Linder, Simone: Vampirherz

„Tamara, nun komm endlich. Wenn du noch länger im Bad bleibst, brauchen wir gar nicht mehr losfahren.“ Ihre Freundin Jenny war sehr ungeduldig aber immerhin war es das erste Mal, dass Tamara in eine Discothek ging. Sie war, zwar schon zwanzig Jahre alt aber sie war noch nie ein Partytyp. Doch Jenny bettelte so lange, bis sie entnervt ihr Einverständnis gab. Nun stand sie im Bad und versuchte, sich zu stylen.

[Mehr... »]

Harry Potter Autorin ist Topverdienerin

Die erfolgreiche britische Romanautorin Joanne K. Rowling, die mit ihrer Fantasyreihe “Harry Potter” zur Millionärin wurde ist sie nach der aktuellen Liste des US-Magazins “Forbes” die Topverdienern unter den zehn am besten bezahlten Schriftstellern der Welt. Der Jahresverdienst beläuft sich auf rund 300 Millionen US-Dollar und dies allein nicht nur durch den Buchverkauf sondern profitiert auch von den Kinoeinnahmen und Fanartikeln rund um ihren Zauberlehrling Harry Potter.

[Mehr... »]

Eilts, Hinrich: Bogenbande (Teil 2) – Der Seidenrock

Bogenbande (Teil 2) – Der Seidenrock

Namensliste:

Anna: eine Barbarin, die zaubern kann

Meri: Annas beste Freundin

Lykos: Annas bester Freund

Kira: eine verschollene Zauberin

Asalia: Annas Adoptivmutter

Bibi: Eine Erzmagierin

Beranor: Ein Erzmagier

Maskun: ein fahrender Händler

Pelon: ein Zwischenhändler in Lut Gholein

Sinsa: eine Assasine

Hospenus und Cantala: Wirt und Wirtin in Lut Gholein

Lisawa: die kleine Tochter von Hospenus und Cantala

Karon: ein Krieger

Rel-Arum: ein Assassine

Sal-Luna: eine Assassinenvorsteherin

Salcia: eine Assassine

Daskos: einer von Sinsas Kunden

Magcapis: Hauptsiedlung der Zauberer

Pratlein: eine Dorf in Land der Zauberer

Kalkana: eine Stadt im Land der Assassinen

In der Hauptsiedlung der Zauberinnen an einem schönen Sommertag
Sie standen in einer Reihe da, vierzehn junge Frauen und warteten mit klopfendem Herzen darauf das es losging. Sie standen im Abstand von etwa zwei Armspannen auf einer nur leicht erhöhten Bühne, und vor ihnen, etwa 10 Meter entfernt, saßen viele Zauberinnen in dichten Stuhlreihen. Die breite Schneise zwischen den vierzehn Frauen und den Zuschauerrinnen wurde am einen Ende von zwei mächtigen Eingangstüren begrenzt, am anderen Ende stand das Rednerpult. Das Pult war aus Kirschenholz gefertigt und trug keinerlei Verzierungen, es war auch nicht erhöht, denn hier ging es um die vierzehn Frauen, nicht um eine Rede.

Die Halle hatten außer dem zweiflügeligen Tor und einer kleinen und fast schon versteckten Tür hinter dem Rednerpult keinerlei Öffnungen in den Wänden, das Licht fiel stattdessen durch das Dach, an einem Tag wie heute wurde der Innenraum warm und hell durchströmt. Diese Halle wurde von einem gewaltigen Bau beherbergt, dem größten in der ganzen Stadt und sogar im Land. Er war sowohl von außen wie auch von innen von jener schwer zu beschreibenden Architektur die so typisch für dieses Volk war: schlicht, elegant und ästhetisch.

Zweimal im Jahr fand diese Zeremonie in den großen Siedlungen statt, je einmal für Frauen und einmal für Männer, ihr Ablauf war eines der großen Geheimnisse dieses Volkes, denn es war das Promissum.

