fünf Minuten bis mein Bus abfährt.
Noch fünf Minuten bis die Zeit anhält.
Noch fünf Minuten und ich habe den Bus geschafft.
Zum Glück konnte ich mich heute überwinden.
Zum Glück konnte ich mich zu diesem Entschluß durchringen.
Es bringt mir nichts zu Hause zu bleiben.
Es ist nun mal der Tag und ich.
© 10/2000 Sina Miller

