Withau, Rosi: Herzbruch durch Tierliebe

Gerda lief tränenüberströmt durch den Wald. Sie wollte einfach nicht glauben, dass sie ihren geliebten Hund fortgeben mußte. Traurig schaute sie auf ihren Harras hinunter. Harras stand vor ihr und blickte ebenfalls zu ihr hinauf. So als wollte er sagen, ich verstehe dich, gib mich aber bitte trotzdem nicht fort. Die beiden liefen noch sehr lange durch den Wald. Als sie nach Hause kamen, setzte schon die Dämmerung ein. Gerda konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen. Warum gerade ich? Warum muß gerade ich meinen Hund abgeben? Nur weil ich arm bin? Sollen die doch ihre Hunde abgeben, die wirklichen Ärger machen. Mein Harras hört doch überhaupt keiner hier im Haus. Ich werde mich beim Mieterbund erkundigen, ob Herr Stöckel überhaupt das Recht hat, von mir zu verlangen, meinen Hund abzugeben.

[Mehr... »]

Jankowski, Susan: Partner

Dave erwacht in der Klinik. Er kann sich an nichts erinnern, weiß nichts mehr von einem Unfall. Er sieht eine junge Krankenschwester neben seinem Bett sitzen und fragt völlig verwirrt „was mache ich hier? Ich erinnere mich an nichts“.

[Mehr... »]

Sartory, Lisa: Der nächste Mann

„Beim nächsten Mann wird alles anders“ – was für eine brave und naive Wunschvor­stel­lung. Was soll schon anders werden beim nächsten Mann, wenn wir nicht endlich lernen, bereits bei der Auswahl des „Nächsten“ genau so wählerisch zu sein, wie wir es beim Kauf eines neuen Pullis schon längst sind.

[Mehr... »]

Lawrence, Marven: Ins Netz gegangen

Meine Sonne, habe ich dich verloren? Ich kann dich nicht mehr finden, habe den Kontakt zu dir verloren. Wo bist du?
Undurchschaubare Welt des World Wide Web. Virtual Reality, nicht greifbar. Dennoch vergeht kein Tag, an dem ich nicht nach dir suche. Schalte ungeduldig den Computer an, klicke in die Mailbox. Wieder nichts. „Keine neue Post.“
Nie hätte ich es für möglich gehalten, dass in einer @-Mail-Adresse Magie stecken könnte. Deine besaß Zauberstaub.

Vom ersten Moment an fesselten mich deine Worte, die Art und Weise, wie du zu mir schriebst. Ich besaß ein Faible für ausgefallene Namen. Bjarne. Du erwecktest meine Neugierde, berührtest meine Seele. Dabei warst du ein Fremder. Ich suchte nach Gründen, um den Kontakt zu dir zu halten und es gelang mir dein Interesse zu wecken, warum auch immer. Vielleicht hast du auf mich gewartet?

[Mehr... »]

Heim, Wilhelm: Bibliotheks-Sonntag

Es war einmal ein Bibliotheks-Sonntag. Schon der dritte hintereinander. Der Lesesaal ist relativ leer und wenn man sich nicht unbedingt auf seinen Text konzentrieren muß, ist es unheimlich langweilig.
Beim ersten Mal schleppte ich mich am Sonntag dorthin, weil es zu Hause arschkalt war und es sich nicht lohnte den Kohleofen zu heizen. Wenn allerdings schon die Samstage kalt werden, ist sonntags in der Bibliothek nicht viel zu tun. Da es zu den natürlichen Prinzipien des Menschen gehört, sich nicht als ein Randgruppenzugehöriger zu outen und aufzufallen, ist man am besten beraten, einige Regeln des Sonntagsklubs zu beachten. Man sollte nicht allzu gelangweilt in der Gegend herum schauen, sondern ab und an ganz aufmerksam und konzentriert einige Seiten umblättern und dabei hartnäckig die Nachdenk-Gesichts-Mimik zelebrieren: Grimmiges Kopfschütteln, zustimmendes Nicken, Stirnrunzeln und nicht zuletzt das Lippenkneten, um die höchste Konzentrationsstufe zu demonstrieren. Hier und da ist dann auch mal ein schnaubendes Luftablassen, bei dem man sich zurücklehnt und desinteressiert aus dem Fenster schaut, erforderlich. Und genau in diesem Moment erhascht man dann den verbotenen Blick über die übrigen Mitstreiter, über diejenigen, die sich ebenfalls an diesem zweiten Adventssonntag in der Bibliothek tummeln. Furchtbar langweilige Typen, sitzen am Sonntag nur deshalb hier, weil sie keine Freunde haben, mit denen sie nachmittags ins Café gehen können.

[Mehr... »]