Für Anna bedeutete dieser Tag unendlich viel, sie fühlte sich immer noch ein wenig als Außenseiter und diese Zeremonie, so hoffte sie, würde das endgültig beenden. Schade nur das Meri und Lykos nicht dabei waren, Meri war erst in zwei Jahren soweit und Lykos würde in einem Jahr seine Feier haben. Sie waren all die Jahre Freunde geblieben, doch jetzt erreichte Annas Leben einen neuen Abschnitt, der vielleicht tiefste Schnitt im Leben eines Menschen stand ihr bevor, nämlich die Kindheit zu beenden und das Elternhaus zu verlassen um entweder hier im Lande oder aber in der Fremde als Erwachsene anzufangen. Sie fühlte Wehmut in sich aufsteigen, doch sie hatte die Hoffnung das wenigstens Meri und Lykos ihr nachfolgen würden, auch wenn Lykos das nur eingeschränkt könnte.

Anna spürte an ihrer linken Seite die Hitze des Feuerbeckens, sie war ihm wohl in ihrer Grübelei etwas zu nahe gekommen. Sie hob ihren Blick auf von dem kleinen Bündel Kleidung vor ihren Füßen, ein kleines Lächeln umspielte ihren Mund als daran dachte woher es stammte, und wandte ihre Aufmerksamkeit auf das Rednerpult zu, sie hatte überhaupt nicht bemerkt wie die Rednerin es besetzt hatte, es war die Erzmagierin Bibi.

*

Etwa zur gleichen Zeit in einer der vielen kleinen Siedlungen der Zauberer
Der Händler war ein wenig enttäuscht, so schlechte Geschäfte hatte er schon lange nicht mehr gemacht, so würde er kaum die Kosten für die Reise erwirtschaften können. Dabei hatte er ein so gutes Sortiment, für jeden etwas, doch entweder waren die Menschen hier zu geizig oder zu arm. Jetzt stand er mit seinem Wagen und dem Verkaufstisch hier in dieser kleinen Siedlung in der Sonne und wartete auf den Abend, hoffentlich fände er dann ein Gasthaus mit ordentlichem Essen und Bier.

Er sah sie kommen, da kam wieder eine von diesen Frauen an, eine die nur in den Sachen rumwühlten und am Ende nichts kauften würde. Er seufzte. Nun, vielleicht könnte er wenigstens etwas mit ihr Plaudern, langsam wurde ihm langweilig. Als sie auf zwei Meter heran war erfasste er sie mit seinem geschäftsgeübten Blick. Sie war schon etwas älter, so um vierzig schätzte er, aber immer noch recht attraktiv, mittelgroß und schlank. Am meisten aber beeindruckte ihn die gepflegte Erscheinung, das erkannte er so richtig als sie den Tisch erreichte. Ihre Sachen waren zwar abgetragen und teilweise geflickt, doch alles passte gut, es war sauber und ihr langes schwarzes Haar kräuselte sich sanft im leichten Wind.

„Suchen Madame etwas bestimmtes? Ich habe noch mehr im Wagen.“ Die Frau sah ihn lächelnd an. Der Händler hatte eine gute Menschenkenntnis und erkannte sofort das da nicht viel zu holen war, aber versuchen konnte er es ja. Es gab ja sonst nichts zu tun. „Ich habe Waffen aus bestem Stahl, Rüstungen aus geschmeidigem Leder oder Ketten, Stiefel, Helme, Werkzeuge und noch mehr. Alles fast geschenkt.“ Sie schüttelte bedauernd den Kopf. „Habt ihr auch Stoffe? Ich würde mir gerne neue Kleider nähen.“ „Stoffe? Hm, leider nein, die bringen keinen richtigen Profit.“ Er seufzte, diese Frau hatte wohl wirklich kein Geld. „Hm, ich habe nur einige gebrauchte Kleider, vielleicht passt euch etwas. Ist aber nur etwas für den schmalen Geldbeutel.“ Die Frau sah ihn entschuldigend an. „Bitte zeigt es mir, ich habe nicht viel Geld. Etwas für meine Figur“, sie drehte sich elegant einmal um ihre Achse. „Wie macht ihr das nur?“ rutschte dem Händler raus. „Wie bitte?“ Er wurde etwas verlegen. „Nun, äh, so schlank zu bleiben, sie und überhaupt das ganze Volk hier, falls ich das fragen darf.“ Sie lachte. „Oh danke, das ist kein Geheimnis. Wir essen hauptsächlich Gemüse, nur wenig Fleisch und kaum Süßwaren.“ „Schade, das schmeckt mir nicht so. Aber danke für den Tipp. Wartet bitte, ich hole eben die Kiste mit den Sachen aus dem Wagen.“

Schnaufend schleppte er eine große Kiste aus seinem Wagen herbei, stellte sie auf den Verkaufstisch und klappte sie auf. „Das sind alles Sachen von eurem Volk. Ist leider nicht weiter sortiert, aber ihr könnt alles anschauen. Nur zu.“ Die Frau blickte skeptisch in die Kiste, in ihrem Inneren war ein heilloses Durcheinander. Vorsichtig fing sie an zu suchen. „Ich glaube das fast alles aus Leinen oder Baumwolle ist, das bevorzugt ihr doch, oder?“ Sie sah kurz auf. „Ja, andere Stoffe sind zu wertvoll für den Alltag.“ „Schade das ihr so arm seid, feinere Stoffe würden ihnen bestimmt gut stehen.“ „Oh, danke für das Kompliment, doch mein Mann sagt immer mir würde einfach alles stehen.“ Sie lächelte etwas. „Nun, Geld habe ich nicht viel, aber ich bin reich.“ „Wie bitte?“ Ihr Lächeln vertiefte sich. „Ja, ich habe einen guten Ehemann und eine gesunde Tochter. Was sollte ich mir mehr wünschen?“

*

Die Erzmagierin war eine große schlanke Frau mit strengem und ernstem Blick, der noch durch ihre ungewöhnliche Haartracht unterstrichen wurde, denn sie trug es nicht wie üblich lang und offen, sondern hatte es auf ihrem Hinterkopf zu einem kleinen Knoten gebunden. Doch es war allgemein bekannt das sich hinter ihrem abweisenden Äußeren ein warmherziger Mensch verbarg, sie war sie extra von der Schule im Grenzgebiet in ihre Heimatstatt hergeeilt um die Zeremonie zu leiten, denn leider war ihre Kollegin, die Erzzauberin Milasi, kurzfristig erkrankt.

„Wir haben uns heute hier versammelt um vierzehn junge Frauen aus ihrer Kindheit zu verabschieden und als vollwertige Mitglieder in unsere erwachsene Gemeinschaft der aktiven Zauberinnen aufzunehmen.“ Sie sah noch ernster als sonst zu den Frauen rüber. „Das ist nicht nur eine Feier und schon gar nicht ein Spaß, das ist hoffentlich allen klar. Habt ihr diesen Schritt einmal vollzogen so gibt es kein Zurück mehr, und ein Bruch eurer Versprechungen würde sehr ernste Konsequenzen nach sich ziehen. Daher ist das hier freiwillig, wer nicht bereit ist kann gehen, das wäre keine Schande, diejenige darf dann aber nicht außerhalb unseres Landes irgendwelche Zauber nutzen. Die vier Erzzauberer garantieren dafür, das damit keinerlei sonstige Beschränkungen oder gar Repressalien verbunden wären, ihr würdet also vollwertige Mitglieder unseres Volkes werden, aber keine aktiven Zauberinnen. Also, wer möchte kann jetzt noch gehen.“

Anna fand Bibis Worte als angenehm direkt, Pathos war nicht ihr Geschmack. Nur eines wunderte sie, wozu gab es das Promissum für Jungen, denn von männlichen Zauberern im Ausland hatte sie noch nie was gehört. Bibi sprach weiter. „Gut. Ihr werdet jetzt zuerst von eurem alten Leben, von der Kindheit, Abschied nehmen. Zieht alle eure Sachen aus und legt sie in das Feuer links von euch.“ Sie machte eine kurze Pause. „Bitte werft die Sachen nicht, denn ihr sollt nicht meinen das ihr eure Kindheit wegwerfen sollt, im Gegenteil, erinnert euch immer an sie.“ Anna zog sich ebenso wie die dreizehn anderen aus. Es kostete sie etwas Überwindung sich vor so vielen Menschen zu entblößen, doch die eigentümliche Atmosphäre und die recht große Entfernung zu den Zuschauern ließ keine unangenehme Scham aufkommen. Es war auch mehr der wieder aufkommende Trennungsschmerz der sie traf als sie ihre geliebten Sachen im Feuer auflodern und vergehen sah, sie glaubte die Freundschaft zu Meri und Lykos würden hier verbrennen.

Als sie alle fertig waren sprach Bibi weiter. „Jetzt wascht euch vollständig in den Wasserbecken rechts von euch von den Zehen bis zu den Haaren, trocknet euch mit dem Handtuch, das vor euch liegt, ab und wartet dann.“ Das Waschen dauerte etwas da sie die gesamte Zeremonie sehr ernst nahmen und sie daher gründlich vorgingen. Das Wasser war eiskalt, doch niemand ließ sich etwas anmerken. Annas Handtuch war etwas rau denn es stammte von Basilos, das Abreiben damit wärmte sie etwas auf, anschließend stellte sie sich etwas näher an ihr Feuer um gänzlich abzutrocknen und sich weiter aufzuwärmen. Doch bei alldem wandte sie sich stets den Gästen und der Erzzauberin zu um ihren Respekt zu zeigen.

*

Die Zauberin hatte bereits zwei Teile gefunden, einen blauen Rock und ein schwarzes Oberteil. Einen zweiten Satz könnte sie noch gebrauchen, Socken und Unterzeug auch, also wühlte sie weiter in der Kiste. Doch was war das, hatte der Händler beim Vorsortieren etwas durcheinander gebracht? Ihre Fingerspitzen hatten einen glatten Stoff berührt. Sie kramte neugierig danach, fand ihn wieder und zog das Teil hervor. „Das gibt es doch gar nicht!“ entfuhr es ihr überrascht. Der Händler wurde aufmerksam. „Ja, da sind auch einige wenige Teile aus Seide dabei, die sind natürlich teurer, doch weil ihr es seid verlange ich nur das doppelte.“ Die Zauberin sah ihn merkwürdig an, er fragte verunsichert „Das ist wirklich billig für diesen Stoff, glaubt mir.“ „Nein, nein, aber dieser Rock hier“, sie hielt ihn vorsichtig hoch, „er ist aus schwarzer Seide mit silberfarbener Borde. Wo habt ihr den her?“ „Hm, kann ich jetzt so aus dem Stehgreif nicht sagen, aber warum wollt ihr das wissen? Was ist so besonderes daran?“

*

Es war nur noch ihr langes Haar etwas feucht als Bibi wieder fortfuhr. „Jetzt könnt ihr euch anziehen, zum ersten mal die Kleidung einer Zauberin. Nehmt zuerst den Rock.“ Anna nahm den schwarzen Rock mit den silbernen Borden auf, schlang ihn um ihren Leib und schloss beide Knöpfe. Es war ein komisches Gefühl, er war aus Seide und dieser kostbare Stoff wurde nur für diesen ersten Rock verwendet, sie spürte ihn daher zum ersten mal auf der Haut. Er war ein Geschenk von Meris Eltern, das war einerseits nichts ungewöhnliches da es Brauch war sich diesen ersten Kleidungssatz gegenseitig zu schenken, doch in ihrem Fall war es etwas Besonderes, hatte sie doch so lange gebraucht ihre Ablehnung, ihren Ruf des schlechten Umgangs, des rohen Barbarenkindes, zu überwinden. Inzwischen waren ihre Familien tief befreundet.

„Promissum ist ein Wort aus unserer alten Sprache und bedeutet ein Versprechen. Es soll euer Versprechen sein unser Volk würdig zu vertreten. Die drei Kleidungsstücke stehen dabei für jeweils einen Teil des Versprechens. Der Rock steht für das erste Versprechen: Nie dem Neid oder der Gier zu verfallen. Wozu mehr haben wollen als man wirklich benötigt?“ Sie machte eine Pause und wartete bis alle ihren Rock fertig angelegt hatten.

„Jetzt das Oberteil. Es steht für euer zweites Versprechen: Lasst nie Hass in eure Herzen. Hass ist immer ein schlechter Ratgeber.“ Anna nahm das grüne Oberteil mit dem schwarzen Rand auf, es stammte von Lykos Eltern und war ebenfalls aus Seide. Auch bei Lykos Eltern waren die früheren Vorbehalte einer innigen Freundschaft gewichen. Anna erinnerte sich kurz daran wie Lykos Mutter damals darauf bestand ihr zu zeigen wie man das Oberteil richtig anlegt, ebenso wie der Rock handelte es ich um ein speziell zugeschnittenes Tuch, doch es richtig zu tragen war eine Kunst.

„Zuletzt die Schuhe, sie symbolisieren das dritte und letzte Versprechen: Nicht glauben, sondern wissen sollt ihr. Das soll euer Schutz vor jenen sein, die eure Kräfte missbrauchen wollen.“ Annas Schuhe waren aus weichem Leder mit einer widerstandsfähigen Sohle, dazu Socken aus Baumwolle. Alles stammte von zwei alten Freunden, Sonkon und Isilde. Sie waren beide keine Zauberer, doch mit ihren Taten in der Vergangenheit hatten sie sich die Freundschaft der Zauberer verdient, und da sie damals Anna aus dem Barbarenland hierher brachten standen sie in einer besonderen Beziehung zu ihr.

Bibi lächelte zum ersten mal. „Das war es auch schon, Zauberinnen. Irgendwelche langen Reden erspare ich uns, ich denke ihr wisst alle von selbst was richtig und was falsch ist. Falls ihr dennoch mal im Zweifel seid oder in Not geratet, materiell oder seelisch, könnt ihr euch jederzeit an mich oder einen der anderen drei Erzzauberer wenden. Ich wünsche euch Glück.“

*

[Mehr... »]

Eilts, Hinrich: Bogenbande (Teil 1) – Exkursion zum Kloster

Namensliste:

Anna: eine halbwüchsige Barbarin

Meri: Annas beste Freundin

Lykos: Annas bester Freund

Asalia: Annas Adoptivmutter

Beranor: Ein Erzmagier

Vorsichtig kroch sie durch das hohe Gras. Es war zwar schon später Nachmittag, doch der Boden war von der Sommersonne noch stark erhitzt und kein Windhauch brachte Kühlung. Nur kein Geräusch, nur keine verräterische Bewegung machen! Das war schwer, sie keuchte vor Anstrengung und die Kleidung klebte vor Schweiß an ihr, jedoch sie spürte es nicht, im Gegenteil, noch nie war sie so gefangen gewesen vor Konzentration, noch nie hatte sie so viel Lebenslust verspürt. Langsam robbte sie weiter, verfing sich an einer Bodenranke, deren Stacheln ihr in den rechten Unterarm fuhren. Der feine Schmerz warnte sie, hätte sie sich losgerissen so hätte das umgebende Gewächs bestimmt geschwankt, so aber griff sie stumm zu, zog langsam die Stacheln aus der Haut und ließ die Ranke vorsichtig frei. Geschickt kroch sie weiter, erreichte den Busch hinter dem sie ihre Beute wusste. Hier legte sie sich kurz flach auf den Bauch, erholte sich tief atmend von der Anstrengung, dann streckte sie Kopf und Arme hoch, teilte langsam die Zweige und spähte hindurch. Ja, da war es! Anna griff links neben sich wo sie ihren Bogen abgelegt hatte und wollte anlegen, doch das ging im Liegen nicht, also rollte sie sich auf die Seite, zog die Beine an und rollte sich mit dem rechten Ellenbogen abstoßend wieder zurück, so kam sie lautlos auf die Knie. Sie wechselte den Bogen in die rechte Hand, fingerte einen Pfeil aus dem Köcher an ihrem linken Bein und legte ihn an.

Anna richtete ihren Oberkörper gerade, streckte den Bogenarm durch, wobei sie darauf achtete das die Zweige nicht im Weg waren, dann fixierte sie den Hasen der immer noch nichts bemerkt hatte und friedlich graste. Mit einem kraftvollen Zug spannte sie die Waffe, peilte über das Korn ihre Beute an. Sie war ein guter Schütze, auf die Entfernung, es waren knapp 20 Meter, konnte sie das Ziel nicht verfehlen. Doch unvermutet fing sie an zu zittern, das wackelnde Korn zerbrach ihre Konzentration, plötzlich fühlte sie wie ihr das Herz bis zum Hals schlug. Ein noch nie da gewesenes Gefühl war in ihr, sie konnte es nicht einordnen. Sie zögerte verwundert über sich einige Sekunden lang, da hielt der Hase beim Grasen inne, spitzte die Ohren. Ein leises Knacksen erklang hinter Annas Rücken, der Hase sprang weg und Anna ließ die Bogensehne los, der Pfeil sauste ins Leere davon.

„Oh, bitte warte doch. Hast du getroffen?“ Anna wirbelte zornig herum. „Nein, du Blödmann hast ihn verjagt! Trampelst hier rum! Kannst du denn nicht bei Meri bleiben und warten?“ Lykos sah zerknirscht aus. „Das wollte ich nicht, ich wollte doch nur zusehen wie du das machst, ich kann doch nicht richtig schießen.“ „Ja, Jungens können das nicht, ihr seid halt zu blöd!“ „He, ich bin nicht blöd! Und Meri kann auch nicht schießen!“ Annas Zorn verrauchte ebenso schnell wie er gekommen war. „Ach komm, lass uns mal nach Meri sehen. Wo bleibt die denn wieder?“ Lykos zog an Annas Ärmel. „Komm, Meri hat schon das Feuer gemacht, ich habe ihr dabei geholfen, du wirst staunen. Braten wir halt was anderes, haben ja genug dabei.“ Zusammen rannten beide zurück zum Lagerplatz, der kurze Streit war völlig vergessen.

Der Beranor zog sich in sein Versteck zurück, er wusste nicht was er von dem letzten Ereignis genau halten sollte. Die Entfernung war zu großgewesen um die Details mitzubekommen, er konnte nur sehen wie Anna schießen wollte, verfehlte und kurz zornig über ihren Freund war, sich aber schnell versöhnte. Im übrigen behagte in die Rolle in die er gedrängt worden war überhaupt nicht. Natürlich war es nichts schlechtes heimlich aufzupassen damit den Kindern nichts ernsthaftes passieren könnte, doch das war nur die halbe Wahrheit. Nebenbei sollte er sie, Anna, noch beobachten, besser ausspionieren, wie sie sich benahm. Das fand er so schmutzig. Er verstand ja die Ängste der Eltern von Lykos und Meri, die in Anna vor allem einen schlechten Umgang sahen, die glaubten das Anna ein gewalttätiger Mensch wäre die ihre Kinder verderben würde. Sie war schließlich eine Barbarin. Seine Gedanken kehrten zurück, zurück zu jenem Abend an dem er sich in die Sache eingemischt hatte.

„Bitte, bitte, ich wünsche es mir so sehr! Und meine Freunde auch!“ Bittend sah Anna ihre Mutter an. Asalia war nicht ihre leibliche Mutter, aber sie hatte sie damals adoptiert und es war kein Unterschied, für beide nicht. Ein Unterschied hingegen war Annas Charakter, offensichtlich hatte die Umgebung ihrer frühen Kindheit sie stärker geprägt als Asalia lieb war, dazu kam noch das mit wachsendem Alter ihre Fremdartigkeit immer deutlicher wurde. Ihre Freunde konnten zaubern, sie nicht. Was am Anfang mehr Zauberkunststückchen kleiner Kinder waren, das wurde bei Halbwüchsigen mehr und mehr zu beeindruckenden Kräften, sie konnten damit ein Feuer entfachen, Gegenstände bewegen ohne sie zu berühren, sogar sich selbst teleportieren.Und Anna? Sie wurde so immer mehr zum Außenseiter, der sich schließlich auf seine Fähigkeiten besann: Zähigkeit und Geschick. Irgendwie entstand in der Zeit ein seltsames Trio: Anna, Meri und Lykos. Seltsam für die Erwachsenen, die nicht verstanden warum gerade diese drei so unzertrennlich wurden, dagegen wussten die drei genau was sie zusammenhielt.

[Mehr... »]

Haltern, Dörthe: Wieso nicht einfach nur leben?

(Auszug aus: Das Buch des AlkKao, Dörthe Haltern, 2002/2003)

[...]
“Glaubst du daran?”, fragte der Dämon [Anrar1] sie. “Glaubst du, Menschen hätten einen solch starken Glauben, dass sie Dinge aus diesem Glauben heraus erschaffen können? Ein beunruhigender Gedanke, oder nicht?”
“Es ist eine Theorie.”, meinte Faith² trocken. Sie wusste, dies war keine Antwort, doch etwas gescheitertes fiel ihr im Moment nicht ein.

[Mehr... »]